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Eine Frauenkrankheit: "Ich kann das nicht"

Ein schüchternes Kichern, ein Blick nach unten, die Worte "Nein, das schaff ich nicht, das trau ich mir nicht zu!". Warum hat jetzt eigentlich keiner und keine von uns das Bild eines Mannes vor Augen?

von

schüchternes Mädchen

Gut beim Verstecken?

© Corbis.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass es an der Genetik liegt. Vielleicht ist es die Erziehung oder sind es diverse Vorbilder, die man im Laufe seines Lebens hat, aber irgendetwas prägt Frauen scheins und bringt sie dazu, sich im Gegensatz zu Männern weitaus weniger zuzutrauen.

Unter dem Deckmäntelchen der Bescheidenheit spielen somit Frauen immer wieder ihre Talente und Vorzüge herunter, während Männer kein Problem damit haben, mit ihren Erfolgen zu prahlen. Zu recht natürlich, aber das Recht sollten sich Frauen ebenso heraus nehmen.

Und dass dies nicht nur den Beruf und die großen Entscheidungen im Leben betrifft, sondern auch ganz banale Alltagssituationen, beschreibt ein kürzlich erschienener Artikel der Bloggerin Foxy ganz hervorragend: Sie betreute auf einer Messe einen Stand, wo es etwas zu gewinnen gab - man musste hierfür nur eine Quizfrage beantworten sowie einen Ball auf eine Zielscheibe werfen. Um die Gäste der Messe zu motivieren, wurden alle Vorbeigehenden angesprochen mitzumachen. Und während fast alle Frauen sich zierten, verunsichert waren, gleich von Anfang an beteuerten die Aufgabenstellungen nicht zu schaffen, haben die Männer gleich losgelegt und die Aufgaben einfach umgesetzt. Und wer daneben schoss, hat's eben noch einmal probiert.

Dabei fielen von weiblicher Seite Sätze wie "Oje nein, das kann ich nicht!”, “Ich werf sicher daneben!” “Ich bin urschlecht im Werfen”, “Ich wette, ich weiß das nicht!” von männlicher Seite hingegen “Ich ziel auf die Mitte!”, “Ich will nochmal!” oder “Ah daneben! Aber jetzt!”.

Wir bestätigen also selbst die Klischees der schwachen Frau und des starken Mannes bezüglich unsere Geschlechter. Aber vielleicht ist vielen von uns gar nicht bewusst, wie unsicher diese scheinbare Bescheidenheit - ich bin beinahe versucht das Vokabel "Demut" auszugraben - uns erscheinen lässt. Denn wohl alle von uns haben die magischen Wörtchen "Ich kann das nicht" in der ein oder anderen Form schon einmal ausgesprochen. Aus einer Furcht heraus sich zu blamieren? Aber warum haben die meisten Männer diese Furcht nicht, sondern absolutes Vertrauen in sich, sämtliche Situationen zu meistern?
Erziehen Eltern ihre Kinder bewusst oder unbewusst anders, wenn sie Junge oder Mädchen haben? Was kann man tun um mehr Selbstbewusstsein zu fördern?

Dutzende Fragen - vielleicht sollten wir endlich auch einmal Antworten dazu finden. Oder zumindest darüber nachdenken. Denn ja, wir können das.

Und beenden möchte ich diesen Beitrag noch einmal mit einem Zitat von Foxy: "Fuck it. Werft daneben. Lächelt. Verlangt einen neuen Versuch. Verlangt eine neue Frage. Blamiert euch, seid unsouverän, uncool, tollpatschig Aber tut all das mit Gelassenheit. Mit einer Selbstverständlichkeit. Mit einem herausforderndem Blick, Geduld und Contenance."