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Fragen zur Ernährung

Lebensmittelskandale erschüttern das Land. Wir sind verunsichert: Ist bio wirklich bio? Welchem Fleisch dürfen wir trauen? WOMAN beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.


Fragen zur Ernährung
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IST BILLIG-BIO WIRKLICH BIO, UND KANN ICH ES MIT GUTEM GEWISSEN KAUFEN?

Ja, denn für Bio-Lebensmittel gelten immer die gleichen Gesetze, und auch bei Tests des VKI werden– was Inhaltsstoffe, Keime usw. betrifft – keine Unterschiede zwischen billigen und teuren Produkten festgestellt. Einzelne Verbände haben aber noch strengere Standards und Richtlinien für Bewirtschaftung und Viehzucht, z. B. muss der Dünger für die Felder dann von den eigenen Tieren stammen. Das Gütesiegel auf der Verpackung gibt darüber genauere Auskunft (genaue Liste: www.konsument.at ).

GIBT ES ALTERNATIVEN ZU DEN IMMER GLEICHEN OBSTSORTEN IM SUPERMARKT?

Der Wunsch der Konsumenten nach immer gleicher Größe, Form und Farbe hat dazu geführt, dass der Handel nur gewisse Sorten Obst und Gemüse anbietet. Von rund 20.000 Apfelsorten etwa finden sich in den Regalen nur noch einige wenige. Der Verein "Arche Noah" bemüht sich um die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und bietet altes Saatgut an. Wer selber anbauen möchte, wird dort fündig ( www.arche-noah.at ). Der Verein arbeitet auch mit Bio-Bauern zusammen. Auf Bio-Märkten oder mit dem Gemüsekistl kommt man in den Genuss alter Sorten.

WAS IST WIRKLICH DRIN IN UNSERER WURST?

Fleisch, Geschmacksverstärker (z. B. Glutamat), Stabilisatoren (z. B.Phosphate), Konservierungsstoffe (z. B. Pökelsalz) und Farbstoffe (z. B. echtes Karmin, wird aus Schildläusen gewonnen). Es gibt genaue Vorschriften, was und wie viel davon in die Wurst darf. Jeder Inhaltsstoff muss auf dem Etikett stehen. Beim Fleisch reicht, wenn z. B. Schwein steht, der Fleischteil muss nicht genannt werden. Laut VKI wird der Fettgehalt oft deklariert, ist aber kein Muss. Vorsicht beim Pökelsalz: Beim Anbraten entstehen Nitrosamine, die u. a. krebserregend sind.

WARUM GIBT ES AUCH IM BIO-KISTL OBST & GEMÜSE DANN, WENN ES NICHT WÄCHST?

Es mag nicht mit dem Bio-Ethos zusammenpassen, aber das Angebot wird hier – wie auch im Supermarkt – durch die Nachfrage der Konsumenten bestimmt. Wir können jedoch selber entscheiden, welches Obst und Gemüse mit unserem Kistl ins Haus kommt. Wer gegensteuern will, bestellt eines mit regionalen und saisonalen Produkten. Ein Saisonkalender gibt Auskunft darüber, was gerade reif ist. Diesen finden Sie online unter www.umweltberatung.at .

BIO IST OFT TEUER. WIE ERNÄHRE ICH MICH TROTZDEM GESUND UND NACHHALTIG?

Prioritäten setzen! Bio­-Gemüse und -­Obst, das Saison hat, ist in dieser Zeit nicht wesentlich teurer als herkömmliches. Also am besten kaufen, was gerade reif ist. Das ist abwechs­lungsreich, und die Geschmacksnerven bekommen etwas Neues zu probieren. Tipp: Versuchen Sie, direkt bei einem Bau­ern zu Ab­-Hof­-Preisen zu kaufen. Essen Sie weniger Fleisch, das dafür aber bio. Setzen Sie auf Alternativen wie Hülsen­früchte, diese enthalten wertvolles pflanzliches Eiweiß.

WAS SAGEN DIE NUMMERN AUF DEN EIERN ÜBER IHRE PRODUKTION AUS?

