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Frauenvolksbegehren 2017: Jetzt erst recht? Oder doch nicht?

Vor 20 Jahren unterschrieben hunderttausende Menschen das Frauenvolksbegehren. Aber geändert hat sich seitdem kaum etwas. Daher soll nun ein neues Frauenvolksbegehren 2017 gestartet werden - dessen Forderungen sind bereits heftig umstritten. Was sagst du dazu?

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Frauenvolksbegehren 2017

Die Organisatorinnen des neuen Frauenvolksbegehrens: Maria Stern, Schifteh Hashemi und Teresa Havlicek

© Kristina Satori

Es war einmal vor 20 Jahren. Da wurde das Frauenvolksbegehren von 644.665 Österreicherinnen und Österreichern unterschrieben und unterstützt. Heute schreiben wir das Jahr 2017 und nur zwei der elf damaligen Forderungen wurden tatsächlich erfüllt.

Und Frauen lebten weiterhin mit der Lohnschere, die bei uns europaweit besonders weit auseinander klafft zwischen den Geschlechtern, weiterhin ohne Vereinbarkeit von Familie und Beruf und noch so einigem mehr, wofür es halt in den letzten zwanzig Jahren wohl einfach keine Zeit gab - für eine Gleichstellung der Bevölkerungsgruppe, die mit 51 % Frauen zu 49 % Männern (Gender Index 2015) in Österreich ja eigentlich sogar die Mehrheit hätte.

Aber eben nicht wie im Märchen, wollen einige Frauen damit nicht bis ans Ende ihrer Tage leben, sondern sie treten nun erneut an, um ein neues Frauenvolksbegehren zu starten.

Gegen die vielfältigen strukturellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern will das "Frauenvolksbegehren 2.0" ankämpfen und zu einer offenen Debatte anregen. Dazu wurden 15 Forderungen formuliert, die auf frauenvolksbegehren.at nachzulesen sind.
Darunter sind weitreichende Ansprüche zu finden, wie beispielsweise umfassende Kinderbetreuung, kostenfreie Verhütung sowie Schwangerschaftsabbruch, reale Gleichstellung bezüglich Gehalt und Karrieremöglichkeiten und vieles mehr.

Vor allem jedoch die wirtschaftlichen Forderungen, wie 30-Stunden-Woche sowie einen gesetzlichen Mindestlohn von 1.750 Euro brutto für alle, wurden von einigen Seiten als unrealistisch kritisiert. Daher haben wir Frau Dr. Margit Schratzenstaller-Altzinger vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung um eine Einschätzung derselben gebeten:

"Es handelt sich um rein politische Forderungen, die man teilen kann oder nicht. Ökonomische Einschätzungen sind schwierig, weil keine konkreten, mit Details zu zeitlichen und inhaltlichen Eckpunkten, budgetären Kosten, etc. vorgeschlagen werden, und weil andererseits die möglichen ökonomischen Effekte einiger der vorgeschlagenen Ansatzpunkte (etwa 30-Stunden-Woche) auch von ÖkonomInnen recht unterschiedlich eingeschätzt werden.

Ich denke aber, dass es erforderlich ist, die Diskussion um Gleichstellung in Österreich verstärkt zu führen, da es eine Reihe von ökonomischen und sozialen Gleichstellungsdefiziten gibt (Gender Pay Gap, ungleiche Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit, vertikale und horizontale Segregation auf dem Arbeitsmarkt, etc.), die nicht nur aus Sicht der Staatsbürgerin problematisch sind, sondern auch aus ökonomischer Sicht, da es doch einiges an Belegen gibt, dass Gleichstellung auch positive ökonomische Wirkungen hat."

Noch mehr zum Frauenvolksbegehren erfährst du in der nächsten WOMAN-Ausgabe, worin wir mit Initiatorin Teresa Havlicek und Nationalratsabgeornete Claudia Gamon (NEOS) diskutieren.


Weitere Informationen findest du auf frauenvolksbegehren.at.
Unterstützen und spenden kannst du über startnext.com, um das Frauenvolksbegehren finanzieren zu können, das aktuell für Anfang 2018 geplant ist.

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