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Do-it-All: Wie krank macht uns der Stress?

Karriere, Kids, Mann, Haushalt, Selbstoptimierung: wie krank werden Frauen durch diese "Do-it-All"-Einstellung? Und wer ist am stärksten betroffen?

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Do-it-All: Wie krank macht uns der Stress?

Und auf einmal willst du nur mehr in der Ecke liegen

© iStockphoto

Am liebsten würdest du dich einfach auf den Boden legen. Keiner dürfte dich mehr ansprechen. Du liegst nur da und starrst an die Decke. Ausgebrannt. Erschöpft. Wie ein ausgewrungener nasser Fetzen. Keine Energie mehr in dir.

Der Druck, die Karriere, die Kinder, die Beziehung, den Haushalt, die Selbstverwirklichung. Wir wollen so vieles, wir schaffen oft so wenig. Weil wir nicht alle Bälle in der Luft halten können. Egal, wie sehr wir hampeln. Eine Frau könnte viele Leben leben. Hat aber nur eines. Oder eines für drei. Mehr geht sich dann aber wirklich nicht mehr aus.

Die Generation "Do-it-All" nennen Psychiater berufstätige Frauen zwischen 30 und 45 Jahren. Fast 67% von ihnen leiden laut einer aktuellen Studie der britischen Health and Safety Executive (HSE) unter ernsten Stresssymptomen. Eine Quote, die sich in den letzten vier Jahren um unglaubliche 18% gesteigert hat.

Studienleiterin Judith Mohring zum britischen Telegraph : "Die Rolle der Frau hat sich in den letzten 50 Jahren drastisch verändert - vor allem in Hinblick auf das Berufsleben. Wir können nun karrieretechnisch alles erreichen, was lange Zeit Männern vorbehalten war. Aber was Frauen laut unserer Untersuchung nach wie vor nicht hinbekommen: jene Aufgaben, die dem traditionellen Rollenbild von einst entsprechen, besser aufzuteilen und zu delegieren."

Ernste Stresssymptome, weil Frauen im Spannungsfeld stehen

Frau will in jedem Feld überperformen. Top im Job, aber auch daheim möglichst dem Idealbild der Frau entsprechen. Männer, so Mohring, seien da etwas entspannter: "Sie geraten nicht so sehr in dieses Spannungsfeld. Auch wenn es wie ein Klischee klingt, aber unsere Untersuchung hat bestätigt: Männern ist manches nicht so wichtig. Wenn sie spät vom Büro kommen, dann müssen sie den Kindern nicht unbedingt frisch Gekochtes hinstellen. Und es juckt sie auch nicht so extrem, wenn mal vier Tage lang nicht der Staub gesaugt wurde. Sie haben da eher eine laissez-faire-Einstellung."

Bis ich nicht mehr kann...

Dazu komme, dass die Anforderungen im Job in den letzten Jahren massiv erhöht wurden – und durch die Digitalisierung ein Abschalten nur mehr schwer möglich sei. Mohring: "Die Frauen, die starke Stresssymptome aufwiesen, erzählten, dass sie meist noch vor dem Schlafengehen Mails lesen oder am Tablet Infos suchen."

Auch seien die Frauen selten bereit, sich ihre Überlastung einzugestehen. Sie kommen erst in die Klinik, wenn sie ein massives Burnout erleiden oder begonnen haben, sich bereits vormittags mit Alkohol zu betäuben, um den Tag zu überstehen. Depressionen, völlige Erschöpfung und Alkoholismus seien die häufigsten Auswirkungen des Stress.

5 Tipps, um Stess besser abzubauen

1

Mach Sport. Bewegung lässt den äußeren Stress zwar nicht verschwinden, aber er hilft dabei, klare Gedanken zu fassen und sich den Problemen wieder ruhiger zu nähern.

2

Nicht mehr Rauchen und Trinken. Zu viel Koffein, Nikotin oder Alkohol hilft zwar kurzfristig, die Stresssignale zu übertünchen - aber verstärkt sie langfristig. Denn sie schwächen deinen Körper, der aber fit sein muss, um die mentale Belastung abzufedern.

3

Zeige soziales Engagement. Nein! Nicht NOCH eine Aufgabe. Richtig. Der Gedanke liegt nahe. Aber Studien zur Stress-Prävention haben ergeben, dass Menschen, die anderen Menschen helfen, widerstandsfähiger und auch emotional stabiler werden.

4

Sei dankbar. Selbstprogrammierung nennt man diese Methode. Denn gerade in Stresszeiten dreht sich die mentale Negativ-Spirale immer weiter nach unten. Setze den Fokus lieber auf die positiven Ereignisse. Notiere jeden Abend drei Sachen, die besonders erfreulich und schön waren.

5

Verlier nicht die Kontrolle. Oder besser: doch! Wenn du merkst, dass dir alles entgleitet, dann konzentriere dich auf jene Sachen, die du in der Hand behalten kannst. Setze einen Fokus. Und lass Bälle auch zu Boden fallen.