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Frederick Lau, sind Sie beziehungsunfähig?

In seinem neuen Film spielt Frederick Lau einen liebeshungrigen Typen mit Bindungsproblemen. Privat ist der dreifache Vater nach einigen Eskapaden längst zur Ruhe gekommen. Oder doch nicht?

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© Warner Bros Entertainment

Entspannt sitzt Frederick Lau im Wohnzimmer seines Hauses in Berlin. Er zählt zu den erfolgreichsten Schauspielern im deutschsprachigen Raum. Dass seine drei Kinder, Lieselotta, 7, Baz Barne, 5, und Bruno Charles, 2, im Hintergrund durchs Haus toben, bringt ihn nicht aus der Ruhe. Nur einmal ruft er ihnen während unseres Zoom-Talks zu: "Könnt ihr bitte leiser sein!"

Seit ein paar Tagen ist der 31-Jährige wieder Fulltime-Papa. Davor war er für Dreharbeiten in Wien: "So eine traumhafte Stadt. Ich suche mir jetzt dort eine kleine Wohnung." Momentan aber genießt er die Zeit mit seiner Familie, ist Hausmann. Denn seine Frau, Annika Lau, 42, moderiert nach ihrer Karenzzeit wieder beim SAT1-Frühstücksfernsehen: "Das funktioniert super." Unsicher in Sachen Liebe, wie in seinem aktuellen Film "Generation Beziehungsunfähig" (Kinostart: 29. Juli, den Trailer siehst du hier), in dem er als Tim unverbindlich von Frau zu Frau switcht, scheint er nicht zu sein …

»Unterschiede ziehen sich an. Zu gleich zu sein, kann anstrengend sein.«

WOMAN: Sie sagten einmal, für einen Zeitraum die Figur, die Sie spielen, völlig anzunehmen. War das bei "Beziehungsunfähig" auch so? Ich denke nur an Ihre Frau …

LAU: (lacht) Wir haben in Köln gedreht, und ich lebe in Berlin. Dadurch wurde meine Frau Annika von diversen Eskapaden nach Drehschluss verschont. Aber nein, so schlimm war es nicht, wir waren natürlich auch ganz konzentriert bei der Arbeit. Und schauen Sie mich jetzt an: Ich sitze hier bei einem Glas Wasser und Kirschen.

Also keine Exzesse mehr? Sie waren ja schon mit 15 Jahren ein Rebell und haben "Fuck the system" an Wände gesprüht, sind mit 16 von zu Hause ausgezogen.

LAU: Was ist schon exzessiv? Im Grunde mache ich alles extrem. Wenn ich in einer Rolle drinnen bin, erarbeite ich sie mir, nehme sie völlig an. Selbst wenn ich zu Hause bin, bin ich exzessiv. Jetzt bastle ich gerade am Haus herum. Und das ziehe ich durch, bis es fertig ist.

Wie schwer war es für Sie, sich fix zu binden?

LAU: Man spürt, wenn man den richtigen Partner gefunden hat. Bei meiner Frau und mir war es so. Wir haben uns gesehen und sofort beschlossen, uns nicht mehr aus den Augen zu verlieren. Ich war schockverliebt. Und wir sind immer noch sehr glücklich, was wir uns fast täglich sagen. Insofern habe ich keine Probleme, mit ihr fix zusammen zu sein. Natürlich bin ich viel unterwegs. Dadurch hat man sich aber viel zu erzählen, und das Wichtigste ist, dass man weiterhin gemeinsam Abenteuer erlebt, Neues entdeckt. So wird es nie langweilig.

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Lebensliebe. Seit sechs Jahren sind Frederick und Annika Lau verheiratet. Der Schauspieler sagt über die SAT1- Moderatorin: „Sie ist mein Ruhepol." (c) Getty Images


Könnten Sie mit einer Frau zusammen sein, die Ihnen ähnlich ist?

