Ressort
Du befindest dich hier:

Frauenbericht 2010: Einkommen, Kinderbe-
treuung & Co. – So geht's Frau in Österreich!

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentierte heute den Frauenbericht 2010 (den neuesten seit 15 Jahren und insgesamt vierten) – mit der Bilanz „ja, es hat sich etwas verbessert, nein, wir sind noch nicht am Ziel angekommen.“


Frauenbericht 2010: Einkommen, Kinderbe-
treuung & Co. – So geht's Frau in Österreich!
© Corbis

Vor allem bei den Themenbereichen „Frauen in Spitzenpositionen“ und „gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“ ortet die SP-Politikerin großen Aufholbedarf. Heinisch-Hosek: „Die gläserne Decke ist in Wahrheit eine Decke aus Beton.“ Durch Lohntransparenz in den Unternehmen soll, wenn es nach der Ministerin geht, die Gehaltsschere geschlossen werden. In Sachen Spitzenjobs für Frauen setzt Heinisch-Hosek auf die stufenweise Einführung der Quote: „In der ersten Stufe beruht sie auf Freiwilligkeit, in der zweiten dann auf Verpflichtung.“ Einen großen Schritt in diese Richtung soll es bereits auf dem SP-Parteitag am 11. und 12. Juni geben: Da soll der Quotenantrag mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen und dem Koalitionspartner vorgelegt werden...

Die wichtigsten Punkte aus dem Frauenbericht:

- Frauen haben Männer in der Bildung teilweise überholt: 1971 konnten 70,4 Prozent nur einen Pflichtschulabschluss als höchste Ausbildung vorweisen, 2008 waren es nur mehr 22,3 Prozent. Gestiegen sind die Abschlüsse an Universitäten, Hochschulen und hochschulverwandten Lehranstalten von 1,4 Prozent (1971) auf 13,8 Prozent (2008). Bei Männern lag dieser Wert 2008 bei rund 12,8 Prozent. Technische und naturwissenschaftliche Ausbildungswege sind aber immer noch von Männern dominiert.

- Mehr erwerbstätige Frauen (allerdings auch in Teilzeit-Jobs): Rund sieben von zehn Frauen (68,6 Prozent) sind mittlerweile berufstätig, 1991 waren es erst 62,7 Prozent. Mehr als verdoppelt hat sich seither allerdings die Teilzeitquote - sie betrug 2008 rund 41,5 Prozent (bei Männern 8,1 Prozent). Nur jede vierte Frau in Teilzeit würde übrigens gerne mehr arbeiten, jede zweite gibt als einen Grund für die Teilzeitbeschäftigung Betreuungspflichten an. Bei der unbezahlten Arbeit - also Kinderbetreuung oder Haushalt - wurden nur sehr geringe Verbesserungen verzeichnet, rund zwei Drittel dieser Arbeit werden immer noch von Frauen erledigt. Fest in Frauenhand ist beispielsweise die Pflege: 2007 erfolgten etwa 88 Prozent der Pflegetätigkeiten durch Angehörige, rund zwei Drittel von ihnen waren Frauen.

- Frauen verdienen etwa ein Viertel weniger als Männer: Gemessen am Bruttojahreseinkommen der Männer verdienen sie nur rund 58,4 Prozent, teilzeitbereinigt bekommen sie immer noch um ca. ein Viertel weniger als Männer. Bis zu 18 Prozent verdienen Frauen laut Ministerium weniger, nur weil sie Frauen sind, denn diese Zahl sei statistisch nicht erklärbar. Zum Vergleich: Die Hälfte der Frauen verdient unter 1.740 Euro brutto, bei den Männern sind es 2.232 Euro brutto. Rund sieben Prozent der Frauen sind außerdem berufstätig und gleichzeitig armutsgefährdet ("Working Poor", 2007), insgesamt sind etwa 13 Prozent der Frauen armutsgefährdet.

- Wo sind Frauen in Politik und Wirtschaft? Der Frauenanteil im Parlament lag nach der Nationalratswahl 2008 mit rund 28 Prozent zwar über dem Durchschnitt der EU-27 (24 Prozent), allerdings beispielsweise unter dem Schnitt von Schweden (47 Prozent). In den Aufsichtsräten der börsenotierten Unternehmen sind 2010 außerdem rund neun von zehn Plätzen von Männern besetzt.

- Nachholbedarf bei der Betreuung von unter Dreijährigen Kindern: Die Österreicherinnen bekommen immer später ihr erstes Kind, im Schnitt mit 28, 1 Jahren (1988: 24,5 Jahre). Was die Kinderbetreuung anbelangt, wurden die Plätze von 217.500 (1995) auf 242.800 (2008) ausgebaut. Die Drei- bis Sechsjährigen in Kindergärten sind zu 86,5 Prozent betreut. Bei den unter Dreijährigen allerdings nur noch 14 Prozent.

Infos:
www.frauen.bka.gv.at

Redaktion: Katrin Kuba