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Scheitern auf der Bühne: Warum wir alle zu FuckUp Nights gehen sollten

Hast du auch schon einmal einen großen Fehler gemacht oder bist an einer Aufgabe gescheitert? Du bist nicht allein! Wir haben mit Bettina Wenko, Initiatorin der FuckUp Nights in Tirol, darüber gesprochen, warum Fehler auch etwas Gutes haben können.

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© iStock

Die einzigen *Fehler*, über die wir (halbwegs) offen sprechen, haben häufig mit Prüfungen und Tests in irgendeinem bildungstechnischen Kontext zu tun. Da erzählt man schon mal, wie man eine Klausur versemmelt oder, dass man trotz intensivem Lernen nur einen Vierer bekommen hat. Abseits solcher Anekdoten, hört man nicht viele Menschen darüber sprechen, wie sie Jobs, Investitionen oder sogar eigene Unternehmen verloren haben.

Warum das so ist? Weil Fehler negativ behaftet sind. Sie werden von uns als etwas angesehen, wofür man sich tendenziell schämen muss. Eigentlich soll man ja gar nicht Scheitern, sondern gleich alles richtig machen. "Österreich hat keine echte Fehlerkultur.", Bettina Wenko kennt sich mit solchen Vorurteilen nur zu gut aus. Sie organisiert die FuckUp Nights in Tirol, wo nicht die Erfolge, sondern die Misserfolge im Vordergrund stehen.

Bettina Wenko in Action.

Was ist eine FuckUp Night?

Das Konzept der FuckUp Nights kommt aus Mexiko. Fünf Freunde organisierten 2012 ein Event, bei dem ausgewählte SprecherInnen auf der Bühne erzählten, wie sie in ihrem Leben gescheitert waren. Und so laufen die FuckUp Nights seitdem immer noch ab: "Ich wähle 3 SpeakerInnen im Vorfeld aus und schaue, dass ich unterschiedliche Persönlichkeiten und Geschichten auf die Bühne bringe.", erklärt Wenko. "Nach den maximal zehnminütigen Talks können Fragen gestellt werden." Ob das Publikum sich das traut? "Es sitzen viele junge Leute dort, die neugierig auf unsere SprecherInnen sind. Ihre Fragen beziehen sich häufig auf den Aspekt, dass man nicht denselben Fehler machen möchte, wie die Person auf der Bühne.", so Wenko.

Der Mehrwert dieser Events: Es ist nicht nur okay, über das Scheitern zu sprechen, sondern es ist normal! Fehler dürfen passieren, sie machen Menschen greifbar und bergen einen riesigen Erfahrungsschatz – wenn man es geschafft hat, sie hinter sich zu lassen.

Warum es so wichtig ist, über Fehler zu sprechen – aber trotzdem nicht jeder auf der Bühne stehen sollte

"Auf der Bühne druchleben Personen ihr Scheitern noch einmal. Es kann ein sehr schönes Gefühl sein, positive Rückmeldungen aus dem Publikum zu bekommen und auf eine ganz andere Art darüber zu reflektieren.", so Wenko über die positiven Aspekte der Fehler-Verarbeitung auf der Bühne. All das Gute kann aber auch ins Negative übergehen: "Ich versuche keine SpeakerInnen zu nehmen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie ihr Scheitern noch nicht verarbeitet haben. Deshalb spreche ich auch vor jeder Veranstaltung intensiv mit den Leuten. Trotzdem kann es natürlich sein – und es ist auch schon passiert –, dass jemand auf der Bühne mit allem abrechnen will. Das hilft aber weder den SprecherInnen, noch dem Publikum."

FuckUp Nights wattens

Auch privates Scheitern kommt nur selten ins Programm, weil solche Geschichten einfach zu persönlich sind. Doch wie es im Leben eben so ist, wird Unternehmerisches häufig mit Privatem vermischt. Zum Beispiel bei Familienunternehmen: "Wir hatten mal einen Speaker, der das eigene Familienunternehmen in den Sand gesetzt hat. Er ist aber nun in der Beratung tätig und hilft anderen Menschen, die dieselbe Situation durchmachen." , erzählt Wenko. Und manche Menschen versuchen es immer wieder – mit demselben Projekt: "Manchmal glauben die UnternehmerInnen so an ihr Herzensprojekt, dass sie es immer wieder neu versuchen, auch, wenn sie schon mal damit gescheitert sind. Zum Beispiel ein Tiroler Wasabi-Unternehmen. Da hat der Unternehmer alle Phasen der Gründung zweimal durchlaufen. Und dann hat es geklappt."

Lernen aus den Fehlern der anderen

Bei einer FuckUp Night über Fehler zu sprechen, ist schön und gut. Aber was fließt davon in meinen Alltag ein? "Misserfolge sind genauso wichtig wie Erfolge.", betont Wenko. "Die Aufarbeitung des eigenen Scheiterns kann extrem wehtun und lange dauern. Doch irgendwann kommt die Einsicht, dass die ganze Sache auch etwas Gutes hatte. Du entwickelst dich nach jedem Scheitern weiter udn wenn du dir das vor Augen führst, dann hast du auch nicht mehr so viel Angst davor, etwas falsch zu machen."

Was? FuckUp Nights in Tirol Wo? Innsbruck, Wattens & Kufstein.

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