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Der Vagina-Report:
20 Fragen & Antworten

Sie ist da, damit wir beim Sex Spaß haben – und steht uns für Geburten zu Diensten. Aber wehe, unsere Vagina ist ernsthaft verstimmt. Schlechte Baktierien, Zykluslaunen und lästige Pilze schmälern die gesamte Lebensqualität. Wie die Scheide tickt und was wir ihr Gutes tun können, haben wir daher für dich gesammelt.

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Der Vagina-Report:
20 Fragen & Antworten
© istockphoto.com

Kann die Scheide ihr eigenes Gleitgel herstellen?

Feuchtigkeit. Kann sie. Die Vaginalschleimhaut produziert ein Sekret, das befeuchtet und das Klima im Gleichgewicht hält. Bei sexueller Erregung produziert sie mehr. Es hängt aber auch vom Hormonspiegel ab. Mehr Östrogen bedeutet mehr Sekret. Deshalb kann es direkt nach der Regel, wenn der Spiegel niedrig ist, zu Scheidentrockenheit kommen. Das Problem kennen auch Frauen in der Menopause, wenn die Produktion weiblicher Hormone zurückgeht.

Richtig einführen. Durch zu wenig Sekret kann es am Scheideneingang beim Sex zu kleinen Rissen kommen. Die tun weh und erhöhen das Infektionsrisiko. Da können Gleitgels und Cremes gegen Scheidentrockenheit gut helfen. Schmerzen vermeidet man auch, wenn der Penis richtig, also der Anatomie entsprechend, eingeführt wird. Die Vagina ist nämlich kein gerader Schlauch, sondern etwas geknickt.

Wie viel Blut pro Zyklus ist normal?

Variabel. Gut eine halbe Kaffeetasse voll verlieren wir monatlich, auch wenn es sich manchmal nach mehr anfühlt. Vor allem am zweiten Tag ist das Blut oft sehr klumpig, dann geht der Großteil der Gebärmutterschleimhaut ab. Die wird übrigens mit dem Alter dicker, die Zusammensetzung des Regelbluts ändert sich dann.

Farbpalette. Eine gesunde Periode kann eine ganze Palette von Rottönen enthalten, von ganz hell bis Burgunderrot. Dunkles Rot wird an der Luft oft braun. Das Blut muss auch nicht bei jeder Regel gleich aussehen, das variiert oft.

Was bitte ist eine Vaginose?

Überbegriff. Der Begriff bezeichnet alle Infektionen der Scheide. Das kann sowohl ein durch Bakterien als auch durch Pilze ausgelöstes Ungleichgewicht im Vaginalklima sein. Die Symptome sind meist ähnlich: Jucken und Ausfluss. Die Behandlung unterscheidet sich allerdings.

Abstrich. Ausschlaggebend für die richtige Diagnose ist ein Vaginalabstrich, den der Arzt dann unter dem Mikroskop auf Ungleichgewichte in der Flora untersucht. Achtung: Bakterien im Mikrobiom sind normal, sie gehören dorthin. Die richtige Verteilung ist ausschlaggebend.

Kann Joghurt bei einer Infektion wirklich helfen?

Hausmittel. Googelt man vaginale Beschwerden, findet man im Netz jede Menge Vorschläge, wie man die Probleme mit Hausmitteln in den Griff bekommt. Probiotisches Joghurt, Teebaumöl, Knoblauchzehen in der Vagina, Sitzbäder mit Urintinkturen etc. Ihnen allen ist eines gemein: Ihre Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen.

Experimente. Ärzte warnen daher vor Selbstversuchen: "Ich habe täglich Frauen in meiner Praxis sitzen, die bereits alle diese Dinge ausprobiert haben", meint etwa der Wiener Gynäkologe Armin Witt. "Natürlich gibt es immer die eine Erfolgsgeschichte, aber meistens hilft es gar nichts und verlängert nur den Leidensweg."

Kann ich Tampons in der Vagina verlieren?

Empfindlich. Sicher nicht. Denn am Ende steht die Gebärmutter und lässt nichts vorbei. Manchmal sind die Dinger allerdings etwas außer Reichweite geraten und man muss sich ein wenig bemühen, sie rauszukriegen. Eine andere Frage ist, ob einem Tampons irgendwie schaden können. Nein, wenn man sie richtig handhabt. Aber Frauen, die empfindlich sind und zu Vaginosen neigen, sollten zur Bio-Variante greifen. In regulären Produkten wurden u. a. Pestizidrückstände und Bleichmittel gefunden, die das Gleichgewicht in der Vagina stören können. Eine Alternative ist auch die Menstruationskappe, erhältlich in Reformhäusern und auf erdbeerwoche.com

Rausnehmen. Ein Tampon soll man übrigens nie länger als 4-6 Stunden drinlassen! Sonst können Keime kommen, mitunter auch gefährliche, die in seltenen Fällen imstande sind, sogar lebensbedrohende Infektionen auszulösen.

