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Iran: So clever umgehen Frauen das Stadionverbot

Eine Gleichstellung von Mann und Frau gibt es im Iran nicht, seit 1979 dürfen Frauen auch nicht mehr ins Fußballstadion gehen. Doch junge Iranerinnen beweisen Mut und umgehen das Verbot auf kreative Weise.

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Iran: So clever umgehen Frauen das Stadionverbot
© 2009 Getty Images

Seit 1979 dürfen keine Frauen in iranische Fußballstadien. Dieses Verbot gilt seit der Iranischen Revolution. Während der damaligen Bewegung ist nicht nur die Monarchie abgesetzt worden, sondern aus einem säkularem Staat wurde einer, der unter geistlicher Führung steht. Und da dies noch immer so ist, gibt es auch an dem Gesetzt von 1979 nichts zu rütteln. Dies hat zuletzt der iranische Innenminister Abdolreza Rahmani Fazl auf die Vermittlungsversuche des internationalen Fußballverbandes, Fifa, geantwortet.

Da der Iran an der am 14. Juni beginnenden Fußball-WM teilnimmt, können weibliche Fußballfans ihrer Heimmannschaft zumindest im Ausland, nämlich in Russland, zujubeln. Doch auch zuhause im Iran umgehen junge, findige Frauen das Stadionverbot. Erst kürzlich postete Journalist Sobhan Hassanvand ein Foto, das fünf Frauen in einem Stadion zeigt. Sie sind als Männer verkleidet, tragen neutrale Kleidung und Kunstbärte.

So lustig das Bild auch wirken mag, die fünf Frauen haben wirklich großen Mut bewiesen, sich so ins Stadion zu trauen. Denn das Gesetzt wird sehr ernst genommen. Erst im März dieses Jahres wurden 35 Frauen in Gewahrsam genommen, die sich ein Fußballmatch anschauen wollten. Für ihre Aktion hatten sie sich jenes Spiel ausgesucht, dem auch Fifa-Präsident Gianni Infantino beiwohnen würde. Geändert hat sich trotzdem nichts an der Situation und Infantino wurde oft dafür kritisiert, keine Meinung zum Stadionverbot geäußert zu haben.

Besonders absurd ist auch, dass es sogar eine Frau gibt, die einen iranischen Fußballklub leitet: Schohreh Mussawi ist Leiterin des Zweitligaklubs Baadraan Teheran, doch nicht einmal sie darf sich die Spiele ihres eigenen Vereins ansehen. Im VIP-Bereich des hauseigenen Kargar-Stadions wurde zwar eine Trennwand aus dunklen Scheiben aufgestellt, doch auch hier hat die 51-Jährige mit bösen Blicken zu kämpfen.

Die fünf Frauen, die sich ins Stadion geschlichen hatten, wurden später über Social Media so bekannt, dass sie zwar nicht nachträglich bestraft, aber zumindest im Auge behalten werden. "Jedes Mal, wenn der Klub (Persepolis FC, Anm.) ein Spiel ankündigt, rufen sie mich an und sagen mir, ich soll nicht zum Match gehen." , sagte Zahra Khoshnavaz in einem Interview mit Euronews. Khoshnavaz und ihre Freundinnen wünschen sich eine Zukunft, in der alle IranerInnen einfach ins Stadion dürfen. Doch es sieht nicht so aus, als würde sich am Verbot bald etwas ändern.