Ressort
Du befindest dich hier:

Ich habe einen Free-Bleeding-Workshop besucht

Free Bleeding, was ist das? Ich habe an einem Workshop zum Thema Freies Menstruieren teilgenommen und dabei viel über meinen Körper und über andere Frauen gelernt.

von

Free Bleeding
© istockphoto.com

Die weibliche Menstruation sorgt immer wieder für Ekel und Aufschreie, vor allem in den sozialen Medien. Besonders faszinierend ist, dass viele Frauen Kotz-Emojis zu diesem Thema posten, obwohl sie jeden Monat selbst davon betroffen sind. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich die Frauen selbst ein Kotz-Emoji schicken. Und das ist sehr traurig.

Zum Glück wird es mit der gesellschaftlichen Offenheit zum Thema Periode immer besser. Das liegt wohl auch am Internet und daran, dass man im Netz oft unfreiwillig mit Themen konfrontiert wird, die einen schließlich doch interessieren. Und so bin ich auch auf das Thema Free Bleeding gestoßen. Nur eben nicht unfreiwillig. Ich wusste nicht viel über diese Praxis, außer, dass es einen feministischen Zugang dazu gibt. In dem Sinne lassen Frauen ihr Periodenblut einfach auf Protest fließen.

Dass man also Free Bleeding, oder freies Menstruieren, auch lernen kann, hatte ich gar nicht gewusst. Die Neugier siegte und ich meldete mich für einen ganztägigen Workshop bei Alisa Eresina an. Normalerweise hätte ich schon vor dem Workshop alles über Free Bleeding gelesen, was nur geht. Diesmal wollte ich aber wie ein ungeschriebenes Blatt erscheinen und mich einfach von den Inhalten überraschen und überzeugen lassen.

Die junge Frau, die mir die Tür öffnete war nicht ganz, wie ich es erwartet habe. Ich bin ganz ehrlich: Irgendwie hatte ich ein Hippie-Mädel im Kopf, doch Alisa hat einen modernen, sportlichen Stil, langes, blondes Haar und ein herzliches Lächeln. Ich hatte gleich das Gefühl - und so ging es sicher auch den anderen fünf Teilnehmerinnen -, dass man bei Alisa ganz gut aufgehoben ist. Und das ist echt wichtig, schließlich spricht man von 10 Uhr vormittags bis 17 Uhr abends ausschließlich über Körperfunktionen, die noch ein bisschen tabu sind.

Ich hätte mir nicht gedacht, dass es so angenehm sein kann, über die eigene Periode zu sprechen. Und wie viel Redebedarf überhaupt da ist! Nämlich eine ganze Menge. Alles, was wir rund um die Menstruation wissen ist eine Mischung aus Biologie-Unterricht, Aufklärung, Medien und natürlich durch Mundpropaganda. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es auf Etsy ganz süße Stoffbinden zu kaufen gibt, während die anderen gespannt meinen Berichten über die ihnen unbekannten Period Panties lauschten.

Alternative Hygieneprodukte waren übrigens Teil des ersten Workshop-Blocks. Bei diesem Thema konnte ich noch mithalten, doch bei der weiblichen Biologie hätte ich wohl eher ein Minus verdient. Du glaubst, du weißt eh genau, was da einmal im Monat in dir passiert, weil du ja so gebildet und erwachsen bist - denkste! Keine Ahnung von den lateinischen Fachbegriffen und noch weniger Ahnung vom Zyklus selbst. Zum Glück wurde dieser Part nicht benotet.

Wozu es wichtig ist, solche Basic-Bio-Sachen nachzuholen? Weil es beim Free Bleeding darum geht, dass man seinen Körper in und auswendig kennt. Man möchte genau wissen, wie er sich in welcher Situation verhält. Möchte am liebsten jeden Eisprung spüren und wann sich das Menstruationsblut seinen Weg runter zum Ausgang bahnt. "Du kontrollierst deinen Körper nicht, du hörst auf seinen Rhythmus!", war Alisas Mantra.

»"Du kontrollierst deinen Körper nicht, du hörst auf seinen Rhythmus!"«

Und damit wären wir beim zweiten Part des Workshops: Dem Free Bleeding selbst! Da geht es gar nicht darum, deine Wohnung voll zu bluten, nur weil du gegen das Patriarchat protestierst. Vielmehr geht es um eine Art Selbstfindung. Man ist also so sehr im Einklang mit dem eigenen Körper, dass man weiß, wann Blut und Schleim austreten wird. Und wenn es dann soweit ist, geht man aufs Klo und hat einen sogenannten "Release". Zwischen zwei Releases sollte man keine Hygieneprodukte brauchen.

Doch laut Alisa ist es ganz okay, dass man eine Binde zur Unterstützung dabei hat. Fehler machen ist menschlich, nur aufgeben soll man nicht. Ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass es irgendwie doch immer um Kontrolle geht. Es wurde davon gesprochen, dass man anfangs vielleicht einen Wecker stellen soll, wenn man Angst hat, dass es in der Nacht daneben geht. Ein wenig zu extrem für meinen Geschmack und auch die anderen Teilnehmerinnen waren da eher Anti-Wecker.

Ich verließ den Workshop müde, aufgeladen und leer-geredet. Man glaubt es vielleicht nicht, aber 7 Stunden Perioden-Talk stecken in jeder Frau, egal, ob sie ihre Tage seit 5 oder seit 15 Jahren hat. Man kann sich nicht vorstellen, wie herrlich es ist, einmal ganz frei darüber zu sprechen. Was das Free Bleeding selbst angeht, bin ich nicht ganz überzeugt. Ich bin mir sicher, dass es für viele eine tolle Option ist, aber für mich persönlich ist es nichts.

Denn obwohl uns Alisa ein tolles Repertoire an Techniken mitgegeben hat, wie man seine Gewohnheiten ändern kann, bin ich einfach zu faul. Aber das ist ja nur eine persönliche 'Schwäche'. Free Bleeding ist ein interessantes Konzept und der Workshop ist wie ein sicherer Hafen: Man kommt hin, man öffnet sich und wir von der Gruppe aufgefangen. Schon allein dafür lohnte sich meine Teilnahme!