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Verein Frauen*solidarität: Frauenministerium streicht Förderung

Nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit wurde dem Verein am Montag mitgeteilt, dass es dieses Jahr keine Förderung gibt. Der Verein steht nun vor erheblichen Schwierigkeiten.

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Verein Frauen*solidarität: Frauenministerium streicht Förderung
© ERNST KAINERSTORFER

Eigentlich hätte Claudia Temper, Geschäftsführerin des Vereins Frauen*solidarität, bald einen Termin im Frauenministerium gehabt, bei dem man über die zukünftige Zusammenarbeit reden wollte. Der Termin wurde abgesagt und via E-Mail erreichte sie dann am Montag dieser Woche eine ganz andere Info aus dem Haus von Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP): Die Förderung durch das Frauenministerium wird ab sofort eingestellt. Der im Mail genannte Grund: Der Verein passe nicht in den diesjährigen Förderschwerpunkt. Das bestätigt man auf Anfrage auch im Frauenministerium: Man konzentriere sich im Jahr 2018 auf die Förderung von Frauen- und Mädchenberatungsstellen. Warum das dem betreffenden Verein, der nach Jahren der Unterstützung auch heuer mit dem Geld gerechnet hatte, erst im Juni mitgeteilt wurde, ist damit aber nicht erklärt. Ein spezieller Grund für den Zeitpunkt konnte vom Ministerium nicht genannt werden.


Der Verein, der 1982 von entwicklungspolitisch interessierten Frauen gegründet wurde und sich vor allem mit den Lebenswelten von Frauen in Afrika, Asien und Lateinamerika beschäftigt, wurde seit den 1990er Jahren vom Frauenministerium gefördert. Insbesondere bei der Produktion der Zeitschrift Frauen*solidarität, die vierteljährlich erscheint und unter anderem als Austausch-Plattform für internationale Frauenbewegungen dient, ist man auf die Unterstützung des Ministeriums angewiesen. Aber nicht nur das, auch die umfassende Bibliothek, die nicht zuletzt die Studierenden der nahegelegenen Uni Wien zu schätzen wissen, Veranstaltungen oder auch die Radiogruppe „Women on Air“, die von Radio Orange und der Frauensolidarität 2005 gegründet wurde, sind wichtige Eckpfeiler der Arbeit, die ohne Finanzierung schwierig bis unmöglich umzusetzen sind.

„Offenbar ist kritische Meinungsbildung nicht länger erwünscht“, kommentiert Temper die Entscheidung zur Streichung der Mittel durch das Ministerium. „Wir hoffen aber natürlich, dass das nicht das letzte Wort war und es noch Verhandlungsspielraum gibt.“ Sie habe bereits um einen neuen Termin beim Ministerium gebeten. Interessant ist die Streichung der Mittel auch vor dem Hintergrund, dass man die inhaltliche Expertise der Frauen*solidarität offenbar in diversen Abteilungen des Ministeriums sehr wohl schätzt. Oder warum sonst hat man die Radiogruppe der Frauensolidarität zur Mitwirkung an einer Konferenz im Vorfeld der österreichischen Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft gebeten? "Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun", heißt es dazu aus dem Kabinett der Ministerin.

Öffentlichkeit und Solidaritätskampagne

Die 17.000 Euro, die bisher vom Frauenministerium kamen und dem Verein nun fehlen, müssen jetzt anders aufgebracht werden. Das gestaltet sich nicht zuletzt deshalb schwierig, weil die Absage mitten im laufenden Jahr gekommen ist. „So etwas im Juni bekannt zu machen, ist schon sehr spät im Jahr.“ Darüber hinaus sei nun auch die längerfristige Planung schwierig, denn auch wenn sich die Streichung fürs Erste nur auf das Jahr 2018 bezieht, man wisse auch nicht, wie es 2019 weitergehen wird. „Für uns ist es sehr schwierig zu planen. Was die weitere Finanzierung betrifft, sondieren wir gerade verschiedene Möglichkeiten“, so Temper. Aber man versuche in einem ersten Schritt natürlich einmal Öffentlichkeit für das Thema zu schaffen und zu einer Solidaritätskampagne aufzurufen. „Wir werden natürlich auch anderswo Förderanträge stellen und versuchen Spenden zu lukrieren.“ Mit 2,4 Vollzeit-Stellen ist der Verein, der seine Basisförderung von der Austrian Development Agency erhält, ohnehin schon recht knapp besetzt, wirkliches Einsparungspotenzial gibt es nicht.

Mehr Infos zum Verein Frauen*solidarität gibt es hier.