Ressort
Du befindest dich hier:

Frauen bekommen um 43 Prozent weniger Pension!

Equal Pension Day: Frauen müssen mit demselben Betrag 156 Tage länger auskommen als Männer - der 28. Juli markiert dieses Jahr österreichweit den Stichtag.

von

Frauen bekommen um 43 Prozent weniger Pension!
© iStock

Der Equal Pension Day markiert jenen Tag, an dem Männer bereits so viel Pension bekommen haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten haben werden. Dieser Tag fällt 2018 österreichweit auf den 28. Juli. Damit wurde im Vergleich zum vergangenen Jahr ein Tag gewonnen - trotzdem müssen Frauen mit demselben Betrag 165 Tage länger auskommen als Männer. Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es allerdings deutliche Unterschiede. So liegt der Equal Pension Day in Vorarlberg (5. Juli) mehr als eineinhalb Monate vor jenem in Wien (27. August).

Gründe für die Pensionslücke

Die Gründe für den Rückstand sind vielschichtig: Zum einen haben Frauen im Schnitt zehn Beitragsjahre weniger als Männer. Warum? Frauen stemmen rund zwei Drittel aller unbezahlten Haus- und Sorgearbeit und werden daher oft in zeitlich befristete und niedrig entlohnte Teilzeitarbeit gedrängt - von Erwerbsunterbrechungen ganz zu schweigen. Das durchschnittliche Antrittsalter zur Alterspension unterscheidet sich dabei nur um rund 3 Jahre. Das österreichische Sozialversicherungssystem bestraft aber jedes fehlende Jahr: bei den 2017 neuzuerkannten Alterspensionen erreichten nur 2 Prozent der Frauen, (aber auch nicht mehr als 52 Prozent der Männer) jene 45 Versicherungsjahre, die 80 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens als Pension garantieren.

Gleiches Können - weniger Geld?

Dazu kommt noch die Lohnschere: Österreichs Gender Pay Gap wird zwar langsam kleiner, dennoch ist er mit 22,2 Prozent europaweit nur in Estland, Tschechien und Deutschland noch größer. Anders gesagt: Frauen müssen in Österreich aktuell 58 Tage länger arbeiten, um das gleiche Jahreseinkommen zu erzielen, das Männer bereits zu Jahresende für sich verbucht haben. Und das, obwohl Frauen im Durchschnitt mittlerweile sogar besser ausgebildet sind als ihre männlichen Kollegen - vor allem ab Maturaniveau. In den Berufschancen spiegelt sich das nicht wider. Schwer wiegt demnach auch der segregierte Arbeitsmarkt, weil in sogenannten Frauenbranchen die Gehälter weit unter jenen der Männer liegen. Mit dem Wiedereinstieg nach der Karenz verringert sich ein zumeist niedrigeres Einkommen der Frau oftmals wieder weiter durch Teilzeitbeschäftigung - eine Abhängigkeitsspirale.

Während sich ein Teil der Gehalts- und Berufsunterschiede auf Merkmale wie Ausbildung, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Beruf oder Unternehmensgröße zurückführen lässt, können immerhin 15 Prozent des Gender Pay Gaps in Österreich aber NICHT durch solche Faktoren erklärt werden. Frauen verdienen auch einfach deshalb weniger, weil sie Frauen sind. Punkt. Die üblichen Totschlagargumente wie "Frauen fordern einfach zu wenig Gehalt " sind also schlicht hinfällig.

Abhängigkeitsspirale für die Frau

Der Präsident des SPÖ-Pensionistenverbands, Peter Kostelka, macht neben der ungleichen Entlohnung und der Teilzeitarbeit von Frauen wegen Kinder- oder Altenbetreuung vor allem die Auswirkungen der ÖVP-FPÖ Pensionsreform von 2003 dafür verantwortlich: "Der damals beschlossene längere Durchrechnungszeitraum zur Bestimmung der Pensionshöhe hat besiegelt, dass immer mehr Frauen heute immer weniger Pension bekommen. Diese Ungerechtigkeit muss möglichst bald aus der Welt geschafft werden", forderte Kostelka am Freitag in einer Aussendung.

Auch die Wiener Frauenstadträtin Kathrin Gaal macht auf die Ungerechtigkeiten aufmerksam: "Dies Lücke bei der Pension von Frauen wird durch den eingeführten 12-Stunden-Tag, der mehr Frauen in die Teilzeit treibt nur noch vergrößert. Die Mehreinnahmen der Wirtschaft, werden mit der künftigen Altersarmut von heute jungen, berufstätigen Frauen erkauft. Wer durch Geringfügigkeit zu wenig Beiträge eingezahlt hat, wird in der Pension einmal mehr wieder vom Ehegatten abhängig sein!“

Er schlägt deshalb vor, dass die zehn schlechtesten Beitragsjahre bei der Pensionsberechnung nicht berücksichtigt werden. Außerdem will er bei den Kindererziehungszeiten die volle Anrechnung von vier Jahren für jedes Kind und eine Anrechnung von Pflegezeiten bei Betreuung von nahen Angehörigen. Für die kommenden Pensionserhöhung bekräftigte Kostelka die Forderung nach Berücksichtigung der tatsächlichen Teuerung der für die Senioren maßgeblichen Produkte.

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .