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Twitter-Diskussion: Wenn Frauen Angst vorm Neinsagen haben

Auf Twitter wurden Frauen aufgefordert, von jenen Momenten zu berichten, als sie Angst hatten einen Mann zurückzuweisen.

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Twitter Frauen
© unsplash.com/Eddy Lackmann

In Zeiten der #MeToo-Bewegung wälzt sich die Gesellschaft langsam, ganz langsam um. Und diesmal hoffentlich nachhaltig! Eine Sache, die sich schon fühlbar verändert hat, ist die Bereitschaft von Frauen, mehr über ihre Probleme und Erlebnisse zu sprechen - vor allem, wenn sie mit sexueller Belästigung in Verbindung stehen. Die Sichtbarkeit der Opfer und die Veröffentlichung von Täter-Namen (vor allem bei bekannten Persönlichkeiten) machen den Missbrauch und seine Auswirkungen transparent.

Und auch in der Einverständnis-Debatte, auf Englisch "consent", wird heftig diskutiert. Zum Beispiel in Hinsicht auf den Fall Aziz Ansari. Der Netflix-Comedian wird von einer jungen Frau beschuldigt, nicht auf ihre deutliche Abneigung reagiert und sie immer weiter zu Sex gedrängt zu haben. Dieser Fall wirft für viele die Frage auf, wo die Grenze zwischen einem fürchterlichen Date und sexuellem Missbrauch verläuft.

Eine weitere Diskussion hat jetzt Dianna E. Anderson auf Twitter gestartet. Die Autorin des Buchs "Dameged Goods", das sich mit der Keuschheit im modernen Christentum beschäftigt, hat diese Tweet-Aufforderung formuliert: "Ich will was probieren. Dies betrifft Frauen, die Männer daten. Retweete das, wenn du schon einmal eine Nummer blockiert oder einen Typen ge-ghostet hast, weil du Angst davor hattest, wie er auf ein 'Nein' reagieren würde." Ghosting bedeutet den plötzlichen Kontaktabbruch zu einer Person.

Auf diesen Tweet haben sich unzählige Frauen gemeldet und ihre Geschichten in aller Kürze geteilt:

"Ich habe meinen Chemiekurs verlassen und bin zu Englisch gewechselt, weil es sich nach einem sicheren Raum angefühlt hat. (..)" , schreibt jenn_baerg. Ebenfalls den Unikurs gewechselt hat auch inkpixelspaper, weil ihr Professor eine zweideutige Anspielung machte: " (..) der Professor bot mir an, mit ihm zum Lookout Point mitzukommen, um definitiv besser in seiner Klasse abzuschneiden. Ekelhaft. (..)"

Userinnen smpa, ladyofthect und QuinlokiArt erzählen von extremen Situationen, die fast schon an Stalking grenzen. "Ich habe einem Typen gleich 'Nein' gesagt und er hat mich dann 30 Mal pro Stunde angerufen, kam zu mir nachhause, schlug Dellen in unsere metallene Haustür und meinte, er wolle nur reden. Seitdem habe ich kein schlechtes Gwissen mehr, wenn ich einen Typen, der mir irgendwie nicht geheuer vorkommt, blocke oder ghoste." , kommentierte Letztere.

Natürlich haben sich auch Männer im Twitter-Feed geäußert und viele mit demselben Argument, das ungefähr so klingt: "Nicht alle Männer sind gleich. Tut uns nicht über einen Kamm scheren, nur weil ein paar Weirdos unter uns sind. Seid trotzdem ehrlich zu uns, denn Ghosting nervt."

User CriticalReader7 schrieb: "Ihr könnt euch schon vorstellen, dass es extrem frustrierend für all jene Männer ist, die ein 'Nein' durchaus verstehen. Ein Weirdo ruiniert es für uns alle." Und da zeigt sich auch die Schwierigkeit der Thematik, denn natürlich ist es frustrierend, keine Antwort mehr zu bekommen - das ist es für Frauen wie Männer gleichermaßen.

Aber was CriticalReader7 eben nicht verstanden hat, ist, dass dies ein gesellschaftliches Problem ist. Und es lässt sich auch nicht aus dem Weg räumen, wenn man halt sagt: "Okay, das war halt ein komischer Typ, nächstes Mal wirds sicher besser, weil nicht jeder Mann ist gleich!" Natürlich sind nicht alle Männer gleich, aber es ist nunmal schwer, eine belastende Erfahrung einfach zu verdrängen und so zu tun, als wäre nie was geschehen.

Autorin Margaret Atwood hat die Problematik perfekt auf den Punkt gebracht (auch, wenn es natürlich nicht immer um Mord geht!): "Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie umbringen." Wenn eine Frau also ein schlechtes Gefühl im Umgang mit einem Mann hat, ist es nur normal, wenn sie versucht ihre eigene Sicherheit zu wahren und nicht die Gefühle des Mannes an vorderste Stelle setzt. Es hat nichts mit Männerhass oder Gemeinheit zu tun, sondern nur mit dem eigenen Sicherheitsgefühl.

Thema: Feminismus