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Frauentag: Das nervt uns!

Der Po-Grapscher regt auf, ist aber lange nicht alles, was nervt! Drei Frauen diskutieren zum Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek - über blöde Sprüche, Männer in der Sinnkrise und Mamas Ratschläge.


Frauentag: Das nervt uns!
© Reuters/Heinz-Peter Bader

Bügeln, Waschen, Kochen - noch immer vorwiegend Frauensache. Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit im Haushalt erledigen wir. Nicht viel besser sieht es bei der Kindererziehung aus: Weniger als fünf Prozent der Männer gehen in Karenz.

"Es ist noch nicht in den Köpfen angekommen, dass beide glücklich sein können, wenn beide zurückstecken“, sinniert Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Gespräch mit den WOMAN -Leserinnen. "Bisweilen wehren sich die Männer noch gegen den Machtverlust. Und das vehement.“

Doch neben dem schleppenden Fortschritt der Gleichberechtigung stören noch ganz andere Dinge. Was genau, haben die Studentin Agnes Ferner, MomsUCan-Geschäftsführerin Kasia Greco und Family-Business-Chefin Alice Pitzinger-Ryba mit der Politikerin diskutiert …

WOMAN: "Ich habe schon vielen Frauen auf den Po gegriffen, da hat sich noch keine beschwert“, tönte Obermacho Michael Jeannée vor Kurzem in der ORF-Sendung "Im Zentrum“. Sie saßen ihm gegenüber, Frau Minister. Ist Ihnen übel geworden bei der Meldung?

Heinisch-Hosek: Selbstverständlich hab ich mich geärgert, aber es nützt nichts, wenn man ihm dann noch mehr Bühne gibt. Da hab ich mir eher gedacht: Zurückhalten, beim Thema bleiben, weil alles andere ist sinnlos bei ihm. Kurz: Ich fand’s unmöglich borniert!

WOMAN: Und bei dem Satz "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“, den der deutsche FDP-Politiker Rainer Brüderle einer Journalistin zuflötete, womit er eine Sexismusdebatte auslöste?

Heinisch-Hosek: An der Geschichte hat mich positiv aufgeregt, dass 60.000 Tweets die Folge waren. Aber in denen ging es nicht nur um die Brüderle-Geschichte, sondern da haben sich Frauen getraut, über ihre eigenen Erlebnisse zu berichten. Jeder Mann hat sich zu benehmen, hat respektvoll mit seinem Gegenüber umzugehen und soll sich auch betrunken keine Dinge rausnehmen, die beleidigend und herabwürdigend sind.

WOMAN: Wie hätten Sie reagiert?

Heinisch-Hosek: Vor zwanzig Jahren verunsichert, heute mit einem scharfen verbalen Konter wie "Was bilden Sie sich ein?“. Und dann hätte ich die Unterhaltung beendet.

Ferner: Ich hätte ihm gesagt, dass, selbst wenn ich das Dirndl ausfülle, ihm das nicht das Recht gibt, in meinem Dekolleté zu verschwinden.

Greco: Mir wäre das nicht passiert ( lacht ). Wenn doch, wäre ich für eine verbale Reaktion nicht schlagfertig genug, hätte mich innerlich geärgert.

Pitzinger-Ryba: Für mich ist es kein Problem, dass ich mich da wehre. Ich war letztens selbst in einer unangenehmen Situation. In einem Hotel hatte ich mich zur Massage angemeldet, kommt da ein brunftschreiender Tiroler rein und fragt "Ah, Sie wollen einen Termin haben?“ - Ich sag: "Ja, um vier Uhr.“ - Er: "Warum nicht um sechs (!) Uhr?“ Ich habe die Massage abgesagt, aber viele Frauen trauen sich das nicht und können sich dann die ganze Zeit solch blöde Sprüche anhören. Ohne dass sie sich wehren können. Das ist etwas, das aus der Welt geschafft gehört.

Heinisch-Hosek: Sie haben genau das gesagt, was so viele Frauen betrifft, die erstarrt sind, sich nicht sofort wehren, sich aus Angst vor den Folgen nichts sagen trauen und sich das gefallen lassen müssen. Nicht jede Frau ist in dem Moment bereit, "Stopp!“ zu sagen.

