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Erinnerungen ans Irgendwie.

Irgendwie lässt sich in den essentiellsten Dingen des Zwischenmenschlichen immer früher eine gewisse Reduktion auf das ohnehin Unausweichliche verzeichnen; aus Lebenspartnern werden Lebensabschnittspartner, von Freunden mit gewissen Vorzügen bleiben irgendwann doch nur noch die abgenagten Vorzüge am Tellerrand zurück.
Auch wenn die Aussichten durchaus rosiger sein könnten, gibt es sie trotzdem noch: Die wahr-wahr-wahre Liebe, die nie wieder vergeht. Zumindest nicht für die nächsten paar Stunden.

von

Erinnerungen ans Irgendwie.
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Ich habe mir lange darüber Gedanken gemacht, wie ich das hier ansetzen soll, ohne das zu sagen, was man ohnehin immer und überall liest, sieht und hört. Vielleicht weil die zahlreichen inflationär gebrauchten Liebesfloskeln für mich immer ein bisschen nach Entschuldigungen klingen:
Liebe macht dies und das (oh!); Liebe kennt keine Dings (lala!); Liebe überwindet alle bla bla bla.
Trotzdem gibt es da diese gewissen Augenblicke, in denen du dir beinahe sicher bist, dass es so etwas Utopisches wie Love at first sight auch fernab der Kinoleinwand gibt. Und irgendwie bist du gerade mitten drin.
Hallo , sagt sie.
Hallo , sage ich.
Wir kennen uns doch irgendwoher , sagt sie und denke ich.

Vor einer Minute hast du noch mit deinem überteuerten Cocktail in deiner Hand getanzt und dich bei deinen Freunden (die ohnehin kein Wort von dem verstehen, was du sagst) darüber ausgelassen, wie beschissen die Musik doch ist.
Und plötzlich befindet man sich in einem dieser Momente, in denen du es nicht schaffst, einen einzigen klaren Gedanken zu fassen, und es auch nicht wie gewohnt dem Alkohol in die Schuhe schieben kannst. In denen sich der Song im Hintergrund in dein Hirn brennt wie der Zigarettenanzünder deines alten Opel Kadett.
Wir reden über alles und nichts und obwohl ich meinen Blick keine Sekunde von ihr lassen kann, bleiben die körperlichen Hintergedanken aus. Das hier ist anders, irgendwie.
Irgendwann nimmt sie meine Hand und ja, es ist wirklich kitschig, aber ich denke, das macht es auch irgendwie aus. Irgendwie ist doch alles irgendwie.
Wir streunen durch die ausgestorbenen Straßen und als sie mir sagt, dass sie einen Freund hat, bin ich nicht sonderlich überrascht. So etwas merkt man dann doch irgendwo. Irgendwann gehen wir trotzdem nach Hause.
Ich zu mir und sie zu ihm.

Redakteur:
Andreas Binder ist 24 und studiert Deutsch und Psychologie/Philosophie auf Lehramt in Graz.
andreas.mbinder@gmail.com

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