Ressort
Du befindest dich hier:

Das passiert, wenn die Frau mehr verdient als ihr Mann

Wenn die Frau mehr verdient als ihr Partner, hat das eine Auswirkung auf die Selbstwahrnehmung des Paares. Diesen kuriosen Umstand unterlegt der amerikanische Census Report mit aktuellen Daten.

von

gender pay
© istockphoto.com/JDawnInk

Schon mal von dem Oscars-Fluch gehört? Demnach soll es sehr häufig vorkommen, dass Ehepaare sich scheiden lassen, wenn die Partnerin den berühmten Filmpreis gewonnen hat. Schauspielerinnen wie Sandra Bullock, Kate Winslet, Reese Witherspoon und Hilary Swank ist genau dies passiert: Sie trennten sich von ihrem Partner kurze Zeit, nachdem sie den Oscar bekommen hatten. Zwar besagt eine amerikanische Studie von 2015, dass weibliche Oscargewinnerinnen sich nicht häufiger scheiden lassen als andere Schauspielerinnen, aber der Mythos hält sich hartnäckig. Und die Erklärung liegt für viele auf der Hand: wenn die Frau reicher, berühmter und "mächtiger" ist als ihr Partner, dann kränkt dies das Ego des Mannes und macht ihn unzufrieden.

Was ändert sich, wenn die Frau mehr verdient als der Mann?

Dass hinter all den oft widerlegten Vermutungen trotzdem ein Funke Wahrheit ist, hat nun der amerikanische Census Report gezeigt. In Auftrag gegeben wurde die Studie vom United States Census Bureau, das als Teil des Handelsministeriums vor allem für Volkszählungen zuständig ist. Man befragte Paare bezüglich ihrer privaten Finanzen. Aufgrund jahrelanger Erfahrung wusste die Behörde schon, dass Frauen und Männer häufig von ihren Steuerpapieren abweichende Angaben machen. Dies bewahrheitete sich auch diesmal, wobei ein Unterschied besonders eklatant war: Wenn die Frau mehr verdiente als ihr Partner, gab sie häufiger eine geringere Summe als ihr eigentliches Einkommen an. Ihr Partner jedoch tat das Gegenteil; er gab tendenziell mehr Einkommen an.

In einem Blogpost beschreibt die Studienleiterin Misty Heggeness den Umstand so: "Nehmen wir einen Ehemann in Fargo, North Dakota, dessen Ehefrau mehr verdient. Wenn er ein jährliches Einkommen von 30.000 Dollar bekommt, dann würde er beim Census Report 30,870 Dollar angeben. Das sind 870 Dollar mehr als seine Arbeitgeber offiziell angeben. Und bei der Frau ist es umgekehrt: wenn sie mit 40.000 Dollar im Jahr mehr verdient als ihr Mann, dann würde sie beim Report 39,400 Dollar angeben." Und damit nicht genug! Denn es zeigte sich im direkten Vergleich, dass nicht nur die Männer ihr Einkommen ein bisschen übertreiben, sondern auch die Frauen das Einkommen ihrer Männer höher ansetzen.

Gleichberechtigung auch beim Stolz!

Die Vorsitzende der National Organization of Women, Toni Van Pelt, äußerte sich im US-Fernsehen zu den Erkenntnissen und gab sich traurig. Es sei schlimm, dass so ein großer Druck auf Frauen lastet und, dass sie ihr Können und ihre Errungenschaften trotzdem verschweigen müssen. In Österreich gibt es aktuell keine Erhebungen, die untersuchen was mit einer Partnerschaft passiert, wenn die Frau mehr verdient als der Mann. Wenn man sich mit dem unterschiedlichen Einkommen von Männern und Frauen beschäftigt, kommt man logischerweise schnell zum Gender Pay Gap, der in Österreich noch immer sehr stark ausgeprägt ist. Laut einer Analyse der Statistik Austria verdienen Frauen 38 Prozent weniger als Männer. Diese Lücke entsteht vor allem durch Betreuungspflichten für Kinder, der vermehrt die Frauen nachgehen.

Trotzdem ist es interessant, was man findet, wenn man sich mehr in das Thema "die Frau als Ernährerin" einliest. In den meisten Artikeln wird diese Aufteilung nämlich als eine Art Kuriosum behandelt, unter dem die Männer häufig stark zu leiden haben. Oder aber es wird anderweitig übertrieben. Dann ist die Rede von Toyboys und starken Frauen, die dem Mann auch mal ein Hemd kaufen. Kein Wunder also, dass die amerikanischen Damen und Herren bei solchen Fragebögen ein bisschen schummeln, wenn sie das Gefühl haben, nicht der Norm zu entsprechen. Dabei wäre es an der Zeit nicht nur dem Gender Pay Gap ein Ende zu bereiten, sondern auch die Normalität einer Frau als "Ernährerin" zu betonen. Denn es sollte egal sein, wer mehr oder weniger Geld in einer Partnerschaft verdient, vor allem, wenn sich die Familie damit mehr als gut über Wasser halten kann!