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Belästigung im Fitnessstudio: Nein, Testosteron ist keine Ausrede!

Eine Frau wurde im Fitnessstudio belästigt. Sie beschwerte sich bei der Leitung des Studios und bekam eine – milde ausgedrückt – unbefriedigende Antwort zurück.

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Es gibt wenige Orte, an denen man sich so stark und gleichzeitig so verwundbar fühlt wie im Fitnessstudio. Stark, weil man sieht, was der eigene Körper kann – wie zäh und leistungsfähig er ist. Und verwundbar, weil der weibliche Körper in fast jeder Lebenssituation objektifiziert wird. Und wenn man enge Sportkleidung trägt, kommt man sich zuweilen besonders beobachtet vor. Klar, nicht jede Frau wird im Fitnessstudio angegraben, angestarrt oder sogar belästigt – aber es passiert leider öfter als man denkt.

Und so erging es auch Elena Bunbury. Sie veröffentlichte einen Nachrichtenaustausch mit der Leitung eines britischen Fitnessstudios. Darin beschrieb sie, wie sie und ihre Freundin beim Probetraining belästigt worden waren. Das allein ist schon eine traurige Sache, aber die Reaktion des Studios machte die Angelegenheit noch viel schlimmer.

Denn auf die Mail der jungen Frau kam folgende Antwort zurück: "Ich arbeite schon seit 3 Jahren in dem Studio und habe noch nie eine Beschwerde über besagte Person gehört (der Name wurde im Posting geschwärzt, Anm.)". Und weiter schreibt die Mitarbeiterin: "Meiner persönlichen Meinung nach ist es eine bedauerliche Situation, dass ein Typ unhöflich Ihnen gegenüber war, aber es hätte überall passieren können. Wir sind hier in einem Fitnessstudio, wo der Testosteronspiegel während dem Training sehr hoch ist. Das bedeutet, dass Männer ein wenig extremer reagieren als sonst."

Haben wir das gerade richtig gelesen? Redet man sich wieder einmal auf die Biologie heraus? Nein, Testosteron ist keine gute oder gar berechtigte Ausrede!

Bunbury postete noch ihre Antwort auf die Mail des Studios. Darin erklärt sie auf sehr nachvollziehbare Weise, warum auch ein anderer, weniger offensichtlicher Teil der Nachricht problematisch ist: "Ich freue mich für Sie, dass sie so eine Situation noch nie erlebt haben, aber eigentlich tut das nichts zur Sache, denn mir ist es trotzdem passiert. (..) Dass sie noch keine offizielle Beschwerde über ihn bekommen haben, bedeutet nicht, dass er nicht schon vorher so mit anderen Mitgliedern gesprochen hat."

Auf Twitter hat das Franchise zwar auf die Kommentare reagiert, doch damit geben sich UserInnen nicht zufrieden: "Hört auf, Antworten zu kopieren! Man merkt, dass ihr unsere Tweets nicht lest. Ihr wollt nur die Illusion aufrechterhalten, dass ihr euch darum kümmert.", schreibt eine Userin. Und eine andere meint: "Hoffentlich kümmert ihr euch wirklich um die Sache. Ich habe es schon oft erlebt, dass Fitnessstudios sich entschuldigen, aber es für die Beteiligten keine echten Konsequenzen gibt."

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Themen: Report, Sexismus