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Foodbloggerin Eva Fischer: Ein Leben mit Zöliakie

Eva Fischer zählt zu den bekanntesten Foodbloggern Österreichs. Nun hat sie ihr zweites Kochbuch herausgebracht. Wir haben mit der Vorarlbergerin gesprochen und uns mit ihr über ihren Alltag, ihren Beruf und ihr Leben mit Zöliakie unterhalten.

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© Photo by Eva Fischer via Instagram

WOMAN: Wie kam es zu deinem Foodblog?

Eva Fischer: Meinen Blog foodtastic betreibe ich nun seit 3 Jahren. In meinem Job beim Start-up Unternehmen KochAbo war ich damals als Rezeptentwicklerin und für verschiedene organisatorische Aufgaben eingesetzt. Da ich mich kreativ noch mehr ausleben wollte, meine Backrezepte und glutenfreie Rezepte weitergeben wollte und mir Foodfotografie, Styling, Illustration schon immer wichtig waren, habe ich mit dem Blog meine persönliche Hobby-Plattform geschaffen.
Beim Bloggen sind mir kreative, ausgefallen Rezepte wichtig, ich möchte anderen Interessierten zeigen, wie einfach und gut eine gesunde Küche ist, dass glutenfreie Speisen keinerlei Verzicht bedeuten.
Wichtig sind mir ansprechende Food Fotos und Ernährungsinhalte.

WOMAN: Warum hast du dich entschieden, ein Kochbuch zu schreiben?

Eva Fischer: Nachdem ich schon meine Rezepte, Foodevents oder Reiseerlebnisse digital mit der Außenwelt teile, war es naheliegend, ein Buch zu schreiben. Ich wollte das Ganze auf Papier bringen, um noch mehr oder andere Leute zu erreichen. Es ist auch die Idee, Betroffene oder Neugierige anhand meiner lebensverändernden Geschichte zu motivieren: etwas zu wagen, ihr Ding zu machen, einfach das Leben in die Hand zu nehmen bzw. einfach nur anfangen, gesund zu kochen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Superfoods, keineswegs nur auf glutenfreier Ernährung.
Es gab von Anfang an den Plan, eine Serie zu machen, immer basierend auf dem LCF-Prinzip, das ich entwickelt habe. Super Bowls war mir ein Anliegen, da ich Essen aus Schalen und Schüsseln mit einem Löffel und ganz vielen Geschmackskomponenten liebe. Ich habe den Bowl-Trend in New York kennen und lieben gelernt und bin sehr froh, dass die bunten Bowls mittlerweile vermehrt bei uns angeboten werden. Feststeht – diese Art von Smoothies oder auch die ganzen Frühstücksbowls, wie z.B. die Acai-Frühstücksbowl, sehen einfach super appetitlich aus. Entweder sind sie mit Feigen, Honig und Nüssen schön dekoriert oder mit Chia-Samen, Goji Beeren und Mandelsplittern.
Das dritte Buch wird im Herbst 2017 erscheinen. Um was es hier geht, darf ich noch nicht verraten.

WOMAN: Was ist an deinem zweiten Kochbuch "Super Bowls" so besonders?

Eva Fischer: Der Name „Life changing food“ hat zwei Bedeutungen. Einerseits geht es hier um meine eigene Geschichte und andererseits um die Wirkung der Lebensmittel, die ich in meinen Rezepten verwende, die unserem Körper so gut tun, dass sie eben „life changing“ sind. Als bei mir damals mit 21 Jahren die Autoimmunerkrankung Zöliakie diagnostiziert wurde, musste ich von einem Tag auf den anderen meine Ernährung umstellen, Lebensmittelpackungen intensiv studieren und anfangen, täglich frisch zu kochen.
Ich sehe diese Diagnose mittlerweile als großen Gewinn, schon gar nicht als Verzicht und sehr „Life changing“. Die Allergie hat mich in eine Welt der Superfoods und Lebensmittel mit vielen Heilkräften eintauchen lassen und meine Art zu kochen unglaublich positiv beeinflusst
LCF ist keine einseitige Diät – hier geht es auch nicht um den Bodymassindex, sondern um das Wohlfühlgewicht. LCF hat eigentlich keine Verzichte und strengen Vorgaben. Es basiert auf den gesunden und nährstoffdichten Rezepten, die uns eine ausgewogene Ernährung sichern, gesund halten und uns mehr Energie schenken. Dabei steht Genuss groß im Mittelpunkt!
Beim 2. Buch habe ich mein Ernährungsprinzip mit einem Trendthema, den Bowls vereint. Nährstoffdichte Rezepte aus einer Schüssel – sozusagen ein persönliches Sch(l)üsselerlebnis.

WOMAN: Warum gerade Super Bowls?

