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Hört auf immer nur von den Schmerzen zu sprechen!

"Und, hast du schon Angst vor der Geburt?" - Redakteurin Nadja erzählt von der Geburt ihres Sohnes und beanstandet, wie mit dem Thema Wehen umgegangen wird.

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selbstbestimmte Geburt im Geburtshaus

Warmes Wasser soll für eine sanftere Geburt sorgen.

© istockphoto.com

Immer und immer wieder wurde ich während der Schwangerschaft gefragt, ob ich denn Angst vor der Geburt hätte. Nein, eigentlich nicht. Schließlich hatten schon so viele Frauen vor mir ein Kind bekommen. Viele sogar mehrere. So schlimm konnte es also nicht sein. Dennoch beschäftige es mich, wie die Allgemeinheit mit dem Thema Geburt und Angst umgeht. So als würde die Entbindung eines Kindes nur negativ sein. Aussagen wie "Solche Schmerzen kann man gar nicht beschreiben", "Ohne PDA sind Wehen kaum aushaltbar", "Dauernd dachte ich mir nur, wann es endlich vorbei ist" sind für eine Mami in spe nicht gerade förderlich. Schließlich sorgt dies weitestgehend für Verunsicherung.

Vorfreude auf die Geburt

Ich kann nicht sagen warum aber bei mir war das anders. Obwohl mir meine Mutter bereits sehr früh von den schrecklichen Schmerzen bei der Entbindung erzählte, freute ich mich während der Schwangerschaft auf die Geburt meines Sohnes. Nicht nur auf den Moment, in dem ich das Baby in meinen Händen halten würde, sondern auf den gesamten Geburtsprozess. Klar, ich wusste, dass Geburtswehen nicht angenehm sind aber es motivierte mich sie zu erleben. Ständig fragte ich mich, wie es sich wohl anfühlt und welche Emotionen und Gedanken man dabei erlebt.

Der wichtigste Tipp:

Suche dir eine gute Hebamme, die dich während der Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett begleitet. Wenn es während der Geburt zu Komplikationen kommt, bist du bestmöglich vorbereitet und hast einen Profi, der dir beisteht.

Geburt - Wehen - Schmerzen

Positiver Schmerz ist anders

Im Endeffekt verlief alles genau so, wie ich es mir vorstellte. Die Wehen gingen los, wurden von Stunde zu Stunde intensiver und irgendwann drückte ich einen kleinen Menschen aus meinem Körper. Ein überwältigender Akt der Natur. Wenn mich Leute danach fragen, wie sich Wehen anfühlen, dann spreche ich nie von Schmerzen im negativen Sinn. Zahnschmerzen sind zum Beispiel negativ. Sie sind da und haben keinen positiven Effekt. Geburtswehen hingegen sorgen dafür, dass ein Kind geboren werden kann. Und dies ist das schönste Erlebnis, das es gibt. Die Einstellung ist hier wahrscheinlich wichtiger denn je. Wie begegnet man Schmerz? Nimmt man ihn an und arbeitet damit oder blockiert man ihn - und damit sich selbst? Jede Gebärende sollte sich klar machen, dass es sich hier um positiven Schmerz handelt. Wenn man dies einmal erkennt und annimmt, ist alles gar nicht mehr so schlimm. Bei der Geburt meines Sohnes begegnete ich jeder Wehe mit einem freundlichen Lächeln. Im Kopf stellte ich mir immer vor, die Wehen und ich seien ein Team, das zusammenhält. Mir persönlich half das, um nicht die Kraft zu verlieren.

Angst entsteht im Kopf

Dass man vor einer Geburt nervös ist und gewisse Ängste hat, ist wahrscheinlich normal. Schließlich hört man immer wieder Geschichten von Geburten, die über 2 Tage gingen oder unvorhersehbaren Komplikationen. Mich selbst nervte es schrecklich, dass ich von 99 Prozent aller Mütter nur negative Geschichten erzählt bekam. Am besten ist es hier die Ohren zu verschließen und stattdessen auf den eigenen Körper und die weibliche Kraft zu vertrauen. Glaubenssätze können dabei helfen die Angst zu nehmen. Ich habe mir immer wieder gesagt: "Ich schaffe das locker", "Ich freue mich auf die Geburt", "Es wird alles reibungslos und wunderbar ablaufen". So schränkt man den Raum für Ängste ein. Denn in Wahrheit entsteht Angst im Kopf und lässt sich steuern.

Geburt - Wehen - Schmerzen

»Auch wenn es keiner glaubt: eine Geburt kann schön sein!«

Ich respektiere jede Mutter. Ein Kind zu gebären ist immer herausfordernd. Sei es eine natürliche Geburt oder ein Kaiserschnitt. Es ist immer ein überwältigendes Erlebnis. Doch Schmerz und Angst sollten dabei nicht im Fokus stehen. Je entspannter man in den Prozess geht, desto leichter ist es das Kind zu gebären. Nicht umsonst spricht man vermehrt von Themen wie "Hypno-Birthing" und "selbstbestimmte Geburt".

Wenn mich jemand fragt, wie die Geburt meines Sohnes war, sage ich immer: wundervoll! Die Leute schauen mich dann mit großen Augen an. So als würden sie mir kein Wort glauben. Doch genau das war sie! Mein Wunsch ist es, dass Frauen wieder mit mehr Selbstvertrauen und mentaler Stärke in die Geburt gehen. Dass nicht ständig über die schlimmen Wehen gesprochen wird, sondern darüber, wie stolz man auf sich ist, ein Baby geboren zu haben. Das soll keine Aufforderung dazu sein, Schmerzen zu tabuisieren, sondern sie in ein besser Licht zu rücken und damit allen "Mommys to be" bei der bevorstehenden Geburt zu helfen.

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