WOMAN: Ihre Idee: Ein Po-Grapscher-Gesetz muss her!

Heinisch-Hosek: Der Straftatbestand der sexuellen Belästigung ist ja im Strafrecht verankert, aber nur auf Busen und Genitalien anwendbar. Da muss auch der Po rein.

Ferner: Das finde ich gut. Denn egal, wo man angefasst wird, wenn man es nicht will, muss es Konsequenzen geben. Da gehört der Po nun mal dazu.

Pitzinger-Ryba: Ich bin die Letzte, die sagt, das ist ein Kavaliersdelikt, aber ich sehe das Problem der Erpressung. Also, dass Frauen, die es zuvor wollten und dann nicht mehr, das anklagen.

Heinisch-Hosek: Wir machen die Gesetze zum Schutz von Menschen und nicht, damit sie diese ausnutzen.

Greco: Die Grenzziehung wird dennoch schwer. Ich arbeite viel mit amerikanischen Unternehmen, und da hat vor einiger Zeit eine Kollegin die andere Kollegin, die, noch unkommuniziert, schwanger war, gefragt: "Na, hast ein bissl zugenommen?“ - Die ist dann sofort zur Personalabteilung gegangen, und wenig später kam eine Anklage aus Amerika wegen Belästigung. Das ist schon schwer übertrieben.

WOMAN: Provokant gefragt: Haben’s Männer leichter im Leben? Schummeln sie sich ausgefuchster durch?

Pitzinger-Ryba: Ich finde, dass die Männer arm sind. Tagsüber sollen sie im dunklen Anzug samt Aktenkoffer Rechtsanwalt sein, und wenn sie nachhause kommen, sollen sie sich die Birkenstockschlapfen anziehen und die Körndlmühle anschlagen. Sie waren 2.000 Jahre lang Jäger und Sammler, konnten und durften alles, und plötzlich sollen sie den Herd hüten und einen Teil ihrer Leidenschaften an die Frauen abgeben. Das stößt viele in die totale Verwirrung.

Heinisch-Hosek: Deswegen sind sie aber nicht arm. Aber wir müssen das, was erreicht wurde, verteidigen. Denn ich merke, dass Frauen zunehmend in haushaltsnahe Tätigkeiten zurückgedrängt werden, während sich Männer mit Überstunden mühsam abrackern. Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht in die typischen Rollen rutschen.

Ferner: In Österreich fühle ich mich nicht benachteiligt, aber ich kenne das aus anderen Ländern. Vor Kurzem ist mir das in Ägypten passiert. Da geht Frau nicht alleine auf die Straße. Ich aber schon, und ich wurde die ersten Tage akribisch und auch vorwurfsvoll beäugt. Recht ungewohnt. Man fühlt sich dann schon recht klein und unbedeutend, nicht mehr als starke Frau.

WOMAN: Wenn Sie an Ihre Kindheit zurückdenken: Welches Männerbild wurde Ihnen da vermittelt?

Greco: Mann arbeitet, Frau ist zuhause und sorgt sich um die Kinder. Punkt.

Pitzinger-Ryba: Bei mir war das nicht so, meine Eltern waren beide Ärzte und haben beide gleich viel gearbeitet. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen. In der Folge habe ich selbst nicht überlegt, dass ich nicht arbeite und zuhause, also Hausfrau, bin. Und Mutter bin ich ja immer …

Heinisch-Hosek: Bei mir hat Papa verdient, Mama war zuhause. Ich bin also sehr rollentypisch aufgewachsen und habe mich erst später emanzipiert.

Ferner: Das war bei mir nicht notwendig, weil ich weder ein spezielles Männer- noch ein spezielles Frauenbild mitbekommen habe. Weder musste ich als Mädchen mit Puppen spielen, noch durfte ich nicht die Eisenbahn im Kreis fahren lassen.

WOMAN: Und heute: Was muss Mann für Sie sein und können?

