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Fußball? Von wegen Männersache!

Die eine ist Präsidentin des Zweitligisten WSG Wattens und ÖFB-Botschafterin, die andere sitzt im Präsidium des SK Rapid Wien: Diana Langes-Swarovski und Petra Gregorits setzen sich dafür ein, dass der Fußball weiblicher wird. Wie sie auf die lästige Frage nach dem Abseits reagieren? Bitteschön...

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Petra Gregorits
© Matt Observe

"Das Fußball-Gen liegt in unserer Familie. Mein Vater ist Ur-Rapidler und mein Sohn ist Ur-Rapidler", verortet Petra Gregorits, 52, die Sportbegeisterung in ihrem Blut. Mittlerweile sitzt die Unternehmerin seit drei Jahren im Präsidium des SK Rapid Wien - als erste und einzige Frau in dieser Funktion.

Auch bei Diana Langes-Swarovski, 46, ist der Herr Papa "schuld", sie ist seit 2013 Präsidentin der WSG Wattens: "Er war immer im Fußballgeschäft und über 40 Jahre der Präsident des Vereins. Dass ich ihm in sein Amt folge, war zwar nicht von Beginn an klar, nach seinem Angebot jedoch irgendwie logisch. Es hat sich richtig angefühlt." 2017 initiierte die Tirolerin auch einen eigenen Damenkader, und sie ist als Botschafterin für den ÖFB aktiv.

Frauen und Fußball: Da tut sich was! "In den letzten Monaten nehme ich auch vermehrt wahr, dass über Frauen-Transfers berichtet wird. Man muss aber schon am Boden der Tatsachen bleiben: Es gibt in Österreich 420.000 Männer, die aktiv in Vereinen kicken, und ungefähr 20.000 Frauen. Das Ungleichgewicht ist groß, aber es wird", fasst es Gregorits realistisch zusammen. "Und die jetzige Generation der jungen Mädchen wächst einfach so auf, dass sie auch Fußball spielen." Na dann - Anpfiff!

Welche Frau hätte Ihrer Meinung nach den Biss, um in der Österreichischen Fußballnationalmannschaft zu bestehen?
LANGES-SWAROVSKI: Ich nehme Petra! Du kannst es ja wirklich. Und du kämpfst dich auch bei Rapid voll durch!
GREGORITS: Das ist zu viel der Ehre! Ich glaube, aus dem Frauen-Nationalteam gibt es bestimmt viele, die mithalten könnten. Geborene Fußballerinnen sind für mich starke, selbstbewusste Frauen, die auch ein Körperbewusstsein haben, die gern kämpfen und gewinnen. Das sind Erfolgstypinnen, und da gibt es viele: Schauspielerinnen, Politikerinnen, aber genauso Frauen, die täglich ihr Leben meistern und nicht im Rampenlicht stehen.

Haben Sie auch mal selbst gekickt?
LANGES-SWAROVSKI: Im Garten. Aber Petra, dich habe ich in der Zeitung gesehen, als Spielerin beim Wirtschaftsforum.
GREGORITS: Das war ein Charity-Match -mit Männern und wenigen Frauen. Als Kind habe ich auch zu Hause im Garten und bei der Jungschar gespielt.

Welche Position würden Sie sich am Spielfeld geben?
GREGORITS: Ich sehe mich als Verteidigerin. Weil es da sehr viel um Strategie geht. Man muss den Überblick bewahren. Nur ob ich gut wäre, weiß ich nicht, dazu müsste ich noch viel trainieren. (lacht)
LANGES-SWAROVSKI: Ich wäre auf jeden Fall eine Stürmerin - direkt aufs Tor hin. (lacht)

Wie kann man sich Sie als Fan vorstellen? Schreiend und brüllend?
LANGES-SWAROVSKI: Genau so, wie Sie das beschreiben! Ich bin ein hochemotionaler Mensch, und das sieht man mir auch immer an.
GREGORITS: Das geht nur so! Beim Fußballschauen kann man sich super erden und viel aus dem Alltag abarbeiten. Ich war total überrascht, wie emotional Männer im Stadion sind, da kann man sich was abschauen. Zu meinen Freundinnen sag ich immer: "Mädels, geht's mit euren Partnern zum Fußball. Dort sind sie so, wie ihr sie zu Hause haben wollt."

Bei so viel Engagement für das runde Leder sind Sie für viele Männer doch bestimmt echte Traumfrauen?
GREGORITS: Für viele doch, ja! Es gibt immer noch welche, die das Thema für sich allein haben wollen. Manchen gefällt es gar nicht, wenn die Partnerin mitkommt, die gehen lieber mit den Jungs.