Die Einzel-­Eikennzeichnung gibt dem Konsumenten Auskunft über die Haltungsart des Huhns, von dem das Ei kommt. 0 bedeutet Bio, 1 Freiland­, 2 Bodenhaltung, 3 steht für Käfig. In Österreich ist Käfighaltung seit 1. 1. 2009 verboten. (Genauere Infos: www.rund-ums-ei.at ). Es gibt an sich strenge Kont­rollen, aber leider auch immer wieder schwarze Schafe. Das alles gilt aber nicht für verarbeitete Eier: Die Her­kunftsbezeichnung ist hier nicht gesetz­lich vorgeschrieben. Eines ist aber sicher: In Bio-­Produkten sind nur Bio-­Eier drin.

THEMA HALTBARKEITS-DATUM: WIE LANG DARF ICH DAS ÜBERSCHREITEN?

Hier unterscheidet man zwischen zwei Bezeichnungen: "Mindestens haltbar bis" und "Zu verbrauchen bis". Ersteres garantiert dem Konsumenten perfekte Qualität bis zu diesem Zeitpunkt. Danach fängt das Produkt an, abzubauen, ist aber nicht verdorben und kann nach positiver Geruchsprobe verzehrt werden. Die zwei­te Bezeichnung wird bei leicht verderb­lichen Produkten wie Frischfleisch ver­wendet. Diese sensiblen Lebensmittel sollten nach Ablauf des Verbrauchs­datums nicht mehr verzehrt werden, die Gesundheit kann darunter leiden.

KANN ICH IN DER WOHNUNG GEMÜSE ANBAUEN?

Ja - aber mit Einschränkung. Wer keinen Garten oder Balkon hat, um Gemüse anzupflanzen, der kann es mit Kräutern und Gemüse auf der Fensterbank probieren. So geht’s: Am besten im Frühling oder Sommer anbauen, da es im Winter zu dunkel ist. Das Kisterl oder der Topf sollte an einem sehr hellen und sonnigen Platz stehen. Die Pflänzchen brauchen viel Luftfeuchtigkeit (regelmäßig mit Wasser besprühen) und immer feuchte Erde. Gut funktionieren Kresse, diverse Kräuter wie Liebstöckel, Dill, Schnittlauch, Rosmarin, Basilikum, aber auch Tomaten. Wem das zu wenig ist, der mietet sich am besten ein Selbsterntefeld und bewirtschaftet dieses (Infos: www.selbsternte.at ).

WELCHEN (TIEFKÜHL-)FISCH KANN ICH ESSEN?

Viele Meeresfische, wie etwa Thunfisch oder Kabeljau, sind von UÜberfischung bedroht und lassen sich auch nur sehr schwer züchten. Aber konventionelle Aquakulturen sind nicht sehr ökologisch. Die Fische, z. B. Lachs und Pangasius, leiden unter den Bedingungen der Massentierhaltung in Käfigen und auf engstem Raum. Dadurch werden sie anfälliger für Krankheiten, vorbeugende Medikamente werden eingesetzt. Gegen Algenwuchs kommen Chemikalien zum Einsatz. Besser und nachhaltiger sind zertifizierte Produkte (Gütesiegel siehe Punkt 20). Heimische Fische wie Forelle und Karpfen sind eine gute Alternative.

WELCHE GÜTESIEGEL GIBT ES, UND WAS BEDEUTEN SIE?

Gütesiegel, Verbands- und Kontrollzeichen gibt es jede Menge, den Durchblick zu behalten ist da schwierig. Das sind die wichtigsten Zeichen in Österreich: Das rote AMA-Gütesiegel (1) dient als Qualitätszeichen für konventionell erzeugte Lebensmittel. Sie garantieren nachvollziehbare Herkunft. Das blaue AMA-Gütesiegel (2) bedeutet dasselbe, nur auf EU-Ebene. Demeter (3) ist das Bio-Siegel mit den strengsten Auflagen.
Friend of the Sea (4) bedeutet, dass dieses Produkt aus nachhaltiger Fischerei und Aquakultur stammt. Das EU-Bio-Siegel (5) ist ein EU-weites Logo, das sich auf jedem hier produzierten Bio-Produkt befinden muss. MSC (6) steht für Meeresfisch aus umweltfreundlicher, nachhaltiger Fischerei. Bio Austria (7) ist das Netzwerk österreichischer Bio-Bauern. Deren Richtlinien sind strenger als die gesetzlichen Mindeststandards des Öko-Landbaus.

Barbara Schaumberger