LAU: Gute Frage. Ich glaube, Unterschiede ziehen sich an. Zu gleich zu sein, kann anstrengend sein. Jeder, wie er will. Verschiedenartigkeit ist für mich spannender, weil man nie auslernt, sondern immer dazulernt. Wichtig ist, die Eigenarten des anderen zu schätzen.

Wie denken Sie über Online-Dating-Portale? Waren Sie selbst schon aktiv?

LAU: Nein, ich bin da nicht vertreten, bin eher der Freund des Klassischen. Wenn man jemanden in der Realität kennenlernt, spürt man gleich eine andere Energie. Bei Tinder und Co. ist doch auch viel Fassade. Aber für die Jugend und viele meiner Freunde ist das gut. Solange es einen glücklich macht …

Sie sagten einmal: "Ohne meine Frau hätte ich viele falsche Entscheidungen getroffen." Welche wäre aus heutiger Sicht denn die schlechteste gewesen?

LAU: Es geht vielmehr darum, dass ich viele Entscheidungen gar nicht getroffen hätte. Wie etwa Kinder zu bekommen. Meine Frau lässt mich immer machen, ermutigt mich. Mir fallen große Entscheidungen zum Beispiel unheimlich leicht, kleine hingegen überhaupt nicht. Dann ist es gut, jemanden zur Seite zu haben, der einem das ein bisschen abnimmt, weil man sich allein viel zu viele Gedanken macht.

Hat Bindung immer etwas mit einem Verlust von Freiheit zu tun?

LAU: Mit Kindern ja. Man ist im Kopf nie wieder allein, denkt ständig an sie, ist für sie verantwortlich, unterstützt sie. Aber es ist schön, sich aufopferungsvoll um die Familie zu kümmern. Man findet dabei seine Wurzeln.

Warum lohnt es sich, sich auf die Liebe einzulassen?

LAU: Ich bin jemand, der sehr gerne teilt. Von Emotionen bis Abenteuer. Tipps für Glück kann ich hingegen keine geben, aber ich glaube, dass Liebe auch Glück haben heißt. Wenn ich morgens aufwache und meine Frau neben mir sehe, bin ich glücklich.

Was wollen Sie bei Ihren Kindern nicht erleben, was Sie selbst in Ihrer Jugend geliefert haben?

LAU: Die sollten nicht so viel nachts unterwegs sein. Nein, Spaß beiseite. Das werden sie ohnehin tun. Man kann nur seine eigenen Erfahrungen machen. Da hilft kaum Meinung von außen. Ich erinnere mich an den ersten Liebeskummer. Da denkt man, die Welt geht unter, und das Umfeld sagt, das geht vorbei. Man glaubt es aber nicht. Wenn man etwas nicht selbst erlebt, versteht man es nicht. Ich habe vieles ausprobiert und später gecheckt: Okay, die Alten hatten ja doch recht mit ihrer Warnung.

Beziehungen lebt man nicht nur in der Partnerschaft, sondern auch in Freundschaften. Wann ist man ein guter Freund?

LAU: Man muss in erster Linie loyal sein. Was ich nicht aushalte, ist Missgunst. Wenn ein Mensch hart an sich arbeitet, unterstütze ich das total und freue mich für ihn. Das erwarte ich auch von anderen mir gegenüber. Diese Ellbogengesellschaft sollte aufhören. Aber das hat leider viel mit unserer Kultur zu tun.

Kann Ihr Umfeld auf Sie zählen?

LAU: Oh ja, und wie! Ich bin extrem loyal. Und nehme jeden so, wie er ist. Mit allen Makeln, ob schlecht oder gut gelaunt, ob er im Leben gerade oben oder unten ist. Meine Freunde können machen, was sie wollen. Ich bin für sie da.

Hier gibt es noch ein paar Szenenbilder vom Filmdreh zu sehen. Und jetzt ab ins Kino!

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(c) Warner Bros Entertainment
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Thema: Society