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Florian David Fitz im privaten WOMAN-Talk: „Romantik passiert unerwartet!“

Florian David Fitz. In seinem Erstlingswerk als Drehbuchautor „Vincent will Meer“ – in dem er auch die Hauptrolle spielt – rührt der Frauenschwarm zu Tränen. Mit WOMAN sprach er über Handicaps, Helfersyndrom und wahre Herzensentscheidungen.


Florian David Fitz im privaten WOMAN-Talk: „Romantik passiert unerwartet!“
© Constantin Film

Über dem Himmel von München strahlt die Sonne. Und darunter im Englischen Garten strahlen Leinwandliebling Florian David Fitz, 34 – und wir! „Hier bin ich oft. Ich mag die Natur“, lächelt er zufrieden. Der Hotelierssohn, der mit 19 nach Boston auswanderte, um Schauspiel und Musik zu studieren, und sich u. a. als smarter Dr. Marc Meier aus der Ärzte-Soap „Doctor’s Diary“ in die Herzen der Frauen spielte, ist gerade zurück aus Israel. „Ich bin mit zwei Freundinnen durch die Gegend getourt, wird sind die beste Reisegemeinschaft“, erzählt Fitz und stellt klar, dass er „ein super Kumpel “ ist. Dass er als fleischgewordene Fantasie der Damenwelt gilt, scheint ihn wenig zu kümmern. Fitz freut sich viel mehr über seinen Kinostreifen „Vincent will Meer“ (seit 23. 4. im Kino), wo er den Protagonisten – einen Tourette-kranken Politikersohn – mimt und als Drehbuchautor Talent beweist. „Vincents Krankheit ist eine Metapher und steht für die Bürde junger Menschen auf dem Weg, erwachsen zu werden. Jeder hat sein Packerl zu tragen“, sagt er, pfeift Jack-Russell-Terrier „Loki“ – „der alles frisst, was sich ihm in den Weg stellt“ – zu sich und führt uns ins „Literaturhaus“. Bei Caffè Latte weiht er uns in seine Gefühlswelt und Kochkünste ein.

WOMAN: Florian, was war die größere Challenge für Sie: den Tourette-kranken Vincent zu spielen, der unter seinen vokalen und motorischen Tics leidet, oder ein Drehbuch zu schreiben?

Fitz: Das Schreiben war neu für mich. Ich habe schon mal eines geschrieben, aber das war für die Schublade. Da bleibt’s auch. Aber als ich ein Stipendium bei der Münchner Drehbuchwerkstatt bekam, hatte ich tolle Unterstützung! Beim Spielen hatte ich Schiss. Ich sprach vorab mit Tourette-Kranken, doch die physische Umsetzung war anspruchsvoll. Man kann viel falsch machen. Die Tics können zu klamaukig wirken.

WOMAN: Wie trainierten Sie sich die Zuckungen und Beschimpfungen wie „Fick dich“ an?

Fitz: Den Durchbruch hatte ich, als ich in der S-Bahn zum Zahnarzt fuhr. Da dachte ich: Jetzt probierst du’s mal aus, schaust, wie die Menschen reagieren. Der Witz war, dass keiner sich dafür interessierte. Aber ich machte eine andere Entdeckung: Ich muss nur in mich selbst hineingucken, um meine Impulse – die jeder in sich hat – zu erkennen und ihnen einfach nachgehen. Jeder Tic im Film ist also mehr oder weniger meiner. Bei Kindern kann man so ähnliche Impulse sehen, zum Beispiel wenn sie ihre Grimassen schneiden. Bei Erwachsenen verwächst sich das. Das Tic-Üben ging rasch in Fleisch und Blut über, nach ein paar Tagen wurden sie immer unwillkürlicher. Aber jetzt habe ich mir das wieder abgewöhnt (lacht) .

WOMAN: Was ist das für ein Gefühl, wenn einem – wie Vincent sagt – „der Clown im Kopf ständig zwischen die Synapsen scheißt“?

Fitz: Es wäre dreist zu behaupten, ich wüsste, wie sich ein Betroffener fühlt. Aber ich stelle mir das vor wie Niesen: Du spürst, es kommt, und dein Körper führt den Impuls aus, ohne dass du es wirklich unterdrücken kannst.

WOMAN: War das „Loslassen“ eine Übung fürs echte Leben?

Fitz: Definitiv! (lacht) Es ist für mich immer eine Herausforderung, nicht immer alles kontrollieren zu wollen. Ich tue mir schwer, mich von geliebten Menschen und Dingen zu verabschieden. Neige zum Festhalten.

WOMAN: Vincent wird, nachdem er zwei Tage neben der Leiche seiner alkoholkranken Mutter gesessen ist und völlig teilnahmslos aufgefunden wird, von seinem Vater in eine Heilanstalt eingewiesen...

Fitz: So, wie Sie das beschreiben, klingt das ja brutal nach Drama (lacht) .

