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Flygskam: Warum sich Schweden fürs Fliegen schämt

In Schweden setzt sich gerade der Flygskam-Trend durch: Menschen schämen sich dafür, mit dem Flugzeug zu reisen und informieren sich vermehrt über Alternativen.

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flugscham
© istockphoto.com

Im Grunde wissen wir es alle: Reisen mit dem Flugzeug sind nicht nur schlecht fürs Klima, sondern auch für die Umwelt. Tatsächlich sorgen die Emissionen, die bei einem Flug ausgestoßen werden, dafür, dass Fliegen die am stärksten wachsende Schadstoffquelle der Welt ist. So erschütternd das auch sein mag, hat sich in unseren Breitengraden noch nicht wirklich eine andere Mentalität durchgesetzt. Will heißen: Flugstrecken von Wien aus werden immer noch mehr ausgebaut.

Doch zum Glück gibt es Länder in Europa, die besser darin sind, an der allgemeinen Moral der Gesellschaft zu feilen. Und so setzt sich in Schweden gerade ein neue Trend durch: Flygskam, auf Deutsch "Flugscham". Dieser Begriff fasst die Meinung der SchwedInnen zum Fliegen mit einem Wort zusammen: Man schämt sich kollektiv dafür, noch immer so viel mit dem Flugzeug zu reisen, obwohl man weiß, dass es schlecht für die Umwelt ist.

Social-Media-Trend: "Ich bleibe am Boden."

Und dieser Trend ist nicht nur ein leeres Internet-Schlagwort, sondern wirklich ein Meinungswechsel, der sich durch die ganze Gesellschaft zieht. Und das, obwohl die SchwedInnen zu den absoluten VielfliegerInnen zählen. Doch scheinbar wird nicht nur in der Politik, sondern auch in den Medien eine Kampagne gegen das Fliegen gefahren und das schon seit einigen Monaten. So haben sich in den sozialen Medien Hashtags wie #flyingless oder #jagstannarpåmarken ("Ich bleibe auf dem Boden") durchgesetzt.

In Facebook-Gruppen wird überdem heftig diskutiert, welche Alternativen es zum Flugverkehr gibt und zu welcher Strecke, welches Fortbewegungsmittel am besten passt. Da zeigt sich deutlich, dass Zugreisen im Kommen sind. Die TAZ führt als Beispiel den bekannten schwedischen Sportler Björn Ferry an, der vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Moderator für den europäischen Wintersport verpflichtet wurde. Dieser hatte aber eine Bedingung: Er würde jede Reise mit dem Zug absolvieren. Der Sender stimmte zu. Somit wird Ferry bis zu 13.000 Kilometer mit dem Zug fahren.

Der Sportler ist aber nicht die einzige berühmte Persönlichkeit, die an dem Phänomen mitarbeitet: Auch PolitikerInnen bekennen sich öffentlich zum Zugfahren und reisen so quer durch Europa. Zum Beispiel Alice Bah Kuhnke, eine Journalistin und Politikerin der schwedischen Grünen, die auf Instagram zum Umdenken aufruft. Sie selbst ist mit dem Zug bis nach Paris, Cannes oder Berlin gefahren.

Warum wir alle weniger fliegen sollten

Es ist schwer oder sogar fast unmöglich, ohne Flieger auf einen anderen Kontinent zu gelangen. Doch der Bewegung geht es nicht darum, die persönliche Freiheit einzuschränken. Vielmehr geht es darum, diese Freiheit so nachhaltig und umweltbewusst wie möglich zu nutzen. Personen, die nur im Urlaub mit dem Flugzeug unterwegs sind, können deshalb leichter etwas ändern als Personen, die im Beruf viel reisen. An der Situation in Schweden kann man gut sehen, dass es durchaus einen gesellschaftlichen Sinneswandel gibt. Man muss nur gemeinsam an einem Strang ziehen.

Thema: Reise