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Frauenvolksbegehren: "Keine Angst vor den Mächtigen!"

Starke Frauen schicken einen Offenen Brief an die zukünftige Regierung. Darunter: Schauspielerin Maxi Blaha. Wofür sie kämpft – das Interview.

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Frauenvolksbegehren: "Keine Angst vor den Mächtigen!"
© Peter Rigaud Photography GmbH

„Knapp 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts gehört den Frauen wieder nur jeder dritte Sitzplatz im Nationalrat. Das ist nicht genug. Wir Frauen sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Wir fordern dementsprechend Mitsprache.“ - Am Donnerstag, den 7.12.2017, hat Schauspielerin Maxi Blaha, 45, am Wiener Heldenplatz einen Offenen Brief an die zukünftige Bundesregierung verlesen: „Der Hälfte der Bevölkerung steht die Hälfte der Macht und die Hälfte des Geldes zu.“

Initiiert wurde die Aktion von den Aktivistinnen des Frauen*Volksbegehrens. Der Hintergrund: Sie befürchten einen Rückschritt in Sachen Genderpolitik. Weil die Anliegen der Frauen bereits im Wahlkampf zu kurz gekommen sind. Genauso wie bei den Koalitionsverhandlungen. Auch viele Prominente wie Ursula Strauss, Sarah Wiener, Mavie Hörbiger, Kristina Sprenger und Christine Nöstlinger haben bereits hier unterschrieben. #wirsindmehr

WOMAN: Frau Blaha, Sie engagieren sich aktiv für das Frauenvolksbegehren. Was sind Ihre drei wichtigsten Punkte?
Maxi Blaha: Mein erstes Anliegen sind mehr weibliche Abgeordnete im Nationalrat. Es muss eine paritätische Aufschlüsselung der von uns gewählten Volksvertreterinnen geben, schließlich muss Politik ein Spiegel der Gesellschaft sein. Mir ist es wichtig, dass wieder ein Frauenministerium eingerichtet wird, weil es so viele Punkte gibt, die von einem eigenen Ministerium behandelt werden müssen. Und ich verlange gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Frauen werden noch immer von den gut verdienenden und mächtigen Positionen ausgeschlossen. Mit der Quote könnte man hier entgegenwirken.

WOMAN: Auf einer Skala von 1 bis 10: Wo sehen Sie die Gleichberechtigung in Österreich?
Maxi Blaha: Auf 6. Wir sind das viertreichste Land Europas, in vielen frauenpolitischen Themen liegen wir aber noch weit hinten. Der Genderpay Gap, der bei uns herrscht, ist ein Wahnsinn für so ein wohlhabendes Land.

WOMAN: Ihr Sohn ist sieben. Wie soll unsere Gesellschaft aussehen, wenn er 18 ist?
Maxi Blaha: Dann sollten Frauen endlich dasselbe verdienen und dieselben Möglichkeiten haben ihren Wünschen und Träumen nachzugehen.

WOMAN: Wird sich das in elf Jahren ausgehen?
Maxi Blaha: Nein, ich glaube nicht. Zumindest soll dann aber keine Frau mehr Angst haben, dass sie ihren Job verliert und keinen mehr findet, wenn sie ihrem Chef widerspricht.

WOMAN: Bei so viel gesellschaftspolitischem Commitment: Wäre da der Schritt in die Politik nicht etwas für Sie?
Maxi Blaha: Wieso nicht? Das müsste aber überparteilich sein, weil ich mich keiner Partei nahe fühle.

WOMAN: Was würden Sie als Frauenministerin ändern?
Maxi Blaha: Die Quote auf allen Ebenen einführen und die absolute Gleichheit fordern. Und man müsste ein soziales Netz für alle Frauen bauen, die aufgrund der unbezahlten Tätigkeiten zuhause nicht genug Arbeitszeiten sammeln können. Es kann nicht sein, dass diese dann mit einer Mindestpension dastehen und sich nichts zu essen leisten können. Genauso würde ich verbieten, dass Frauen zwei bis drei Teilzeitjobs haben und damit oft noch immer weniger verdienen als Männer in einem Vollzeitposten.

WOMAN: Haben Sie schon mal bemerkt, dass sich Ihr Engagement auf Job-Angebote auswirkt?
Maxi Blaha: Ich war schon als 16-Jährige auf Demos, das gehört zu meiner direkten Persönlichkeit und natürlich habe ich damit auch schon oft angeeckt. Viele Künstler sind nach außen unpolitisch und nach innen parteipolitische Schleimer. Ich streite auch mit Politikern auf Premieren, wenn ich mit ihrer Sozial-, Flüchtlings- oder Kulturpolitik nicht einverstanden bin. Eine habe ich auch mal nicht reingelassen, weil ich sie unmöglich finde. Die kommen ja oft und wollen ein Foto mit dir machen … Ich lasse mich da nicht benutzen. Es ist die Pflicht jedes Künstlers ehrlich zu sein und die Mächtigen nicht zu fürchten. Ich habe schon oft in die Hand, die mich füttert, gebissen. Und bin bestimmt ein sehr komplizierter Künstler. Aber auf lange Sicht hat es sich ausgezahlt.

WOMAN: Wer hat Ihr Frauenbild geprägt?
Maxi Blaha: Das waren die ganz großen Feministinnen – von Bertha von Suttner bis Susan Sontag. Ich bin Australierin, die neuseeländischen Frauen haben mich immer fasziniert. Sie haben schon im 19. Jahrhundert das Frauenwahlrecht erkämpft, 1893 wurde es eingeführt. Lange bevor es in Österreich oder den USA galt.