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Psychische Gesundheit: Frauen trifft die Corona-Krise härter als Männer

Wie eine Analyse zeigt, leiden Frauen während der Corona-Krise häufiger an psychischen Problemen als Männer. Wir haben eine Expertin dazu befragt.

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Psychische Gesundheit: Frauen trifft die Corona-Krise härter als Männer
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Wie eine Umfrage von "Forsa" bereits im Sommer ergab, leiden vor allem Frauen psychisch unter den Folgen der Pandemie. Durch die Doppelbelastung von Kinderbetreuung und Arbeit zu Hause sind sie stärker betroffen als Männer. Und auch sonst sind die Frauen die Verliererinnen der Krise: Sie übernehmen einen Großteil von unbezahlter Care-Arbeit.

Frauen sind die Verliererinnen der Corona-Krise

Zudem haben sie auch am Arbeitsmarkt viele Nachteile – durch die unklare Situation in den Schulen, haben viele Frauen derzeit Probleme, eine Anstellung zu finden. "Wer soll mich als Mutter von vier Kindern einstellen?", erzählt uns eine 39-jährige Wienerin im WOMAN-Interview. Sie hat ihren Job Ende März verloren. Wir haben in unserer Ausgabe im August über 7 Frauen berichtet, die mit Existenzängsten und Zukunftssorgen kämpfen.

"She told us so"- CARE-Report zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede

Eine der umfangreichsten Analysen zur Corona-Pandemie liefert nun die Organisation "CARE". 10.000 Menschen aus 38 Ländern wurden zu den Folgen der Corona-Krise befragt. Unterschiede gab es natürlich zwischen den Ländern, aber auch zwischen den Geschlechtern. Das Ergebnis des "She told us so"-Reports ist erschreckend: 27 Prozent der Frauen gaben an, psychisch unter der Pandemie zu leiden. Während es bei den Männern nur 10 Prozent sind, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben.

Stressbelastung bei Frauen hoch

Auslöser für die Belastung seien unbezahlte Pflegearbeit, Sorgen um das Einkommen, die Ernährung und die Gesundheitsversorgung. Weltweit gesehen haben Frauen weniger Zugang zu Arbeitslosengeld. So berichten 41 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer weltweit, dass sie seit dem Ausbruch der Pandemie Mahlzeiten auslassen, da ihnen die Mittel für Nahrung fehlen. Und auch die Gewalt gegen Frauen ist seit Beginn der Krise gestiegen: Laut Uno haben sich die Anrufe von Frauen nach Gewalterfahrungen weltweit verdoppelt.

Situation in Österreich: Die Corona-Krise wirft uns zurück

Das Sozialsystem in Österreich ist zwar stark, Frauen sind dennoch benachteiligt. Der Großteil der Hausarbeit und die Kinderbetreuung bleibt an ihnen hängen – wir bewegen uns seit der Corona-Krise also eher zurück als nach vor. Dass das Stresslevel demnach bei Frauen groß ist, bestätigt uns auch eine Psychotherapeutin aus Graz.

Grundsätzlich merke sie aber keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen: "Bei beiden haben sich die grundlegenden Probleme wie etwa Angst oder Unsicherheit in letzter Zeit zum Teil verstärkt, jedoch nicht maßgeblich. Was Frauen zu belasten scheint, ist außerdem nicht das Virus selbst, sondern die Umstände. Sie müssen zurzeit noch einen größeren Teil der Care-Arbeit übernehmen, obwohl sie selbst im Home Office arbeiten sollten."

Und auch die Schule mache die Sache nicht besser: "Durch die täglich wechselnden Regeln und Vorgaben, können sie sich auf nichts einstellen, sondern müssen immer spontan reagieren."

Angesichts der steigenden Infektionszahlen, könnte sich die Situation für Frauen weiterhin schwierig gestalten. Finanzielle Hilfe gibt es wenig. Wie sich die Lage in den Schulen in den kommenden Monaten zuspitzen wird, ist ebenso unklar.