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Stöpsel oder Kapsel?

Alternativen: Bis zu 17.000 Tampons verwendet eine Frau im Lauf ihres Lebens. Jetzt hat man nachgewiesen, dass sie gefährliche Inhaltsstoffe enthalten können. Doch es gibt andere Möglichkeiten.

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Stöpsel oder Kapsel?
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Frauenhygiene kann deine Gesundheit gefährden. Wie in einer Studie der amerikanischen Organisation "Women's Voices For The Earth" nachgewiesen wurde, sind viele handelsübliche Tampons, Monatsbinden und Slipeinlagen mit gesundheitlich bedenklichen Chemikalien und Pestiziden belastet. Das Problem: "Die Vagina ist ein stark resorbierendes Organ, das Schadstoffe leicht aufnehmen kann", erklärt Gynäkologe Dr .Christian Matthai. Sie gelangen über die Lymphgefäße direkt in den Blutkreislauf. Chemikalien und Pestizide, unbekannte Kleberrückstände und mehr in Binden und Tampons können zu allergischen Hautreaktionen, Hormonstörungen oder Pilzinfektionen führen. Dioxine aus Bleichmitteln, Parabene oder Formaldehyd, die in einigen Produkten gefunden wurden, stehen sogar im Verdacht, krebserregend zu sein.

Aufklärung. Die meisten Frauen wissen jedoch gar nicht, was alles in ihren Hygieneprodukten drin sein kann, denn diese sind nicht kennzeichnungspflichtig. Die Ausweisungspflicht der Inhaltsstoffe ist das größte Anliegen von Annemarie Harant und Bettina Steinbrugger. Die beiden Frauen haben die Aufklärungs-Plattform Erdbeerwoche gegründet. Dort bieten sie auch einen Webshop an, in dem biologische Alternativen zu Tampons, Binden und mehr angeboten werden (erdbeerwocheshop.com). "Wir wollen Wahlfreiheit für die Frauen. Dazu muss man aber wissen, was man kauft", erklärt Steinbrugger.

Konventionelle Baumwolle ist die am stärksten pestizidbelastete Pflanze weltweit, Biobaumwolle ist teuer und schwer zu bekommen. Der wesentlich günstigere Stoff Cellulose muss in einem komplizierten chemikalischen Prozess saugfähig gemacht und aufbereitet werden. Zusätzlich sind Tampons und Binden mit Kunststoffmembranen überzogen, die das Fusseln der Produkte vermeiden sollen. All diese Inhaltsstoffe resorbiert unser Körper.

Neue Wege. Doch es gibt Alternativen. In Bioläden, Reformhäusern und Webshops werden schadstofffrei hergestellte Tampons und Binden angeboten. Zwar sind diese deutlich teurer, doch "gerade für Frauen, die zu empfindlicher Haut oder chronischen Pilzerkrankungen neigen, sind Produkte aus 100% Biobaumwolle sehr empfehlenswert", weiß Gynäkologe Matthai.

Wer ganz neue Wege gehen möchte, sollte eine Menstruationskappe probieren. Diese kleinen Becher aus medizinischem Silikon - z.B. von MeLuna und Gynial) - werden in die Vagina eingeführt, dort entsteht ein Vakuum, sie saugen sich fest und fangen den Ausfluss auf. Je nach Stärke der Periode wird die Kappe alle 6-12 Stunden entleert. Das funktioniert ganz einfach, indem man den Finger einführt, den Kappenrand eindrückt und den Inhalt in die Toilette kippt. Ausspülen und man kann sie wieder verwenden.

Bis zu zehn Jahre beträgt ihre Lebensdauer. Am Anfang sind Menstruationskappen etwas gewöhnungsbedürftig in der Handhabung. Doch mit ein bisschen Übung sind sie eine angenehme und nachhaltige Alternative.