2017 gab es eine große Euphorie rund um unserer Damen-Nationalmannschaft. Was ist davon geblieben?
LANGES-SWAROVSKI: Der Frauenfußball wächst und wächst. Und hoffentlich bleiben die letzten Erfolge von Österreich keine Eintagsfliege, wir können da total stolz auf uns sein. Das Interesse der Österreicher ist auf jeden Fall da. Es wird auch bei den Mädels gejubelt und mitgefiebert, ich sehe da viel Potenzial. Und bin überzeugt: Irgendwann wir er bestimmt einen ähnlichen Stellenwert haben wie Männerfußball. Es ist wichtig, mit vielen kleinen Schritten einem Ziel näher zu kommen. Der nächste wurde ja auch schon gemacht: Wissen Sie, dass wir das Champions- League-Finale der Frauen 2020 in Wien austragen werden? Es passiert einiges! Nationalteam-Kapitänin Viki Schnaderbeck ist von Bayern München zu Arsenal nach England gewechselt!

Wie haben Sie sich eigentlich durchgebissen? Es ist ja auch abseits des Rasens eine Männerdomäne...
LANGES-SWAROVSKI: Ich werde immer wieder auf das angesprochen, aber ich musste mich eigentlich nie durchbeißen. Es gab auch nie die Frage: Mann oder Frau? Wenn man die Leidenschaft dafür hat, sieht das auch dein Gegenüber und hinterfragt das gar nicht. Ich hatte da vollste Unterstützung.
GREGORITS: Bei mir war schon auch Überzeugungsarbeit nötig. Die hört nicht auf.

Gab es Momente, in denen Sie belächelt wurden?
GREGORITS: Die gibt es freilich noch, und daran wachse ich. Ich überzeuge sachlich, mit Argumenten, stelle Fragen und höre von echten Fans oft anerkennend, dass ich schnell lerne. Ein Ritterschlag sozusagen. Wenn mich etwas interessiert, dann brenne ich dafür, und es funktioniert auch. Ich habe diverse Ehrenämter gehabt, aber wenn es heißt "Frau Gregorits ist Mitglied des Präsidiums des SK Rapid", sind noch immer viele überrascht. Aber das wird weniger.
LANGES-SWAROVSKI: Mir ist das noch nie passiert. Ich werde eher von Journalisten hinterfragt als von den Leuten im Fußballgeschäft. Einer ist mal gekommen und hat gemeint: "Wissen Sie überhaupt, was ein Abseits ist?" Ich habe gekontert: "Soll ich Ihnen jetzt das aktive oder das passive erklären?" Dann war er still. (lacht)

Die Abseits-Frage ist wahrscheinlich der Klassiker!
GREGORITS: Das Thema kommt echt oft! Da muss man dann halt parieren. Man kann es aber auch schnell vom Tisch wischen mit Gegenfragen wie: "Sie werden ja auch nicht gefragt, wer auf Ihre Kinder aufpasst, während Sie ins Stadion gehen?" Unterm Strich bleibt trotzdem sehr viel Wertschätzung und Anerkennung für die Aufgabe.

Wie fördern Sie persönlich Frauen im Fußball?
LANGES-SWAROVSKI: Ich habe im vergangenen Sommer eine Damenmannschaft gegründet, die ich sehr unterstütze. Das sind alles Freundinnen, die einfach für ihr Leben gern Fußball spielen. Gerade haben wir es sogar bis ins Finale vom Tirol-Cup geschafft, dann aber 3:2 verloren. Da sieht man, was Freude am Spiel und Motivation ausmachen.

Frau Gregorits, bei Rapid gibt es noch keine eigene Mannschaft für Frauen. Warum?
GREGORITS: Stimmt, wir haben noch kein Frauenteam - noch! Aber wir schauen uns gerade an, unter welchen Rahmenbedingungen man das umsetzen könnte. Wenn wir etwas machen, dann ordentlich, nach professionellen Qualitätskriterien und entsprechend unserem Leitbild. In ein paar Jahren wird es bei uns ein Trainingszentrum geben, und im Rahmen dessen wollen wir auch verstärkt Frauen fördern. Das kann daher noch zwei, drei Jahre dauern und geht leider nicht von Hier auf Jetzt.