Jucken vor der Regel – was soll mir das sagen?

Zyklusabhängig. Im Laufe des weiblichen Zyklus ändert sich unser Hormonhaushalt sehr stark. Das wichtigste weibliche Geschlechtshormon, das Östrogen, ist zur Zeit des Eisprungs am Höchststand. Dadurch werden eventuelle Pilzsporen besser genährt, sie können sich prächtig entwickeln und mit Jucken bemerkbar machen.

Arztbesuch. Kommt dieses Symptom immer wieder, handelt es sich womöglich um chronische Beschwerden. Deshalb heißt es ab zum Arzt. Aber nicht immer muss ein Pilz dahinterstecken. Auch übertriebene Intimhygiene oder aggressive Duschgels können schuld am Jucken sein. Besser spezielle Waschlotionen verwenden.

Kann man Pingpong-Bälle aus der Vagina schießen?

Ballern. Ja, geht. Mit einem sehr starken Beckenboden. In den 1980er-Jahren wurden Strip-Shows in Thailand bekannt, weil die Damen die Bälle nur mit der Kraft des unteren Muskelgeflechts hinauspfefferten.

Training. Diese Kunst müssen wir ja nicht unbedingt anstreben. Aber ein trainierter Beckenboden hat viele Vorteile. Die Vagina wird enger, das sorgt für mehr Spaß und Gefühl im Bett. Und das Risiko von Inkontinenz wird abgefedert. Wie man trainiert? Spanne die Muskeln zwischendurch immer wieder mal so an, als würdest du auf der Toilette den Strahl unterbrechen. Ein paar Sekunden halten, locker lassen. Die Anspannung mit der Zeit immer länger hinausziehen. Und beim Sex zwicke mal so richtig zusammen und zeige deinem Partner, wie viel Kraft du hast. Er wird es mögen!

Blutungen zwischendurch – was Ernstes?

Verhütung. Die sind an sich kein Grund zur Sorge. Im Normalfall ist ein schwankender Östrogenspiegel daran schuld, wie Luisa Störmer und Eva Wünsch in ihrem Buch Ebbe und Blut erklären. Besonders häufig kommt es in Pubertät oder Wechsel zu Schmierblutungen. Es gibt aber auch hormonelle Verhütungsarten wie Hormonspirale oder -stäbchen, Dreimonatsspritze oder Langzeitpille, bei denen die Regel ausbleibt. Kommt es doch einmal zu einer Blutung, ist das unbedenklich, wenn sie rasch wieder aufhört. Ist das nicht der Fall, sollten du baldigst mit dem Arzt deine Verhütungsmethode besprechen.

Beobachten. Gelegentlich kann es aber auch beim ganz normalen Zyklus rund um den Eisprung zu einer leichten Blutung kommen. Ist das die Ausnahme und nicht stark, besteht kein Grund zur Sorge. Auch ein verletztes Blutgefäß in der Vagina kann eine Blutung auslösen, das passiert am ehesten nach dem Sex. Ist das Blut hellrot und versiegt rasch wieder, okay. Sonst lieber zum Arzt gehen.

Brennen, Jucken beim Wasserlassen – was soll ich tun?

Duo infernal. Die "typischen Frauenleiden" Pilzinfekt und Blasenentzündung gehen oft Hand in Hand, wenn in der Vagina zu wenig Laktobazillen sind. "Die Milchsäurebakterien sind die natürliche Selbstverteidigung gegen unerwünschte Eindringlinge", weiß Gynäkologe Armin Witt und warnt vor häufiger Antibiotikagabe: "Das dezimiert sie stark. Keime können leichter einwandern und auch Harnwegsinfekte verursachen."

Schmerzmittel statt Antibiotika. Eine viel beachtete Studie hat außerdem gezeigt, dass Antibiotika bei Blasenentzündung meist gar nicht nötig sind. Es reicht, zum "Ausspülen" der Erreger viel zu trinken und Schmerzmittel zu nehmen. Bei starkem Fieber, blutigem Urin oder Nierenschmerzen heißt es aber auf jeden Fall ab zum Facharzt. Ist die Blasenentzündung chronisch, verspricht übrigens eine neue Antibiotikatherapie, die gezielt die vaginalen Gardnerella-Keime angreift, Hoffnung. Dann unbedingt gleichzeitig eine Vaginaltherapie mit Laktobazillen zum Aufbau der Scheidenflora machen.

Wie wichtig sind Kondome heute eigentlich noch?

