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Fragen zur Ernährung

Lebensmittelskandale erschüttern das Land. Wir sind verunsichert: Ist bio wirklich bio? Welchem Fleisch dürfen wir trauen? WOMAN beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.


Fragen zur Ernährung
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WAS IST EIGENTLICH BEI DER PRODUKTION VON BIO-OBST UND -GEMÜSE ANDERS?

In der Bio-Landwirtschaft dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, leicht löslichen Düngemittel und Anti-Schimmel-Mittel (sorgen für schnelleres Wachstum und höheren Ernteertrag, erleichtern Transport und Lagerung) verwendet werden. Die Pflanzen werden vorbeugend mit Insekten vor Schädlingen geschützt. Zudem wird ein natürlicher, organischer Dünger (Mist oder Kompost) verwendet. Bio-Obst und -Gemüse wächst langsamer, dadurch enthält es weniger Wasser und schmeckt intensiver.

WIE UNTERSCHEIDET SICH BIOLOGISCHE TIERHALTUNG VON KONVENTIONELLER?

In Bio-Betrieben sind bei der Fütterung Wachstumsförderer verboten, dadurch nehmen die Tiere langsamer zu, erklärt Michaela Knieli von der Umweltberatung ( www.umweltberatung.at ). Das Gesetz schreibt Auslauf ins Freie und eine größere Stallfläche vor als bei Tieren in konventionellen Betrieben. Prophylaktische Medikamentengabe ist verboten, dazu sollte es nur kommen, wenn ein Tier krank ist, egal ob bio oder konventionell. Das Tier darf dann erst nach einer gesetzlichen Wartezeit geschlachtet werden; bei Bio ist diese doppelt so lang.

WIE KANN ICH MIR SICHER SEIN, DASS DAS FLEISCH AUS ÖSTERREICH KOMMT?

Beim Fleisch ist die Etikettierung sehr streng geregelt. Ist das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel oder AMA-Bio-Siegeldrauf, müssen z. B. Rinder in Österreich geboren, gemästet, geschlachtet und zerlegt worden sein, wie Fleischermeister Florian Hütthaler ( www.huetthaler.at ) erklärt. Das gilt aber nur für Frischfleisch. Für die Produktion von Wurst dürfen Rohstoffe international zugekauft werden. Für das AMA-Siegel darf maximal ein Drittel der Rohstoffe aus dem Ausland kommen, und das Produkt muss in Österreich hergestellt werden.

IST BIO GESÜNDER ALS HERKÖMMLICH ANGEBAUTES OBST UND GEMÜSE?

Die Pestizidfreiheit von Bio-Lebensmitteln ist bereits ein gesundheitlicher Vorteil. Der Vitamin- und Mineralstoffanteil hängt aber von Sorte, Boden, Klima und auch Erntezeitpunkt ab. Das heißt, dass der Nährstoffgehalt bei bio nicht höher sein muss, es aber aufgrund längerer Reifezeit teilweise ist. Birgit Beck vom Verein für Konsumenteninformation (VKI, www.konsument.at ) gibt zu bedenken, dass auch bio nicht ganz frei von Schadstoffen ist, weil diese in Luft und Boden trotzdem vorkommen. Ausgewogen ernähren muss man sich auch mit Bio-Lebensmittel - denn Bio-Chips machen auch dick.

WIE SEHR BEEINFLUSST UNSER FLEISCHKONSUM DEN KLIMAWANDEL?

Einigermaßen, denn unser hoher Fleischkonsum trägt wesentlich zum Treibhauseffekt bei. 85 Prozent der CO2-Emissionen in der Landwirtschaft entstehen durch die Tierhaltung. Die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch etwa ist so schädlich wie eine Autofahrt von 250 Kilometern. Laut Umweltberatung verzehren wir außerdem viel mehr Fleisch, als wir sollten. Durchschnittlich essen die Österreicher pro Tag ca. 25 dag Fleisch. Empfohlen werden aber 20 dag alle drei Tage.