Greco: Mein Mann ist ein extrem wichtiger Teamplayer für mich, der miteinbezogen wird. Was ich in meinem Bekanntenkreis aber oft beobachte, ist, dass es als uncool gilt, wenn ein Mann beim Kaffeetratsch mit Kollegen oder beim Tennisspielen mit Freunden sagt, dass man zuhause mit Birkenstock und Kochtopf in der Küche steht. Aber das ist nichts Böses, es ist okay.

Heinisch-Hosek: Für mich muss er sein wie mein Mann! Er ist mir ein verlässlicher Lebenspartner, Geliebter, Freund. Man muss einander vertrauen und sich zurücknehmen können.

Ferner: Er müsste gleichberechtigt sein. Skills, wie "er muss mehr verdienen als ich“ oder "er muss einen Nagel in die Wand schlagen können“, brauche ich nicht. Das finde ich überholt.

Pitzinger-Ryba: Ich glaube, man sollte gleiche, gemeinsame Wertvorstellungen haben. Dann tritt für mich in den Hintergrund, ob ich den Kampf mit meinem Mann führe, ob er das Kind wickelt oder nicht.

WOMAN: Mischt sich Ihre Mutter in die Kindererziehung ein, nach dem Motto "Das hätte es bei mir nicht gegeben“?

Pitzinger-Ryba: Pausenlos. Sie ruft ständig an: "Wieso erlaubst du das?“, "Warum darf der …?“. Ich sage zu den Kindern, erzählt doch bitte nicht immer alles der Oma. Unmöglich.

Greco: Bei mir ist das ähnlich. Meine Mutter hat begonnen mit "Halt das Baby so, gib das Fläschchen so“. Das habe ich über mich ergehen lassen. Als aber die Diskussion kam: "Mit neun Monaten warst du schon sauber, wieso hat er noch eine Windel?“, habe ich mit "Das ist ein Bub, Mama, da ist das anders“ geantwortet. Mit der Philosophie funktioniert das jetzt ganz gut. Meine italienische Schwiegermutter aber kriegt nach wie vor einen halben Herzkollaps, wenn ich sage: "Kind, trag den Teller in die Küche.“ Da höre ich dann: "Das ist ein zukünftiger Mann, der muss das nicht können.“

WOMAN: Schon mal erschrocken, dass Sie ab und an wie die Frau Mama sind?

Greco: Ich habe von ihr mitbekommen, wie wichtig Disziplin ist. Die lebe ich auch in allen Phasen, aber ich gönne mir im Vergleich zu ihr meine Aus- und Spaßzeiten mit meinen Kindern. Und ich spreche aus, wenn mich was stört.

Pitzinger-Ryba: Ich bitte meine Kinder immer, dass sie mir sagen sollen, wenn ich wie meine Mutter werde. Aber gewisse Sachen sieht man mit der Zeit einfach wie die eigene Mutter, ob man will oder nicht.

WOMAN: Welches ideale Familienbild wurde Ihnen gepredigt?

Heinisch-Hosek: Mutter, Vater, Kind.

Pitzinger-Ryba: Mir gar keines. In der Maturazeitung steht: Meine Zukunft wird sein … Vier Kinder, vier Hunde, aber nur ein Mann. Und ich hab fünf Kinder, zwei Dackel, einen Mann. Ich hab das Gegenteil von zuhause mitbekommen, mich selbst für die Großfamilie entschieden.

WOMAN: Ein Blick in die Zukunft: Was muss sich ändern, damit Frau und Mann endlich gleichberechtigt sind?

Ferner: Die Einstellung der Gesellschaft.

Heinisch-Hosek: Nur mehr die halbe Macht den Männern und nicht 90 Prozent.

Greco: Ich glaube, da muss noch viel publik gemacht werden. Aber wenn es in Richtung Diversity geht, wird es klappen. Schließlich haben Männer wie Frauen positive Eigenschaften, und wenn man die zusammenwürfelt, wird das Optimum herauskommen.

Pitzinger-Ryba: Ich sehe das Projekt als gelungen an, wenn sich Mann und Frau ihrer Unterschiedlichkeit bewusst werden und diese auch so leben.

Moderation: Katrin Kuba