WOMAN: Ist es ja auch! Dort bildet Vincent schließlich mit der anorektischen Marie und dem zwangsneurotischen Alex eine „Schicksalsgemeinschaft“. Vincent hat nur ein Ziel: das Meer von San Vincente zu sehen, wo seine Eltern das letzte Mal glücklich waren. Ist ein ähnliches Schicksal die Basis für Liebe?

Fitz: Och, Sie stellen mir Fragen zur Liebe, als wäre ich Dr. Sommer (lacht) . Ich weiß es nicht. Ich habe gehört, dass ähnliche Leute besser zusammenpassen. Die Redewendung „Gegensätze ziehen sich an“ mag vielleicht im Bett stimmen. Aber wenn’s um eine Beziehung geht, ist man sicher besser dran, wenn man einen Partner hat, der einem ähnlich ist. Gleiche Interessen und Erfahrungen erleichtern den Alltag.

WOMAN: Haben Sie schon mal Frauen angezogen, die ähnliche Probleme hatten wie Sie?

Fitz (lacht): Ich weiß, was Sie meinen, aber nee! Das ist mir noch nicht passiert. Ich bin nach dem Trubel beim Drehen gerade mal zur Ruhe gekommen. Da bräuchte ich schon einen Psychologen, um aufzugliedern, wen ich gerade anziehe...

WOMAN: Ich höre Ihnen gern zu! Kostenlos!

Fitz (lacht schallend) : Nein, nein! Ich bin fest verwurzelt in einem Freundeskreis.

WOMAN: Was beschäftigt Sie zurzeit?

Fitz: Ich bin dankbar, dass ich dieses Projekt abgeschlossen habe. Habe eine Kerze angezündet in der Kirche, weil alles so gut lief. Das ist nicht selbstverständlich! Wenn im Leben so viel passiert, dann rauschen die Ereignisse so bedeutungslos durch. Das will ich nicht. Ich will schon ab und an anhalten und wahrnehmen, wie viel Glück ich habe.

WOMAN: Anders als Vincents Mutter, die sich mit einigelte, fordern ihn Marie und Alex heraus. Die drei ziehen sich schonungslos durch den Kakao, wecken beieinander aber auch totgesagte Kampfgeister. Und sie nehmen sich an, wie sie sind...

Fitz: Das sehe ich nicht so! Die kritisieren aneinander herum, sind ungeduldig. Dadurch lernen sie, dass auch andere Menschen Schwächen haben. Sie packen sich nicht in Watte.

WOMAN: Mag sein, dass der Ton rüde ist, aber sie akzeptieren sich.

Fitz: Das stimmt. Aber echte Akzeptanz ist ja auch erst möglich, wenn man sich die Meinung geigen darf, nicht wahr?

WOMAN: Können Sie jeden Menschen lieben, wie er ist?

Fitz: Ich bin kein Heiliger. Klar habe ich auch schon den Fehler gemacht, mir jemanden zurechtformen zu wollen. Gelungen ist es mir natürlich nicht, man kann niemand verbiegen (lacht) ! Versuchen tun’s aber alle.

WOMAN: Für den Weg in die Freiheit sprengen Vincent und seine Freunde mehrere Grenzen: Sie klauen ein Auto, prellen die Zeche. Was war Ihr größter Befreiungsschlag, wann haben Sie sich aus einem beengenden Korsett befreit?

Fitz: Ich lebte nie unterdrückt. Ging nach dem Abi für fünf Jahre nach Amerika. Weiter raus hätte ich nicht können. Aber das war keine Flucht von zuhause. Meine Eltern fanden das gut. Ich musste keinen zur Seite treten, um frei zu sein.

WOMAN: Auch nicht Ihre Schwester Steffi, die Sie „Lurchimutti“ nennen?

Fitz: Nein. Der Name kommt daher, dass wir als Kinder oft bei Salamander Schuhe kaufen waren. Für jeden Einkauf gab’s Comics. Eine Figur hieß „Lurchi“. Steffi war die Lurchimutti!

WOMAN: Was mich an Ihrem Film so berührt, ist, dass niemand perfekt ist! Und wenn man jemand mag, ist nicht entscheidend, dass der fesch ist. Weil die Wesen im Inneren zueinanderfinden...

Fitz: Ja, man muss auf die Chemie vertrauen. Aber es wäre eine Lüge, zu sagen, die Optik ist egal. Es ist sicher schwer, jemanden im Internet zu finden, weil da sieht man nur das Äußere. Und nicht umsonst haben wir alle mehrere Sinne, um jemand wahrzunehmen.

WOMAN: Welche Frauen ziehen Sie eigentlich an?

Fitz: Bitte nicht diese Fragen! Das Thema habe ich im Film „Männerherzen“ so zerredet. Ich bin ein gebranntes Kind.

WOMAN: Vincent und Marie sind zwar zärtlich, schlafen aber nicht miteinander. Könnten Sie sich eine Beziehung ohne Sex vorstellen, nur mit Schmusen und Streicheln?