IST EIN VERARBEITETES BIO-PRODUKT WIRKLICH ZU 100 PPROZENT BIOLOGISCH?

Ja, denn laut VKI gilt die Bio-Verordnung für jedes Produkt, ob nun im Rohzustand oder bereits verarbeitet. Alle Produkte müssen durch eine Warenstromkontrolle. Das heißt, dass vom Rohstoff auf dem Feld bis hin zum fertigen Produkt alle Zwischenschritte kontrolliert und Richtlinien zur biologischen Landwirtschaft eingehalten werden und belegbar sein müssen. Das gilt auch für die EU und Drittländer. Schwarze Schafe gibt es aber leider.

WAS IST WIRKLICH DRIN IM BROT? GIBT ES NOCH BÄCKER, DIE SELBER BACKEN?

Brot und Gebäck werden bei großen Ketten heute überwiegend von Maschinen gefertigt. Enzyme sorgen für gleich bleibende Qualität und lassen den Teig schneller aufgehen. In wenigen Stunden sind Semmerl & Co fertig. Verpacktes Brot wird durch Alkohol und Erhitzen des eingepackten Produkts haltbar gemacht. Wenige Bäcker, wie z. B. Josef Weghaupt von "Joseph Brot" ( www.joseph.co.at , gibt’s auch in Bio-Märkten), stellen Brot und Gebäck noch von Hand her. Und das braucht seine Zeit: Der Sauerteig ruht 1–2 Tage, dann wird das Produkt geformt, gebacken, 8–12 Stunden gekühlt und erneut gebacken. Es bleibt länger frisch und trocknet nicht so schnell aus.

OBST & GEMÜSE VOM BAUERN: IST DAS AUCH IN DER STADT MÖGLICH?

Eine bequeme Möglichkeit ist das Abo eines Bio-Kistls. Die bestellte Box mit Obst und Gemüse wird ins Haus geliefert (Liste der Anbieter: www.umweltberatung.at/ernaehrung ). Wer gern selber einkauft, geht auf den Markt. Dort bieten Bauern Obst, Gemüse und Fleisch zum Verkauf an (Liste der Märkte: lk-konsu ment.at). Andere Möglichkeit: die Mitgliedschaft in einer Food-Coop. Nahrungsmittel werden dabei direkt bei ausgewählten Produzenten gekauft und an die Vereinsmitglieder weitergegeben ( www.foodcoops.at ). Informationen zu weiteren Selbstversorgermodellen finden Sie auch online auf woman.at.

IST DIE PRODUKTION VON BIO-OBST UND-GEMÜSE AUTOMATISCH UMWELTSCHONEND?

Nein. Da viele Früchte wie z. B. Orangen oder Bananen nicht bei uns wachsen, müssen sie importiert werden. Wer nachhaltig einkaufen will, sollte selten zu Südfrüchten greifen. Und wenn doch, sollte es Bio sein. Denn laut Umweltberatung finden sich in konventionellen Südfrüchten immer wieder Rückstände von Pestiziden auch unter der Schale. Auch Konservierungsstoffe, die vor Schimmelbefall auf dem Transport schützen sollen, können eindringen. Vorsicht bei Zitronen: Unbehandelt heißt nicht ungespritzt. Diese wurden nur nach der Ernte nicht konserviert, während des Wachstums aber sehr wohl gespritzt.

WARUM IST AUF JEDEM STÜCK OBST IM SUPERMARKT EIN EXTRAPICKERL?

Die Aufkleber auf Kiwi und Apfel sowiedie oftmalige Extra-Verpackung von Obst und Gemüse sind vom Gesetz her Pflicht. Nach Auskunft der Umweltberatung sowie von Rewe ( www.rewe-group.at ) soll so die Verwechslung z. B. verschiedener Apfelsorten, aber auch von konventioneller und Bio-Ware vermieden werden.

Barbara Schaumberger