Neuinfektionen. Wichtiger denn je. Es ist, denkt man an die Aufklärungskampagnen im Zuge der Aids- Erkrankungen in den 1980er-Jahren, eigentlich unvorstellbar, aber Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch. HIV, aber besonders Tripper (auch als Gonorrhoe bekannt), Syphilis und Feigwarzen verzeichnen viele Neuinfektionen.

Niemals ohne. Das ist übrigens kein Phänomen der jüngeren und promiskuitiveren Generation, es betrifft alle Altersstufen. Und das Einzige, was wirklich schützt, ist die Verwendung eines Kondoms – vor allem mit einem neuen Partner!

Warum riecht das so nach Fisch?

Saures Klima. In einer gesunden Scheide herrscht ein saures Milieu, darum riecht der Ausfluss an sich leicht säuerlich. Durch hormonelle Veränderungen im Zyklus kann das mal intensiver, mal weniger ausgeprägt sein. Problematisch wird es dann, wenn es fischig riecht oder der Ausfluss eine grünlich-gelbe Färbung hat. Dahinter kann eine überwuchernde Besiedlung falscher Bakterien stecken. Vom Arzt checken lassen.

Reizungen. Die Vagina reinigt sich im Grunde selbst. Tägliches Waschen außen mit Wasser oder milder Seife reicht. Wer empfindlich ist, kann zu einem speziellen Waschgel mit Laktobazillen greifen. Finger weg von duftenden Tampons, Binden oder Vaginaldeos! Die können Reizungen verursachen, Infektionen auslösen und den Geruch sogar verschlimmern.

Wie häufig sind Chlamydien?

Infektion. Die bakterielle Infektion mit Chlamydien ist die häufigste sexuell übertragene Krankheit in Europa, sie kann bis zur Unfruchtbarkeit führen. Immerhin zehn Prozent aller Menschen sind ein Mal davon betroffen. Man merkt die Infektion aber fast nicht. Anzeichen dafür können Unterbauchschmerzen, Eierstockentzündungen, Verwachsungen und mehr sein.

Behandlung. Festgestellt werden die Bakterien über einen Abstrich am Gebärmutterhals, der dann gezielt untersucht wird. Eine Testung über Blutabnahme ist veraltet. Einmal entdeckt, bekommt man die Erreger mit Antibiotika gut in den Griff.

Können Frauen ejakulieren wie ein Mann?

Weibliche Prostata. Ja, das ist möglich. Die Klitoris, die sich auch an der Innenwand der Vagina hinaufzieht, enthält prostatisches Gewebe. Bekannter ist das unter der Bezeichnung G-Punkt, der für besonders intensive Orgasmen sorgen soll. Dieses Drüsengewebe erzeugt das gleiche Sekret wie die männliche Prostata, das es bei heftiger Erregung abspritzt. Wahrscheinlich ejakulieren bis zu 90 Prozent aller Frauen regelmäßig, meist ist es aber so wenig Flüssigkeit, dass sie es nicht merken. Es kann aber auch richtig viel sein. In der Fachsprache nennt sich das Squirten – angeblich der Traum vieler Männer.

Erregung. Der G-Punkt liegt übrigens nicht bei jeder Frau an der gleichen Stelle. Bei manchen konzentriert sich das Drüsengewebe in der Nähe des Scheideneingangs. Bei anderen ist es weiter hinten, Richtung Muttermund angesiedelt. Die Schleimhaut fühlt sich dort etwas rauer an. Es lohnt sich, die Stelle zu finden und mit Druck und sanfter Reibung gezielt zu stimulieren. Das könnte den ultimativen Orgasmus geben.

Ist Analverkehr gefährlich?

Kein Tabu. Analverkehr ist längst kein Tabu mehr und auch unbedenklich, wenn man es richtig angeht. Ganz wichtig: Zum Schutz vor Bakterien immer ein Kondom verwenden und danach sofort abziehen bzw. wechseln, bevor der Mann in die Scheide eindringt.

Kurze Wege. Generell sollte man dabei auf erhöhte Hygiene achten. Im Intimbereich liegt alles recht nah beieinander. Über den Steg zwischen Anus und Vagina können pathogene Keime leicht nach vorne wandern.

Wann ist ein Arztbesuch nötig?

Selbstdiagnose. Vor allem Frauen, die häufiger an Vaginosen leiden, meinen die Symptome zu kennen und greifen gern zu Zäpfchen und Cremen im freien Verkauf. "Die Trefferquote für die richtige Therapie liegt aber nur bei 12-30 Prozent", weiß Gynäkologe Dr. Witt.

Kosten. Die Folge sind höhere Kosten für die eigene Gesundheit und oft eine Verschleppung der richtigen Behandlung. Besonders eine bakterielle Entzündung kann "aufsteigen" und sogar zu Unfruchtbarkeit führen. Deshalb bei Beschwerden gleich zum Fachmann gehen.

