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Wie Frauen berühmte Zitate sagen würden

Ich kam. Sah. Und siegte. Wenn Männer derlei sagen, klingt es selbstsicher. Bei Frauen? Gilt es als bitchy. Wie Frauen sich in Meetings unterverkaufen.


Wie Frauen berühmte Zitate sagen würden

Jennifer Lawrence: Stösst Männer mit ihren Ansagen vor den Kopf

© 2015 Getty Images

Es ist eine kleine Anekdote, aber sie macht sehr deutlich, wie unterschiedlich männliche und weibliche Kommunikation wahrgenommen werden. Die Schauspielerin Jennifer Lawrence beschrieb in einem Essay für das feministische US-Newsletter-Portal Lenny : "Ich habe eine Meinung – und die sage ich klar und deutlich. Wie neulich in einem Meeting. Ich habe mich geäußert, ich habe mir kein Blatt vor dem Mund genommen. Ich war dabei keineswegs aggressiv. Und trotzdem rief ein männlicher Mitarbeiter: 'Whooaaah! Wir sind hier alle in einem Team!' – Er reagierte, als hätte ich ihn angeschrien. Ich war schockiert. Ich hatte nichts untergriffiges gesagt, niemanden beleidigt oder angegriffen. Wäre ich ein Mann, der so spricht, dann wäre es niemandem aufgefallen..."

Zickig. BItchy. Kreischend. Aggressiv. Beleidigt.

Wenn Frauen in Meetings ihre Meinung formulieren, ohne sich zurückzuhalten oder zu entschuldigen, dann sind dies die negativen Adjektive, mit denen sie deshalb oft belegt werden. Denn noch ist die Gesellschaft – Jahre der Emanzipation später – nach wie vor nicht soweit, um eine direkte weibliche Sprache, die ohne Entschuldigungen und Konjunktiv ("hätte", "wäre", "könnte") auskommt, einfach als gegeben hinzunehmen.

Die Journalistin Alexandra Petri hat in einem Blog-Eintrag für die Washington Post deshalb ein Gedankenspiel gewagt.Wie würden Frauen die berühmtesten Zitate der Menschheitsgeschichte (allesamt leider von Kerlen) in einem Meeting formulieren – um eben nicht als zickig zu gelten.

Wir präsentieren ein paar der witzigsten Beispiele:

»Ich habe einen Traum! (Martin Luther King)«

Formulierung einer Frau im Meeting: "Tschuldigung, ich hatte da diese Idee... Ich weiß, es klingt ein wenig verrückt, aber wenn wir gerade so ein paar Gedanken wälzen ... Also: ich hatte da so eine Art Vision, die wir eventuell nützen können."

»Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauern nieder! (Ronald Reagan)«

Formulierung einer Frau im Meeting: "Bitte verzeih, Michael, aber wenn ich das ganz kurz einwerfen darf...aber wenn du vielleicht einen Blick auf diese Wand werfen würdest. Bist du nicht auch der Ansicht, dass sie uns ein wenig vom Rest der Welt abschneidet? Nur ein kurzer Blick und nur, wenn es dir möglich ist. Eventuell könntest du ja dann in Erwägung ziehen, ob du sie vielleicht ein Stück weit zumindest abbaust..."

»Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage dich, was du für dein Land tun kannst. (John F. Kennedy)«

Formulierung einer Frau im Meeting: "Ich bin jetzt wirklich kein Experte in sowas, aber vielleicht könntest du deinen Fokus ein wenig verschieben. Also natürlich nur dann, wenn es kein zu großes Problem für dich darstellt. Nur so ein Gedanke. Wenn wir vielleicht alle schauen, was wir dazu beitragen können, dann – zumindest ist das mein Gefühl - kann das möglicherweise funktionieren. Ist aber nur so eine Idee..."

»Ich kam, sah und siegte. (Cäsar)«

Formulierung einer Frau im Meeting: "Nur dank dieses tollen Teams haben wir diese Aufgabe gemeistert. Ich bin dankbar, ein Teil davon zu sein."

»Ich habe noch nicht mal begonnen zu kämpfen. (John Paul Jones, Seefahrer)«

Formulierung einer Frau im Meeting: "Dave, ich werde dir in dieser Angelegenheit nicht widersprechen."

»Die einzige Sache, die wir fürchten müssen, ist die Furcht selbst. (Franklin D. Roosevelt)«

Formulierung einer Frau im Meeting: "Sorry, aber ich fürchte, ich muss das jetzt sagen. Ich denke, wir sollten keine Angst vor Sachen haben, die nicht zum Fürchten sind. Versteht ihr? Ergibt das Sinn für euch? Tschuldigung. Ich glaube, ich hab' das ein wenig verwirrend ausgedrückt."

Thema: Sexismus