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Fußball: US-Frauen sind erneut Weltmeisterinnen

Die US-Frauen haben ihren Titel verteidigt: Sie sind damit zum vierten Mal Fußball-Weltmeisterinnen. Die Tore erzielten Rose Lavelle und Megan Rapinoe, die auch abseits des Rasens mit ihrer offenen Ablehnung von Präsident Trump ("werde nicht ins fucking white house gehen") für Schlagzeilen sorgte.

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Fußball: US-Frauen sind erneut Weltmeisterinnen
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Die US-Frauen haben bei der Fußball-WM in Frankreich ihren Titel erfolgreich verteidigt. Die Favoritinnen gewannen das Endspiel am Sonntag im Stade de Lyon gegen die Niederlande mit 2:0 (0:0) und sind damit nach 1991, 1999 und 2015 zum vierten Mal Weltmeisterinnen. Die Tore vor 57.900 Zuschauern erzielten Megan Rapinoe per Elfmeter (61.) und Rose Lavelle (69.).

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Beide Teams waren mit sechs Siegen makellos ins Finale eingezogen. Im Duell zwischen den Welt- und Europameisterinnen waren die US-Damen aber über weite Strecken überlegen und gingen dank eines klaren Chancenplus als verdiente Siegerinnen vom Platz. Erstmals seit Deutschland (2003, 2007) konnte ein Team den WM-Titel wiederholen.

US-Star Rapinoe beste Spielerin

Rapinoe wurde als beste Spielerin mit dem Goldenen Ball ausgezeichnet und erhielt zudem den Goldenen Schuh für die beste Torschützin. Die 34-Jährige behielt die Oberhand gegenüber ihrer Teamkollegin Alex Morgan und der Engländerin Ellen White, da sie weniger Spielzeit als die beiden für ihre sechs Tore benötigte.

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"Werde nicht ins fucking white house gehen"

Rapinoe kann insgesamt getrost als Superstar des US-amerikanischen Teams bei dieser WM gelten. Nicht nur in sportlicher Hinsicht: Sie tritt offen gegen Rassismus, Homphobie, Sexismus und Co. auf und hat sich während der WM einen Schlagabtausch mit US-Präsident Trump geliefert. In einem Interview wurde sie gefragt, ob sie - sollte sie eingeladen werden - nach der WM ins Weiße Haus gehen werde. Ihre Antwort? Sie werde nicht ins "fucking white house" gehen. Ohne von ihren Schuhbändern aufzublicken.

Darauf hin richtete ihr Trump via Twitter aus, sie solle "nicht respektlos gegenüber unserem Land, dem Weißen Haus oder unserer Flagge sein, zumal so viel für sie und ihr Team getan worden ist", so der US-Präsident. Detail am Rande: Er hatte in dem Tweet auch ihren Namen falsch geschrieben. Und Megan Rapinoe? Sie reagierte auf Trumps Vorwurf, nicht stolz genug auf ihr Land zu sein, mit den Worten: "Ich halte mich für extrem amerikanisch." Denn: Was ist denn bitte amerikanischer als Widerstand?


Das Schimpfwort hat Rapinoe zwar auf einer Pressekonferenz zurück genommen, ins Weiße Haus wolle sie aber dennoch nicht gehen. Sie ermutigte auch ihre Teammitglieder, die Einladung nicht anzunehmen, um Trump keine Bühne zu bieten. Auf Twitter postete die 34-Jährige ein Foto nach dem WM-Sieg mit ihren Mitspielerinnen Ashlyn Harris und Alexandra Krieger. Dazu schrieb der Superstar: "Wir haben bereits darüber gesprochen. Wissenschaft ist Wissenschaft. Homosexuelle regieren."


Präsident Trump gratulierte den Spielerinnen via Twitter: "Herzlichen Glückwunsch an die US-Frauenfußballmannschaft zum Gewinn der Weltmeisterschaft!", schrieb Trump am Sonntag auf Twitter. Es sei ein "großartiges und aufregendes" Spiel gewesen. "Amerika ist stolz auf euch alle!", fügte der Präsident hinzu.

Solidarität mit Football-Star, der bei Hymne schwieg

Das Hin und Her ist eine Weiterführung des Streits mit Footballstar Colin Kaepernick, der 2016 aus Protest gegen den Rassismus begann, bei der Nationalhymne niederzuknien. Rapinoe schloss sich dem an, als erste weiße Frau, wobei unklar ist, ob Trump das damals merkte. Den nun aber so rüde abgelehnten Besuch im Weißen Haus nimmt er persönlich: "Teams lieben es, ins Weiße Haus zu kommen", sagte Trump, wobei oft das Gegenteil zutrifft.

Trump ist "sexistisch", "engstirnig" und "rassistisch"

Rapinoe geht es um mehr als um die Person Trumps, den sie neulich als "sexistisch", "engstirnig" und "rassistisch" bezeichnete. Sie sorgt sich, wie Kaepernick, um die sozialen Missstände in den USA. Zwar erlebe sie keine Repressionen wegen ihrer Hautfarbe, schrieb sie, als sie sich vor zwei Jahren erstmals sperrte, bei der Hymne mitzusingen. "Aber ich kann nicht tatenlos zusehen."

"Werde wahrscheinlich nie wieder Hymne singen"

Auch bei der WM in Frankreich starrte sie geradeaus. "Ich werde wahrscheinlich nie wieder die Nationalhymne singen", sagte sie dann, was sie automatisch zum roten Tuch für Trumps Loyalisten machte. Rapinoe und ihre Partnerin Sue Birs waren übrigens vor der WM im amerikanischen "ESPN Magazine" zu sehen: Die Fußballspielerin und die Basketballerin waren als erstes gleichgeschlechtliches Paar aufs Cover.