Ressort
Du befindest dich hier:

Pro & Contra: Freunde am Handy orten

von ,

Dystopie oder Vertrauensbeweis? Die App "Freunde finden" erlaubt es Personen, sich gegenseitig mit dem iPhone zu orten. Natürlich passiert das freiwillig, trotzdem sind sich die Redakteurinnen Anne und Anna nicht ganz einig: Sollte man immer sehen können, wenn der Freund statt Fitnessstudio zum Mäci geht, oder lieber nicht?


Pro Contra Freunde finden © Bild: Privat

Pro: Anne kann ihre Family orten und findet's ziemlich gut!

Es begann aus Praktikabilität. Meine Familie, mein Mann und ich besuchten eine Straßenkunstfestival, dessen einzelne Acts in der gesamten Innenstadt stattfanden. Am ersten Tag war alles noch chaotisch: die eine Person wollte noch länger im Hotel bleiben, dann nachkommen. Doch von den Eltern oder Geschwistern keine Spur. Und in der Menschenmenge jemanden aufzuspüren ist auch nicht gerade leicht. Also überlegten wir ein bisschen und beschlossen, die App "Freunde finden" zu testen. Und siehe da: das Finden war noch nie so einfach! Keine unnötigen SMS mehr, kein Warten an einem Häusereck, das vielleicht gar nicht so eindeutig aussieht, wie man dachte. Einfach nur ein kurzer Blick auf die App und "Aha, mein Brudi ist an Ort xy!".

Warum ich diese fade Anekdote bringe? Weil ich es meinem Gegenüber sonst nicht wirklich weismachen kann, dass "Freunde finden" keine Stasi-App, sondern richtig praktisch ist. Wir haben die App alle noch immer, auch wenn wir unser Leben nicht gemeinsam am Straßenkunstfestl verbringen. Ich schaue manchmal wo mein Bruder unterwegs ist, er ist in letzter Zeit viel gereist. Und mein Mann schaut, wie weit ich schon auf dem Nachhauseweg bin, so dass er das Essen schon mal warm machen kann.

Wen soll ich anlügen: es ist einfach schön, seine Familienmitglieder auf dieser Karte zu sehen und zu wissen "Ja, die Person ist gerade wirklich dort". Es ist ein echt gutes Mittel gegens Vermissen. Vielleicht gefällt mir das so sehr, weil ich nicht in derselben Statd wie alle anderen wohne. Oder weil ich einfach ein braves Kind und offenes Buch bin. Aber ich sehe darin nichts Schlimmes, den Standort jener Menschen anschauen zu können, die ich wirklich liebe. Ich kann schon verstehen, dass dies auch extrem komisch rüberkommen kann. Aber es ist ja jeder freiwillig dabei, kein Zwang, keine Abwertung! Alles ganz chill.