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Starke Frauen beim Freeride Filmfestival

In "Evolution of Dreams" erzählen die zweifache Weltmeisterin Eva Walkner und ihre US-amerikanische Kollegin Jacky Paaso von zerschlagenen Träumen und neuen Zielen. Der Film tourt derzeit mit dem Freeride Filmfestival durch Österreich.

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Starke Frauen beim Freeride Filmfestival
© Martin Kudlinski/Freeride Filmfestival

Der Winter naht! Na gut, aktuell weisen die Temperaturen noch nicht allzu deutlich darauf hin, aber zum Glück gibt es ja noch andere Möglichkeiten, sich auf die schönste aller Jahreszeiten einzustimmen. Zum Beispiel mit einem Besuch beim Freeride Film Festival, das derzeit durch die österreichischen Bundesländer tourt. Am Donnerstag macht es Station in Wien: Dort werden am 15. November fünf Ski-Filme gezeigt, darunter auch „Evolution of Dreams“, der die Geschichte oder besser Geschichten von Eva Walkner und Jacky Paaso und ihrer Liebe zum Skifahren erzählt.


Die Salzburgerin Eva Walkner ist zweimalige Siegerin der Freeride Worldtour - quasi dem „Gesamtweltcup“ der Freeride Szene. Sowohl 2015 und 2016 hat sie die meisten Bewerbe auf der Tour gewonnen und sich so den Gesamtsieg gesichert. Dass das so kommen würde war aber alles andere als klar. Denn Walkner, die einst zwischen den Slalom-Stangln beim ÖSV zuhause war, hatte mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Das führte damals auch dazu, dass sie 23-jährig ihre Rennkarriere beenden musste. Und das sei eine Erfahrung, die sie mit Film-Kollegin Jacky Paaso teilt und verbindet, erzählt Walkner im Interview mit WOMAN.at.

Schmerzhaftes Karriereende

Während Eva Walkner einst von einer Karriere als Slalom-Fahrerin träumte, war Paasos großes Ziel als Buckelpistenfahrerin bei Olympia anzutreten. Während es bei Walkner die Verletzungen waren, denen dieser Traum zum Opfer fiel, waren die Probleme bei Paaso vor allem finanzielle - so eine Skikarriere will einmal finanziert werden. Jacky Paaso stürzte nach ihrem Karriere-Ende in eine tiefe Depression, auch zwei Suizidversuche hat sie hinter sich.

Jacky Paaso (links) und Eva Walkner.

Aber: Die schmerzhaften Enden ihrer Renn-Karrieren sind zum Glück nicht ihre einzige Gemeinsamkeit. Denn beide hat das Freeriden gewissermaßen gerettet, plötzlich konnten wieder neue Träume geschmiedet werden. 2010 haben sich die beiden auf der Freeride World Tour kennen gelernt. „Wir haben dort festgestellt, dass wir sehr ähnliche Charaktäre sind und eine ähnliche Vergangenheit haben. Wir hatten beide große Träume, die zerschlagen wurden. Wir mussten uns beide neu aufstellen und etwas neues finden“, so Walkner. Und das war in ihrem Fall das Freeriden. „Aber das gilt auch für alle anderen Menschen. Jeder ist immer wieder damit konfrontiert, sich neue Ziele und Träume suchen zu müssen.“

„Kleine und große Ziele nicht aus den Augen verlieren“

Welche Ziele sie als zweifache Siegerin der Freeride Worldtour noch hat? „Boah, meine Liste ist noch lang“ kommt es wie aus der Pistole geschoßen. „Da gibt es noch sehr viele Berge, die ich in meinem Leben noch runter fahren möchte. Aber auch einen Job zu finden, zu dem ich jeden Tag gerne hingehe und der mir Spaß macht, ist ein Ziel“, führt Eva Walkner aus. Es seien eben „große und kleine“ dabei. Und diese nie aus den Augen zu verlieren, rät sie auch allen anderen: „Ob man sich jetzt vornimmt Olympiasiegerin zu werden oder einmal im Leben auf den Dachstein zu gehen - jeder hat seine eigenen Ziele und die geben einem Kraft.“

Gemeinsam Träume verwirklichen.


