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So sieht genderloses Make-Up wirklich aus

Dieses Make-Up kennt keine Grenzen: die Indie-Marke Fluide macht Beauty-Produkte für alle Menschen, egal welchem Geschlecht sie angehören oder eben nicht angehören!

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fluide beauty
© instagram.com/fluidebeauty

Make-Up belegt im Alltag vor allem eine Funktion: Es soll die Trägerin schöner machen und zwar nach den gerade vorherrschenden Beauty-Regeln. Zurzeit sind buschige, aber gezähmte Augenbrauen in, deshalb gibt es auch viele Produkte, die das unterstreichen. In den 1990er zupfte man jene Brauen bis zum Exzess, woran viele von uns noch immer leiden, doch damals waren eben schwarze Strich überm Auge in und begehrenswert. Und so verhält es sich mit allen Trends! Wir finden gerade im Moment das schön, was uns von den Werbungen, den Magazinen und in den sozialen Medien vermittelt wird. Hinterfragen tun wir das nicht wirklich.

Dabei gibt es so viel, worüber wir uns Gedanken machen könnten! Zum Beispiel darüber, dass in unserer Gesellschaft normalerweise nur Frauen Make-Up tragen. Klar, auch Männer greifen manchmal zum Concealer oder Kajal, aber diese Typen werden dann in bestimmte Schubladen eingeordnet und haben Sonderstatus. Dabei wäre die Welt doch viel bunter und viel netter, wenn einfach alle das mit ihren Körpern machen könnten, was sie wollen, ohne gleich abgestempelt zu werden. Denn das Kategorisieren fällt ja meistens nicht gerade freundlich und befürwortend aus! Außerdem kann es in vielen Teilen der Welt gefährlich sein, sich gegen die Konventionen auszulehnen. Sogar in Österreich würden sich wohl eher wenige Männer trauen, an bestimmten Orten mit Lidschatten, Lippenstift und Nagellack rumzulaufen.

Gegen diese Konventionen kämpft Fluide Beauty mit ihrem Sortiment an. Der Indie-Onlineshop hat Lipglosse, Lippenstifte, Lidschatten und Nagellack im Angebot. Doch die Zielgruppe besteht nicht nur aus Frauen, sondern auch allen Menschen, die gern Make-Up tragen wollen. Egal, ob sich diese Personen einem Geschlecht unterordnen wollen oder nicht - bei Fluide sind sie gut aufgehoben. Und auch wenn Fluide Beauty verhältnismäßig nur wenige Items anbietet, wird ein Teil des Gewinns an wohltätige Organisationen im LGBT-Bereich gespendet. Darunter fällt das Callen-Lorde Gesundheitszentrum, das sich auf die queere Szene in New York und Umgebung konzentriert. Außerdem wird das Sylvia Rivera Law Project unterstützt, das dafür sorgen soll, dass Menschen ihre Geschlechtszugehörigkeit ohne Diskriminierung selbst wählen dürfen.

Die Marke macht vermehrt Werbung auf Instagram und feiert auf ihrem Kanal die Vielseitigkeit von Schminke. Dabei geht es aber nicht um die klassische Selbstverbesserung à la "Wie mein Concealer alle kleinen Pünktchen verschwinden lässt", sondern um den Spaß, den man mit bunten Farben und Glitzer haben kann. Es geht ihnen nicht um elegante Laufsteglooks! Vielmehr darf Make-Up auch mal asynchron, unharmonisch und sogar ein bisschen hässlich sein. So lange die Person sich wohl in ihrer Haut fühlt und Spaß beim Auftragen hatte, ist alles gut. Diese Einstellung mag zwar nicht mit jedem Arbeitsalltag zusammenpassen, doch zumindest für die Freizeit kann man sich ein Stückchen von der lockeren Herangehensweise abschauen. Der eigene Körper ist für Fluide deine eigene Leinwand. Niemand darf dir reinreden und dich zu Veränderungen auffordern, nur, weil du der anderen Person vielleicht nicht gefällst.

Wenn sich ein Mann schminkt heißt das auch nicht automatisch, dass er eine Drag Queen, eine Transfrau oder schwul ist. "0815"-Männer sollten auch die Möglichkeit haben, sich mit Make-Up kreativ austoben zu dürfen, ohne gleich verurteilt zu werden. Und auch Frauen öfter die Möglichkeit nutzen, ihr Make-Up in Bahnen zu lenken, die nicht gerade nach Kylie-Jenners-Fortgehlook aussehen. Der Mut zur Hässlich- und Andersartigkeit hat zwar noch immer einen hohen, gesellschaftlichen Preis, doch wird die Akzeptanz Schrittchen für Schrittchen größer. Sogar große Beauty-Firmen schlagen in die Kerbe des Genderpositivity-Trends. Chanel bringt noch dieses Jahr eine Linie für Männer-Make-Up raus, die Lippenpflege, Augenbrauenprodukte und Foundation umfasst. Diese Kollektion trägt vielleicht sogar dazu bei, dass sich mehr Männer trauen werden, mit Make-Up aus dem Haus zu gehen. Aber in Wirklichkeit ist die Unterteilung in "Männer-Make-Up" und "Frauen-Make-Up" wieder mal ein Blödsinn. Im Endeffekt sollte Schminken für alle Menschen gleichermaßen möglich sein und da braucht es dann eben keine Unterscheidung bei den Produkten selbst.