Macht eine HPV-Impfung für Erwachsene Sinn?

Krebserreger. Ja, absolut. Das Humane Papilloma Virus (HPV) wird über sexuelle Kontakte übertragen. Etwa 80 Prozent aller Menschen infizieren sich irgendwann mit einem der über 100 verschiedenen Virenstämme. Meist kann diese der Körper selbst bekämpfen. Doch vor allem zwei davon (HPV 16 und 18) können zu Gebärmutterhalskrebs führen.

Schutz. Gegen diese beiden Stämme gibt es eine unkomplizierte Impfung, die vor Neuinfektionen schützt. Früher wurde sie nur für junge Mädchen vor dem ersten Sex empfohlen. Mittlerweile geht die Impfempfehlung bis 45. Sie bietet ja auch erwachsenen Frauen Schutz. Besonders wichtig, wenn man den Partner öfter wechselt!

Endometriose, was ist das eigentlich?

Wucherung. Bei Endometriose wandern Schleimhautzellen aus der Gebärmutter in den Unterbauch und wuchern dort weiter. Sie werden von unseren Hormonen gesteuert, unterliegen dem Zyklus und lösen Blutungen aus. Das Blut kann jedoch nicht abfließen, was zu Zysten, Verwachsungen, Entzündungen und Vernarbungen führen kann. An sich sind diese Wucherungen gutartig, sie können aber extrem schmerzen und sogar Organe im Bauchraum befallen.

Schmerzen. In Österreich sind etwa 300.000 Frauen im gebärfähigen Alter davon betroffen, viele wissen es aber gar nicht. Die Krankheit ist immer noch recht unbekannt. Das häufigste Symptom sind sehr starke Regelschmerzen. Wie sich das äußern kann, beschreibt die Betroffene Martina Liel in ihrem Aufklärungsbuch Nicht ohne meine Wärmflasche. Sie bloggt auch darüber auf endobay.de

Wie wichtig ist Sex für die Scheide?

Glücksgefühle. Sehr! Denn er hält sie gesund. Und das im Verbund mit dem gesamten Organismus. Denn die beim Sex ausgeschütteten Glückshormone sorgen fürs generelle Wohlbefinden. In der Vagina selbst kommt es beim Liebemachen durch die Erregung zur Lubrikation. Dieses Feuchtwerden kann vor allem ab den Wechseljahren dazu beitragen, den niedrigen Östrogengehalt in der Vagina zu steigern.

Gleitmittel. Auch Sperma sorgt für Feuchtigkeit. Allerdings liegt sein pH-Wert bei 7,5, im Gegensatz zu 4 in der Vagina. Empfindliche Frauen sollten bei viel Sex zum Kondom greifen bzw. danach vorsichtig spülen.

Wie werde ich meinen Pilz endlich wieder los?

Häufig. Fast jede Frau kennt so eine Infektion, jede 10. leidet chronisch daran. Das ist extrem lästig. Scheidenzäpfchen, die das richtige Gleichgewicht wiederherstellen, helfen oft. "Aber wenn das Problem immer wieder kommt, ist ein therapeutisches Konzept wichtig", betont Gynäkologe Armin Witt, der sich auf Pilzinfektionen spezialisiert hat (gesundheitderfrau.at).

Systemisch. "Bei mehrmaligem Vorkommen ist eine systemische Therapie nötig, lokale Zäpfchen reichen nicht", betont der Experte. Er empfiehlt Antimyotika zum Schlucken. Die zerstören die Pilze, auch im Mastdarm und After, von wo sie oft einwandern. Achtung: Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, bei Pilzen sind sie sinnlos und verstärken das Problem sogar noch.

Ändert Ernährung was bei Problemen "down under"?

Zuckerdiät. Eine gängige alternative Behandlungsmethode bei chronischer Pilzinfektion ist der Verzicht auf Zucker. Denn dieser ist die Hauptnahrungsquelle für Pilze und Bakterien. "Das bringt nur leider nichts", enttäuscht Witt diese Hoffnung. "Die Scheide hat quasi eine eigene Zuckerfabrik, die sich aus dem Hormon Östrogen speist. Er ist bestimmt für die guten Laktobazillen, die hier unbedingt nötig sind."

Mikrobiom. Eine Darmsanierung mit wenig Zuckerkonsum kann trotzdem helfen, denn ein gesundes Mikrobiom dort beeinflusst langfristig gesehen auch die Vagina positiv. Milchsauer vergorene Lebensmittel (z. B. Sauerkraut), Bittergemüse, Ballaststoffe, unverarbeitete und frisch gekochte Lebensmittel helfen, das Darmklima positiv zu beeinflussen.