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Schwangerschaft: Fruchtbarkeits-Test

Frauen bekommen immer später Kinder. Die natürliche Fruchtbarkeit währt jedoch nicht ewig. Ein Test gibt Aufschluss, wie lange eine Schwangerschaft noch möglich ist.

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Schwangerschaft: Fruchtbarkeits-Test
© istockphoto.com

Desperate Housewife Marcia Cross war 44, als sie zum ersten Mal schwanger wurde. Halle Berry hatte bei ihrer zweiten Schwangerschaft die 46 überschritten. Und Bond-Girl Monica Bellucci war 45, als sie ihr zweites Kind gebar. Regelmäßig liest man von Stars weit jenseits der 40, die scheinbar ohne Mühe gesunden Nachwuchs zur Welt bringen. Und das ist auch durchaus möglich. Die Norm ist es allerdings nicht. Denn die Fruchtbarkeit der Frau hat ein natürliches Ablaufdatum. Und das variiert gewaltig. "Statistisch betrachtet gibt es ebenso viele Frauen, die mit 48 noch spontan schwanger werden wie solche, bei denen mit 32 alles vorbei ist. Also wirklich wenige", erklärt Gynäkologe und Spezialist für Reproduktionsmedizin Dr. Alexander Just (ivfdrjust.at). "Die Ursachen für die individuelle Fruchtbarkeit sind ein Mix aus Genetik, Lifestyle und persönlicher Krankengeschichte."

Hormontest

Wie viel Zeit einem noch bleibt für die Familienplanung, kann man allerdings relativ genau bestimmen, und zwar mit dem Anti-Müller-Hormon – benannt nach dem deutschen Wissenschafter Johannes Peter Müller. In Kinderwunschzentren wird diese Untersuchung seit einigen Jahren standardmäßig durchgeführt. Sie gibt Aufschluss darüber, ob die biologischen Voraussetzungen für die Befruchtung einer Eizelle gegeben sind. Mit einem einfachen Test, den Dr. Just in Kooperation mit dem AKH Wien entwickelt hat, kann man das jetzt auch zu Hause machen. Just liegt es dabei fern, Panik zu schüren: "Der Test bietet eine langfristige prognostische Aussage zur Fertilität. Er zeigt, wo die Frau jetzt gerade steht und gibt eine Berechnung, wie sich die Fruchtbarkeit wahrscheinlich entwickeln wird, wenn sich die Voraussetzungen nicht ändern. Uns geht es vor allem um Bewusstseinsbildung, damit Frauen mit Kinderwunsch den Zeitpunkt, wo sie noch spontan schwanger werden können, nicht verpassen."

Wie bestimmt man die Fruchtbarkeit einer Frau?

Das Anti-Müller-Hormon (AMH) spiegelt die Follikel-Reserve in den Eierstöcken wider. Je höher sein Wert ist, desto mehr Eizellen stehen zur Reifung und damit für eine mögliche Befruchtung bereit. Ab 25 Jahren beginnt der Wert zu sinken, die natürliche Fruchtbarkeit nimmt ab. Indem man den AMH-Wert im Vergleich zur statistischen Norm bestimmt, kann man eine Voraussage machen, wie lange eine Schwangerschaft noch möglich ist. Der Wert des AMH wird über das Blut bestimmt, er ist zyklusunabhängig. Achtung: Hormonelle Verhütung senkt den AMH-Wert, das kann das Ergebnis verfälschen. Setzt man die Pille ab, normalisiert er sich aber rasch wieder.

Welche Parameter sind sonst noch relevant?

Die individuelle Fruchtbarkeit wird von mehreren Faktoren bestimmt. Die Genetik etwa hat großen Einfluss. Ist die Mutter früh in den Wechsel gekommen, weist das auf eine verkürzte reproduktive Phase hin. Besonders wichtig sind Lifestyle-Faktoren. Rauchen oder Übergewicht können den AMH-Wert senken, da sie die vorhandenen Follikelreserven qualitativ verschlechtern. Dann gibt es noch die individuelle Krankengeschichte. Autoimmun- oder chronische Erkrankungen, Operationen an den Eierstöcken oder eine Chemotherapie können die Eizellen schädigen. Alle diese Parameter müssen bei einer Prognose berücksichtigt werden. Der AMH-Wert alleine hat nur beschränkte Aussagekraft.

Wie funktioniert der Test?

Der Test für daheim ist der Juno-Fruchtbarkeitstest, den es online unter fruchtbarkeitstest.at (189 Euro) gibt. Man bekommt einen kompletten Kit zur Blutabnahme per Fingerstich samt Anleitung zur Durchführung. Das abgezapfte Blut schickt man ein, parallel dazu füllt man einen Online-Fragebogen aus, in dem detailliert auf Lifestyle, Krankenvorgeschichte, familiäre Situation, Kinderwunsch, eventuelle Fehlgeburten und mehr eingegangen wird. Diese privaten Daten sind dreifach gesichert. Aus all den Fakten wird die Prognose über die eigene Fertilität erstellt. Man bekommt eine mehrseitige schriftliche Analyse mit genauer Erklärung und optischen Darstellungen (Grafik unten) zugesandt.

Die grauen Linien geben den Normwert des Anti-Müller-Hormons an (zw. 25 und 75 Prozent). Im grünen Bereich sind genügend Eizellreserven für eine natürliche Befruchtung vorhanden. Je älter, desto schwieriger ist es, spontan schwanger zu werden.

Wie zuverlässig ist das Testergebnis?

Der Test gibt, wie gesagt, Aufschluss darüber, wo man gerade steht und wie sich die Fertilität voraussichtlich entwickelt. "Es gibt dabei aber durchaus Spielraum zur Interpretation. Man sollte nicht wegen eines eventuell niedrigen AMH-Werts in Panik verfallen", warnt Dr. Just. "Dieser wird immer im Verhältnis zu anderen Frauen im gleichen Alter dargestellt. Eine 28-Jährige mit eher niedrigem Wert etwa hat jede Chance, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Sie sollte ihren Kinderwunsch allerdings nicht weitere zehn Jahre nach hinten verlegen. Eine 41-Jährige mit einem Wert deutlich unter der Norm wird wohl eher nicht mehr schwanger werden." Der Test bietet übrigens keine Aussage darüber, ob die Eileiter durchlässig sind oder die Gebärmutter für die Einnistung einer befruchteten Eizelle bereit ist. Diese Bedingungen sind aber essenziell für eine Schwangerschaft. Solltest du also schon länger versuchen, ein Kind zu bekommen, muss dein Arzt diese Parameter separat abklären.

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