Fitz (lacht langsam los) : Charmanter und geschickter Versuch, Madame! Viel interessanter ist doch, dass Marie nicht aufmachen kann. Weil sie krank ist.

WOMAN: Wie kann man lernen, sich zu öffnen? Das schaffen ja nicht mal gesunde Menschen immer.

Fitz: Sie müssen es einfach machen. Das geht über Vertrauen. Den Schlüssel zum Herzen hat man selbst. Ich hatte das Glück, dass ich nie neu lernen musste, mich zu öffnen, auch wenn ich schon verletzt wurde. Man kann mich schon erreichen...

WOMAN: ...wie Vincent das Gipfelkreuz eines Berges. Er schreit: „Ich kann das Meer sehen“, dabei ist es nicht das Meer. Doch das ist plötzlich nicht mehr bedeutend.

Fitz: Ja, weil er verstanden hat, dass der Weg das Ziel ist! Dass das Schöne am Weg liegt. Ich bin auch schon Vorstellungen nachgelaufen und erkannte erst am Ziel, dass der Weg das Tolle war. Wie beim Abi oder Führerschein.

WOMAN: Andere Beispiele, wo der Weg schöner ist als das Ziel? Etwa Freundschaften?

Fitz: Bei Freundschaften gibt’s nur den Weg. Das ist das Schöne!

WOMAN: Würden Sie sich wünschen, dass das auch bei Beziehungen so ist?

Fitz (lacht) : Nette Frage!

WOMAN: Bitte nette Antwort!

Fitz (in kindlichem Tonfall) : Nein, nein, du kannst noch so brav bitten! Ich werd’s nicht sagen!

WOMAN: Haben Sie jemals einen Menschen errettet, so wie Vincent das tun soll, als ihn Marie bittet, sie von der Magensonde zu befreien?

Fitz: Man kann niemanden retten, wenn der Betroffene nicht den ersten Schritt macht. Ich habe eine Verwandte, deren Mutter Alkoholikerin war. Die Tochter musste irgendwann mal sagen: Ich muss sie ziehen lassen, ob sie sich totsäuft oder leben will. Bei Menschen, die man liebt, ist das die schwerste Entscheidung überhaupt. Egal ob sie trinken oder Depressionen haben und sich das Leben nehmen. Unser Nachbar kann auch nix machen: Sein einziger Sohn ist ausgerissen, als er 14 war. Seit Jahren ist der verschollen. Anfangs hat er sich Vorwürfe gemacht, was er bloß falsch gemacht hatte. Aber er hat nix falsch gemacht. Jeder Mensch trifft die Entscheidungen so, wie er will! Das Recht zu sterben gehört dazu. Das ist ganz bitter für die Hinterbliebenen, vor allem wenn man jemand halten will. Aber es ist nicht gesund, jemand festzuhalten. Irgendwann weiß man, es ist richtig, loszulassen.

WOMAN: Hat Ihnen schon mal ein anderer Mensch neues Lebensgefühl eingehaucht, vielleicht sogar ohne bewusstes Zutun? Einfach nur durch seine Anwesenheit?

Fitz: Es ist schön, wenn man solche Freunde und eine Familie hat, die das tun. Schon das ist super! Aber schaffen muss man es allein. Nur dann geht man gestärkt aus einer Krise heraus. Egal ob Marie mit ihrer Magersucht oder Vincent mit seinem Tourette: Jeder hat das gleiche Problem: erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen.

WOMAN: Der Film zeigt auch, dass in Ihnen ein Romantiker schlummern muss!

Fitz: Ich bin kein Romantiker in dem Sinn, dass ich versuche, mit Kerzenschein-Dinner Instant-Romantik heraufzubeschwören! Wer versucht, Romantik herzustellen, scheitert. Die romantischsten Momente sind die, die einfach passieren. Überraschend und unerwartet. Das ist ein Geschenk vom Leben!

WOMAN: Was war Ihr romantischstes Erlebnis in diesem Jahr?

Fitz: Ich hatte noch keines (lacht) . Es gibt ja noch andere Qualitäten. Zum Beispiel die Reise in Israel mit meinen Kumpelfreundinnen. Ansonsten verbringe ich meine Freizeit relativ klösterlich. Das tut mir sehr gut neben meinem unruhigen Alltag. Da halte ich es mit „ora et labora“. Ich treffe Freunde, mache Sport, genieße die Natur und koche gern. Ich esse wahnsinnig gern!

WOMAN: Bitte ein Fitz-Rezept!

Fitz: Die Krautwickel, das sind Kohlrouladen, von meinem Vater. Die sind ein Arsch voller Arbeit, aber wahnsinnig lecker.

WOMAN: Da werden sich die Frauen freuen. Sind Sie eigentlich noch Single?

Fitz (lacht) : So leid’s mir tut: Jetzt muss ich Sie loslassen...

Interview: Petra Klikovits