In Österreich gibt es nach wie vor keine weibliche Fußball-Kommentatorin, keine Bundesliga-Schiedsrichterin, keine Trainerin in der höchsten Klasse - warum nicht?
GREGORITS: Da haben wir noch einiges aufzuholen! Auf der anderen Seite gibt es aber schon viel mehr Frauen in dem Sport, als man glauben würde: Neben Diana ist auch noch in Hartberg und in Wiener Neustadt eine Präsidentin. Das Engagement steigt und auch die Offenheit unter den Männern. Sie erkennen: Hoppala, ja, das braucht es auch! Wenn wir erfolgreich sein wollen in allen Bereichen - sportlich und wirtschaftlich - kommen wir um das Thema Frauen einfach nicht herum. Das ist im 21. Jahrhundert ein Must. Frauen sind ein entscheidender Erfolgsfaktor.
LANGES-SWAROVSKI: Ich würde sogar noch weiter gehen. Frauen sind nicht nur ein "Must", denn das spricht zu sehr für Quote. Frauen sind ein "Plus", ein Zugewinn. Wir bringen in mancherlei Hinsicht andere Voraussetzungen mit als Männer, das sorgt für eine perfekte Balance in der eher männlich orientierten Domäne. Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen, der das nicht möchte, dem werden wir zeigen, wie gut weiblicher Einfluss ist.

Oft kommt das Argument, Männer würden beim Fußball eben lieber Männer sehen: Tatsache oder Blödsinn?
GREGORITS: Ich habe mir schon oft überlegt, ob das so ist. Vieles ist einfach gelernt, sie kennen es nicht anders. Es gibt natürlich Männer, die sagen: "Das ist ein anderer Fußball, das schau ich mir nicht an." Gleichzeitig gibt es aber auch Männer, die Frauen trainieren und meinen, sie wären pflichtbewusster, verlässlicher, härter.

Was nervt Sie am Profi-Fußball manchmal?
GREGORITS: Die zunehmende Kommerzialisierung wird in der Öffentlichkeit oft negativ bewertet. Erfolgreicher Fußball braucht jedoch professionelle Strukturen. Im Mittelpunkt sollte aber immer der Sport stehen.
LANGES-SWAROVSKI: Verlieren nervt mich am meisten! (lacht)
GREGORITS: Ich hab mir anfangs immer gedacht: Was ist mit den Männern? Wenn wir verlieren, kannst du mit ihnen die darauffolgende Woche nicht reden. Irgendwann hat der Präsident gesagt: "Jetzt hast du die kollektive Depression auch schon!" Es zieht einen wirklich so extrem runter.

Was haben Sie vom Fußballplatz fürs Leben mitgenommen?
LANGES-SWAROVSKI: Den Teamspirit. Ohne eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit funktioniert es nicht. Taktik im Leben heißt nicht: Mal sehen, wann der Ball in meine Richtung fliegt - sondern Wege für andere frei machen, Kollegen den Ball zuspielen, nie unüberlegt drauflos preschen, und im entscheidenden Moment lieber für ein sicheres Tor abgeben als ein vermeintlich eigenes versemmeln.
GREGORITS: Wenn es um das Fußballspiel geht, dann geht es wirklich nur um das. Egal was sich rundherum abspielt. Da kann man von den aktiven Kickern lernen. Ich versuche, mir das auch im Alltag bewusst zu machen. Daraus schöpfe ich viel Energie und Kraft.

Diana Langes-Swarovski

DIANA LANGES-SWAROVSKI, 46

Seit 2013 ist sie Präsidentin der Werkssportgemeinschaft Wattens, außerdem sitzt sie in der ÖFB-Finanzkommission und ist seit März 2018 ÖFB-Botschafterin.
So schießt man sich bei ihr ins Abseits: "Hinterlist und Lügen zum eigenen Vorteil. Ich ziehe die Rote Karte, wenn ich merke, dass man mich ausnutzt."
Stehplatz? Sitzplatz? VIP-Ticket? "Immer auf der Tribüne."

Petra Gregorits

PETRA GREGORITS, 52

Seit 1995 führt sie PGM Marketing Research Consulting, 2015 kam sie ins Präsidium des SK Rapid Wien.
So schießt man sich bei ihr ins Abseits: "Durch Unfairness. Ich ziehe die Rote Karte, wenn ich das Gefühl habe, dass sich mein Gegenüber nicht auf mich einlässt und nur seinen Standpunkt sieht."
Stehplatz? Sitzplatz? VIP-Ticket? "Meistens im VIP-Bereich. Aber hier wird genauso geschimpft."

Thema: Fußball

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