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Der Kampf, den wir uns nicht ausgesucht haben

Angelo Merendino heiratete die Liebe seines Lebens am 1. September 2008. Exakt 5 Jahre später veröffentlicht er ein Buch mit Fotografien von ihr, die ihren Kampf mit Brustkrebs, den sie schließlich verlor, zeigen.

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The Battle We Didn't Choose
© Angelo Merendino

Als Angelo Merendino Jennifer traf, wusste er, dass sie die Einzige für ihn ist und schon nach wenigen Monaten hielt er um ihre Hand an. Ebenso wenige Monate nach der Hochzeit jedoch erschütterte eine unerwartete Nachricht ihr gemeinsames Leben: Jennifer wurde mit Brustkrebs diagnostiziert.

Drei Jahre nach dieser Diagnose verlor Jennifer ihren Kampf, aber ihren Lebenswillen, ihre Liebe sowie den Alltag mit der Krankheit dokumentierte ihr Mann in berührenden Fotografien um ihre Erfahrungen mit betroffenen Menschen auf der ganzen Welt zu teilen und der Krankheit ein menschliches Anlitz zu verleihen. Denn die Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen nicht nur den Krebs, sondern vor allem eine Frau, die nicht aufgibt. Und eine Liebesgeschichte. Zwischen zwei Menschen und zum Leben.

Wir hatten die Freude, Angelo kennen zu lernen und ihm ein paar Fragen zu stellen:

WOMAN: Wie hast du Jennifer kennengelernt?
Angelo: Ich habe mich für einen Job als Barkeeper beworben, in einem Restaurant, das Jen geleitet hat. Von dem Moment an, als ich Jen sah, wusste ich, sie ist die Einzige für mich - allerdings fühlte Jen keineswegs so! Ungefähr ein Monat später, nahm Jen einen Job in Manhattan an und verließ Cleveland. Wir blieben in Kontakt und im darauffolgenden Winter, während ich sie in Manhattan besuchte, offenbarte ich meine Gefühle für sie. Wir führten sechs Monate lang eine Fernbeziehung, bis ich schließlich ebenso nach New York zog. In der Nacht, in der ich dort ankam, hielt ich um ihre Hand an.

The Battle We Didn't Choose

WOMAN: Warum hast du dich dazu entschlossen, den Kampf deiner Frau gegen den Krebs zu fotografieren?
Angelo: Man fand Metastasen in Jens Körper im April 2010 und ihre Behandlung begann sofort. Nach ein paar Monaten stellten wir fest, dass unsere Familie als auch Freundinnen und Freunde nicht verstanden, wie ernst Jens Krankheit geworden ist. Wir lebten in Manhattan, während ein Großteil von ihnen in Ohio war. Ich begann Fotos zu machen in der Hoffnung, dass die Menschen dadurch besser verstanden, welche Herausforderungen jeden Tag an uns gestellt waren. Wir erwarteteten uns von ihnen keinerlei Antworten, aber wir brauchten sie, um für uns da zu sein.

WOMAN: Wie hast du entschieden, welche Momente du festhalten wolltest
– waren das gemeinschaftliche Entscheidungen zwischen dir und deiner Frau?
Angelo: Bevor ich ein Foto machte, kümmerte ich mich immer um Jennifer. Jen war Nummer Eins. Ich wusste, dass ich mich auf meine Bauchgefühl verlassen musste und wenn mich etwas bewegte, dann drückte ich ab. Ich habe wirklich nicht viel darüber nachgedacht. Es gab keinen Plan für all das, was passierte - keine Gedanken an ein Buch oder eine Ausstellung. Die Fotos entstanden einzig aus der Notwendigkeit heraus zu kommunizieren.

The Battle We Didn't Choose

WOMAN: Wie fühlst du dich jetzt, wenn du die Bilder betrachtest?
Angelo: Meine Gefühle gehen in so viele Richtungen. Manchmal werde ich daran erinnert, wie sehr wir uns geliebt und uns vertraut haben, während es sich andere Male anfühlt, als würde mir jemand in den Bauch treten und ich kann es nicht glauben, dass all dies passiert und Jen gestorben ist. Aber im Großen und Ganzen sehe ich Liebe.

The Battle We Didn't Choose

WOMAN: Wie haben Jennifers Familie und Bekannte auf dein Projekt sowie auf die aktuelle Aufmerksamkeit reagiert?
Angelo: Sie waren allesamt ein große Unterstützung. Jennifer hat ihre Erfahrungen bereits auf ihrem Blog öffentlich geteilt, bevor ich überhaupt mit den Fotos angefangen habe. Nachdem sie 2008 diagnostiziert wurde, frustrierten sie die Informationen, die sie im Internet fand. Das meiste davon fühlte sich steril und klinisch an. Jen wollte ihre Gefühle, die sie als Frau mit Brustkrebs empfand, veröffentlichen, damit andere Frauen sich nicht so allein damit fühlten. Wenn wir unsere Erfahrungen nicht mit anderen teilen, wie können wir dann lernen, wachsen und überleben?

The Battle We Didn't Choose

WOMAN: Kannst du uns ein bisschen etwas zu deiner Non-Profit-Organisation erzählen, die du zu Ehren von Jennifer aufgebaut hast?
Angelo: Die Aufgabe von "The Love You Share" ist es, finanzielle Unterstützung für Krebspatientinnen in Not während der Behandlungszeit zu bieten. Unsere Hoffnung ist, dass ein Gutschein für einen lokalen Lebensmittellieferservice oder die Rückvergütung von Transportkosten oder Krankenhausrechnungen das Leben ein bisschen einfacher macht für diejenige, die um ihre Leben kämpft, auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist.

The Battle We Didn't Choose

Von 2010 bis 2011 entstanden die Bilder, die nun unter dem Titel “The Battle We Didn’t Choose” in einem Buch veröffentlicht wurden. Sie zeigen das Paar mit Clownsnasen, im Freundeskreis, Jennifer mit Schmerzen im Krankenhausbett und zum Schluss nur ein leeres Bett, einen verregneten Tag und schließlich den Grabstein auf dem steht: "I loved it all".

Das Buch kann als eBook über die Website My Wife's Fight With Breast Cancer erworben werden, wobei 50 Prozent aller Erlöse an "The Love You Share" gehen, die Non-Profit-Organisation, die Angelo in Erinnerung an seine Jennifer gegründet hat.

Thema: Brustkrebs

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