Als „Filmemacherin“ will sich Eva Walkner zwar nicht bezeichnen lassen, klar ist aber, dass hinter „Evolution of Dreams“ mehr steckt, als zwei Skifahrerinnen dabei zu filmen, wie sie steile Hänge hinunter fahren und über Felsen springen. „Uns ging es schon auch darum Geschichten zu erzählen, alleine die ganzen Archivaufnahmen einzubauen war filmisch sehr spannend. Der Film ist ganz sicher kein „Ski-Porno“, wo Action-Szene auf Action-Szene folgt“, verrät Walkner über den Film. Aber: Sie wolle auch nicht, dass der Film als „Girls-Movie“, oder „All-Female-Film“ bezeichnet wird. „Es ist ein Skifilm mit zwei Frauen. Wir wollen nicht nach unserem Geschlecht, sondern nach unserer Leistung beurteilt werden.“ Denn leider sei es immer noch so, dass an einen „Frauen-Ski-Film“ ganz andere Erwartungen geknüpft würden, als an jene, in denen die Männer die Hauptrollen spielen. Diese Klischees aufzubrechen und sich immer weiter zu pushen, um den „Gap“ zu den sportlichen Leistungen der männlichen Kollegen zu schließen, sei stets ihr Ziel, sagt Walkner.

Gleicher Lohn für gleiche Leistung

Dabei helfe nicht gerade, dass Männer im Freeride Skisport - wie in so vielen anderen Branchen - von Sponsoren stärker unterstützt würden. Auch wenn sie gleich gute oder sogar schlechtere Leistungen liefern würde, wie so manche Freeriderin. „Und wenn du mehr Geld hast, kannst du auch mehr machen“, kritisiert Walkner. „Frauen dürfen da nicht schüchtern sein, es wäre sicher auch gut, sich da untereinander mehr abzusprechen und sich gegenseitig zu unterstützen.“ Aber: Der Freeride Sport ist trotzdem einer, wo eigentlich jede für sich selbst trainiert, auch wenn die Gruppe der österreichischen Freeriderinnen, die stets auf den Podestplätzen der Freeride Worldtour zu finden sind, immer größer wird.

Eva Walkner in Andermatt - einem ihrer Lieblingsskigebiete.


Was ihr eigenes Training betrifft, profitiert Walkner wahrscheinlich immer noch davon, den intensiven ÖSV-Trainingsalltag jahrelang mitgemacht zu haben. „Ich trainiere jeden Tag und das heißt: Im Winter bin ich jeden Tag am Fahren. Insbesondere wenn das Wetter schlecht ist - denn bei guten Verhältnissen fährt schnell mal jemand gut, die Kunst ist bei allen Bedingungen top zu sein“, so Walkner. Den „ÖSV-Rennzirkus“ habe sie nie vermisst, denn dort sei man vor allem eine Nummer, eine Athletin, die funktionieren muss. Wenn sie allerdings beim Slalom zuschaut, würde sie schon noch manchmal gerne mitfahren. Aber: Am liebsten ist Walkner ohnehin dort unterwegs, wo ansonsten wenige ans Skifahren denken. So war sie unter anderem schon im Iran oder in Kaschmir Skifahren, ihre Lieblingsgebiete in Europa sind jene, wo es Uralt-Gondeln und unpräparierte Pisten gibt.

„Wünsche mir eine neue Eiszeit“

Ob sie sich auch manchmal fragt, ob wir in 20 Jahren überhaupt noch Skifahren gehen können werden? „Ja klar, das kann man ja nicht ignorieren. Wenn ich sehe, wie die Gletscher zurück gehen, dann macht mich das sehr traurig“, sagt Walkner. „Ich bin alt genug, dass ich auch die ‚alten‘ Winter kenne, wo weiße Weihnachten normal waren. Jetzt haben wir das schon lange nicht mehr erlebt.“ Der ungewöhnlich warme November sei auch keine Freude mehr, Skifahren war sie heuer noch nicht: „Ich sags ganz ehrlich: Mir wäre eine neue Eiszeit lieber, als das, was wir hier gerade erleben.“

Freeride Filmfestival on Tour:

Am Donnerstag, 15. November gastiert das Freeride Filmfestival im Gartenbau Kino in Wien. Eva Walkner wird anwesend sein und „Evolution of Dreams“ vorstellen. Weitere Termine sind am 18.11. in Salzburg, am 19.11. in Villach, am 20.11. in Dornbirn und ebenfalls am 20.11. in Graz. Alle Infos und Termine zum Filmfestival gibt es hier.

Mehr Infos über Eva Walkner findest du auf Ihrer Website, der Website zum Film oder auf Instagram und Facebook.

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