Bowls haben etwas Wohliges, wenn man sie wie beispielsweise eine warme Tasse mit den Händen umfasst. Die Zutaten und Geschmäcker mischen sich leicht und bringen ein neues Geschmackserlebnis. Die schöne Anordnung sorgt für den Augenschmaus.
Ich empfinde Bowls zu kreieren fast meditativ entspannend. Wie in meinem Buch zu sehen, habe ich mir bei einigen Bowls viel Mühe beim Schlichten der Zutaten gegeben. Es komponiert das Essen, bringt optische und geschmackliche Harmonie.
Was ich an Bowls noch so schätze? Sie sind für jedes Ereignis passend: Ob das Müsli am Morgen, der Getreide-Salat mit Gemüse zu Mittag, die Steak Bowl mit Polenta und Rucola für das „fancy“ Abendessen, das Crumble mit Vanilleeis zum Nachtisch oder gleich das 3-Gänge Bowl-Menü für Familie und Freunde; – Bowls passen einfach immer und schmecken auch immer.

WOMAN: Was ist deine absolute Lieblingsbowl?

Eva Fischer: Eine Frühstücksbowl mit Avocado Mash, pochiertem Ei, Pilzen, Babyspinat und Dukkah

Ein Leben mit Glutenintoleranz!

WOMAN: Mit 20 wurde bei dir die Autoimmunerkrankung Zöliakie festgestellt. Wie kann man sich ein Leben damit vorstellen, wie geht es dir jetzt und was sind die Anzeichen dieser Erkrankung?

Eva Fischer: Ich glaube, dass ich Zöliakie schon habe, seit ich 15 Jahre alt bin. Damals hat mein starker Eisenmangel begonnen. Da mein Hausarzt lange dachte, dass der Grund für den Eisenmangel die Pubertät und die Periode ist, habe ich fast sechs Jahre lang Eisentabletten geschluckt. Bis man irgendwann skeptisch wurde, und ich dann durch einen Bluttest und die Dünndarmbiopsie zur Diagnose kam.
Mit etwa 20 Jahren wurde bei mir dann Zöliakie, eine Glutenunverträglichkeit diagnostiziert. – Das war hinsichtlich Studium, Reisefieber und meiner Lebenseinstellung ein ziemlicher Schock. – Ständig auf der Hut sein, dass das Essen kein Quäntchen Mehl enthält. Adé frische Bäckerbrötchen, Nudeln beim Italiener, oder einfach unbeschwert essen, worauf man Appetit hat. Ich musste mich also mit über 20 Jahren neu orientieren und war gezwungen, mich mit den Lebensmitteln richtig zu beschäftigen. Das war viel Frust. Dann aber machte ich das Thema Zöliakie und Lebensmittelkennzeichnung einfach zu meiner persönlichen Studie.

Mir ging es schon immer darum, meine Glutenunverträglichkeit nicht als Einschränkung oder Verzicht zu sehen, sondern im Gegenteil, um eine Art Bereicherung. Ohne sie hätte ich viele Zutaten, Lebensmittel und Rezepte nicht kennengelernt. Dies möchte ich weitergeben. Kochen ist etwas sehr Schönes und fördert unsere Kreativität. Gesundes Essen kann so gut sein und so unheimlich gut schmecken. All dies möchte ich weitergeben. Wir haben nur diesen einen Körper und es ist wichtig, ihn zu hegen und pflegen und in ihn zu investieren.
Meine Zöliakie verwehrt mir zwar viele tolle Lebensmittel, aber ich nehme das nicht als Verzicht wahr, sondern als Herausforderung: Das Umdenken und das Kennenlernen neuer Lebensmittel hat mir eine neue Welt eröffnet. Ich habe viel mehr Genuss und Geschmacksvielfalt entdeckt. So ist etwas Neues und Kreatives entstanden, ein spannender und erfüllender Beruf.
Nach der Umstellung spürte ich vor allem ganz intensiv den Energieschub. Zu Schulzeiten fühlte ich mich oft sehr müde, abgeschlagen und konnte mich schlecht konzentrieren. Nach der Umstellung war dies komplett anders – ich habe viel mehr Energie als früher.

WOMAN: Was sind die Symptome dieser Erkrankung?

Eva Fischer: Wenn ich mich glutenfrei ernähre habe ich keine Symptome. Früher war mein Symptom starker Eisenmangel und daraus die Folge von Müdigkeit, Konzentrationsstörung und Abgeschlagenheit. Würde ich nun einen Diätfehler machen und da reicht schon ein Brösel Brot, würden meine Dünndarmzotten schrumpfen, die wiederum für die Aufnahme der Nährstoffe aus den Lebensmitteln zuständig sind, was wiederum bedeutet, dass ich einen Nährstoffmangel hätte. Es dauert mind. 3 Wochen, bis diese Zotten wieder nachgewachsen sind.

Thema: Foodblogs

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