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Frauen kämpfen gegen Brustkrebs

Brustkrebs kann jede Frau treffen. Vier Patientinnen erzählen von ihrem Kampf gegen die Krankheit. Wie erkennt man diesen Tumor rechtzeitig, und welche neuen Behandlungen gibt es?


Frauen kämpfen gegen Brustkrebs
© WOMAN

Brustkrebs geht uns alle an – so die Botschaft des internationalen Brustkrebsmonats Oktober. Denn das gefürchtete Leiden ist mittlerweile die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jede Achte wird in ihrem Leben mit dieser Dia­gnose konfrontiert – in Österreich sind das jährlich 4.700 neue Patientinnen. WOMAN gibt diesen ein Gesicht und stellt vier besonders starke Frauen vor.

Früherkennung.  Prof. Dr. Ernst Kubista, Brustkrebsexperte und Vorstand der Abteilung für spezielle Gynäkologie am AKH Wien, erklärt: „Am gefährdetsten sind Frauen zwischen 40 und 70.“ Aber auch sehr junge Frauen können bereits von dieser Krebsart betroffen sein. Im Unterschied zu einigen anderen bösartigen Tumorarten ist die Diagnose Brustkrebs aber längst kein Todesurteil mehr. Rechtzeitig erkannt, kann die Krankheit zu 100 Prozent geheilt werden. Um das zu erreichen, werden die Methoden zur Früherkennung laufend verbessert, aber auch in der Therapie gibt es große Fortschritte. Heute wird bei der Auswahl der individuellen Behandlungsmethoden viel besser auf die einzelne Patientin eingegangen, da bereits viel mehr über die verschiedenen Brustkrebs-Arten bekannt ist. Ein Team von drei anerkannten Experten erklärt in WOMAN die aktuellen Therapien im Detail. Die beste Voraussetzung in jedem Fall: den „Feind“ so früh wie nur möglich zu erkennen.

Knoten.  Dass die eigene Mithilfe bei der möglichst frühen Erkennung von Tumoren eine besondere Bedeutung hat, zeigt der Fall von Jutta Grim, die zu den sehr jungen Patientinnen gehört. Die 27-jährige Apothekerin hatte im Vorjahr einen Knoten in ihrer rechten Brust ertastet – zwar nicht bei der von Ärzten empfohlenen Selbstuntersuchung der Brust, sondern beim Eincremen, aber immerhin. Wobei die Tastuntersuchung der Brust durch die Frau oder den Gynäkologen nicht zu den klassischen Früherkennungsmethoden von Brustkrebs gehört, wie Prof. Dr. Ernst Kubista weiß: „Am effektivsten sind noch immer Mammografie und Ultraschall, da kleine Tumore noch gar nicht zu ertasten sind.“ Und je kleiner der Tumor, desto größer die Chance auf eine vollständige Heilung. Ab dem 40. Lebensjahr sollte jede Frau deswegen auch jährlich diese vorsorg­lichen Untersuchungen durchführen lassen. Frauen mit Fällen von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie sogar schon viel früher, da eine familiäre Vorbelastung vorliegen könnte.

Hightech.  Liefert ein Befund kein eindeutiges Ergebnis, so folgt eine Magnetresonanzuntersuchung. Probleme, einen Tumor bei dichtem Drüsengewebe erkennen zu können, die es früher vor allem bei jüngeren Frauen gab, sind damit Vergangenheit. Die neueren Geräte liefern sehr präzise Bilder. Ab Herbst kommt sogar eine völlig neue Methode zum Einsatz, wie Radiologin und Strahlentherapeutin Prof. Dr. Alexandra Resch erzählt: „Bei der Tomosynthese der Brust, die künftig am Wiener AKH durchgeführt wird, ist es möglich, die Brust auf Bildern in dünne Schichten zu zerlegen. Dann sind die einzelnen Ebenen sehr viel deutlicher zu erkennen.“

Biopsie.  Wird tatsächlich ein Knoten in der Brust gefunden, gibt das meist noch keinen Aufschluss dar­über, ob dieser gut- oder bösartig ist. Bei einer Biopsie wird deshalb Gewebe entnommen. Der Eingriff geschieht unter lokaler Betäubung mit einer zwei bis vier Millimeter dicken Nadel. Das Gewebe wird anschließend im Labor untersucht. Das Ergebnis gibt Gewissheit, ob es sich tatsächlich um Brustkrebs handelt.

Operation.  Ist der Tumor bösartig, wird dieser operativ entfernt, ebenso wie umliegendes Gewebe und Lymphknoten. In 80 Prozent der Fälle bleibt die Brust erhalten. Chirurgin Dr. Brigitte Hoffmann vom Brustkompetenzzentrum am Wiener Hartmannspital: „Sogenannte Wächterlymphknoten, also jene, die am nähesten an der Brust liegen, verraten, ob die hinteren Lymphknoten bereits befallen sind oder nicht. In den meisten Fällen müssen nicht alle entnommen werden.“ Wenn der Tumor bereits sehr groß ist und mit einer Chemotherapie vor der Operation nicht mehr verkleinert werden konnte oder wenn sich die Krebszellen bereits im ganzen Brustgewebe verteilt haben, wird die Brust im Zuge einer Mastektomie vollständig entfernt. „In diesem Fall bieten wir unseren Patientinnen eine Sofortrekonstruktion an“, macht Brigitte Hoffmann Mut.

Nach der OP.  Wenn eine Strahlentherapie notwendig ist, wird sie zumeist anschließend an die Operation durchgeführt – sei es zur Vorbeugung oder um übrig gebliebene Tumorzellen abzutöten, wie Prof. Dr. Alex­andra Resch erklärt: „Es wird über einen längeren Zeitraum bestrahlt. Das natürliche Gewebe regeneriert sich dann von Tag zu Tag, während die Tumorzellen das nicht können und absterben.“ Da die Tendenz immer mehr dahin geht, nur noch den betroffenen Bereich unter Beschuss zu setzen und nicht wie vor einigen Jahren noch die ganze Brust, ist die Therapie auch nebenwirkungsarm. „Es gibt mittlerweile viel bessere Verfahren, die man genauer dosieren kann, sodass das Zielgebiet mit hoher Dosis bestrahlt wird, während das restliche Gewebe kaum in Mitleidenschaft gezogen wird“, erklärt Resch. Auch der Zeitraum, in dem bestrahlt wird, wird immer kürzer: Eine klassische Strahlentherapie dauert fünf bis sieben Wochen, Teilbestrahlungen sind oft schon in einer
Woche erledigt. Manchmal kann dies schon während der Operation erledigt werden. „Das geht allerdings nur bei sehr kleinen Tumoren“, relativiert Resch.

Chemotherapie.  Besteht die Möglichkeit, dass Tumorreste im Gewebe verblieben sind oder dass sich Tochtergeschwülste bilden, wird im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie durchgeführt. In manchen Fällen auch erst nach der Strahlentherapie. Dabei wird versucht, mit chemischen Stoffen die bösartigen Zellen abzutöten. Ist ein Tumor sehr groß, findet, wie erwähnt, die erste Chemotherapie bereits vor der Operation statt, um diesen zu verkleinern. Immer wieder kommen neue Arzneimittel auf den Markt, die noch stärker auf die Krebszellen wirken. Prof. Dr. Ernst Kubista: „Ohne Nebenwirkungen geht es leider nicht. Allerdings können Symptome wie Durchfall oder Übelkeit gut behandelt werden. Gegen den Haarausfall gibt es aber leider noch nichts.“

Lesen Sie die ganze Story im aktuellen WOMAN 20/2008