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Foto-Projekt: Tschernobyl-Girls

In der Sperrzone rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl lichtete Marc Erwin Babej die postsowjetische Generation in den Reliquien ihrer Vorgeschichte ab.

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Foto-Projekt: Tschernobyl-Girls
© Marc Erwin Babej

Unter einer dicken Schicht aus Staub liegen Gasmasken auf dem Holztisch einer Schulklasse in der ukrainischen Stadt Prypjat. Poster an den Wänden erinnern an die letzte Tagung der "Kommunistischen Partei der Sowjetunion", triste Spielplätze und verlassene Häuser spiegeln den Niedergang der UdSSR wieder.

Am 26. April 1986 ereignete sich in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe Prypjat die Katastrophe von Tschernobyl. Mehr als 218.000 Quadratkilometer wurden radioaktiv belastet – mehr als 70 Prozent dieser Gebieteliegen in Russland, der Ukraine und Weißrussland.

2.600 km² umfasst die sogenannte "Zone of Alienation", das mit einem Radius von 30 km um den havarierten Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl gezogene Sperrgebiet. Während die Ukraine Besuchern mittlerweile den Zugang erlaubt, bleibt der weißrussische Teil gesperrt.

Der deutsch-amerikanische Fotograf Marc Erwin Babej besuchte für sein neues Kunstprojekt "Chernogirls" das Grenzgebiet, fotografierte emanzipierte, hochgebildete und selbstbewusste Ukrainerinnen inmitten der tristen Relikte ihrer Vergangenheit. Babej: "Tschernobyl war deprimierend – doch es gab während der Entstehung der Fotoserie auch komische Momente." Seht hier die Bilder des Foto-Projekts:

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Sergej arbeitet in einer Automobilfabrik in Minsk. Aufgrund seines toughen Looks fragt ihn das Foto-Team, ob er an dem Shooting teilnehmen wolle. Auf den ersten Aufnahmen lächelte Sergej verlegen – die beiden Models mussten ihn erst darum bitten, einen toughen und harten Blick aufzusetzen.

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Eine Kuh-Herde im ehemaligen Sperrgebiet etwas außerhalb von Minsk.

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Gasmasken baumeln von der Decke einer Mittelschule in Prypjat.

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Ein typischer Spielplatz inmitten eines Wohnblocks aus der Sowjet-Ära. Der Junge auf dem Bild wohnt hier – und ignorierte das Fototeam völlig.

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Die Dame rechts auf dem Bild lud das Foto-Team in ihren Garten und ließ sich begeistert fotografieren. Das Shooting endete abrupt, als ihr aggressiver und betrunkener Gatte aus dem Haus kam.

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Pripyat, wo sich dieser zur Ruine verkommene Basketball-Platz befindet, ist die nächstgelegene Stadt von Tschernobyl. Vor der Nuklearkatastrophe hatte die Stadt 50.000 Einwohner. Ihr Durschnittsalter: 26. Damit war Pripyat einst eine der jüngsten Städte der Sowjetunion.

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Die Überreste einer Mittelschule. Neben der Registrierkasse liegen noch die Gasmasken am Tisch.

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Die jungen Frauen posieren vor Postern für den 27sten Kongress der KPSU (der kommunistischen Partei der Sowjetunion). Es war der erste Kongress unter Präsident Michail Gorbatschow und fand von 25. Februar bis 6. März 1986 statt - knapp einen Monat vor der Katastrophe von Tschernobyl.

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An den Hauswänden vieler Fabriken hängen so wie früher in der Sowjetunion auch heute noch Bilder der verdientesten Mitarbeiter – wie das Porträt dieses Mannes.

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Chernogirls ist als Edition bei der AB Gallery in Zürich, der Adamson Gallery in Washington und der Amstel Gallery in Amsterdam erhältlich, und wird Anfang nächsten Jahres auf dem internationalen Kunstmarkt vorgestellt.