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Frauen sterben häufiger als Männer an Herzinfarkt, wenn der behandelnde Arzt ein Mann ist

Eine Analyse von über 500.000 Fällen zeigt, dass Frauen eher an einem Herzinfarkt als Männer sterben - außer sie werden in der Notaufnahme von einer Ärztin und nicht von einem Arzt behandelt.

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Herzinfarkt bei Frau

Hand aufs Herz? Bei einer Frau mit Herzinfarkt nicht unbedingt!

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Herzinfarkt. Vor diesem Wort und viel mehr natürlich vor dieser Störung des Herzmuskels fürchten wir uns alle - schließlich geht es da innerhalb von Sekunden um Leben und Tod. Aber abgesehen vom Zeitfaktor ist erstaunlicherweise noch etwas anderes entscheidend, ob du diesen überlebst: ob dich ein Mann oder eine Frau in der Notaufnahme behandelt.

Herzerkrankungen gehören sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu den häufigsten Todesursachen, aber letztere überleben weitaus seltener Herzinfarkte. So starben beispielsweise 2016 in den USA laut Aussage der American Heart Association 26 Prozent der Frauen innerhalb eines Jahres nach einem Herzinfarkt, verglichen mit nur 19 Prozent der Männer. Und dieser Abstand vergrößert sich noch: Fünf Jahre nach einem Herzinfarkt stirbt fast die Hälfte der Frauen, verglichen mit 36 ​​Prozent der Männer.

Als Grund hierfür wird immer wieder angegeben, dass die Symptome bei Frauen sich anders zeigen als bei Männern, aber nun zeigt eine großangelegte Studie, die in der Zeitschrift Proceedings der National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, noch einen weiteren: Dafür wurden 500.000 Fälle zwischen 1991 und 2010 analysiert und in vier Kategorien eingeteilt: Ärzte, die Männer behandeln; Ärzte, die Frauen behandeln; Ärztinnen, die Männer behandeln und Ärztinnen, die Frauen behandeln.

"Bei all diesen gibt es statistisch keine Unterschiede, mit Ausnahme von Arzt zu Patientin", sagt Brad Greenwood, ein Autor der Studie und Data Scientist an der Universität von Minnesota. Wenn eine Frau Herzinfarkt-Patientin ist und ihr Notarzt ein Mann, steigt ihr Sterberisiko um etwa 12 Prozent.

Damit wirft die Studie viele beunruhigende Fragen über die Behandlung von Frauen in der Notaufnahme auf, wie die Sorge, dass männliche Ärzte die Beschwerden von Patientinnen nicht so ernst nehmen wie die eines Mannes. Oder dass immer noch Männer in der medizinischen Lehre bevorzugt werden und daher deren Symptome schneller erkannt werden und im Gegenzug Fehldiagnosen bei Frauen gestellt werden.

Ärztinnen hingegen sprechen häufig intensiver mit ihren Patientinnen und Patienten und bieten dadurch mehr evidenzbasierte Versorgung als ihre männlichen Kollegen, so das Forschungsteam hinter der Studie. Dies könnte ihnen helfen, Herzinfarkte schneller zu erkennen, selbst wenn Frauen atypische Symptome haben.

Daher schlägt das Forschungsteam als Lösung für die Unverhältnismäßigkeit vor, dass mehr Ärztinnen eingestellt werden und dass Ärzte auf aktuelle Erkenntnisse umgeschult werden, um zu erkennen, dass eine Herzkrankheit kein "männliches Problem" ist.

Frühes Erkennen ist bei einem Herzinfarkt überlebenswichtig: Hier findest du, wie die Symptome eines Infarkts bei Frauen aussehen.