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Gedächtnistraining für Digitalistas

Geburtstage, Telefonnummern, To Do's: Ist dein Handy auch dein Zweit-Hirn? Gedächtnisexperte Markus Hofmann verrät Übungen für bessere Merkfähigkeit in der Digi-Welt.


Gedächtnistraining für Digitalistas

Das Smartphone ist unser verlängertes Hirn

© THinkstock/iStock/Mati Hari

Mal ganz ehrlich: Wie viele Telefonnummern kennst du noch auswendig? Hast du den Geburtstag deiner Lieblingsnichte parat? Weißt du, welche Sachen du morgen unbedingt erledigen solltest – und wie du den Weg zum Baumarkt findest?

Wie sind wir nur früher ohne unsere Handys ausgekommen? Und welche Katastrophe wäre es, wenn wir es verlieren? Smartphones sind immer mehr zu unserer Hirn-Verlängerung mutiert. Ohne sie sind wir völlig aufgeschmissen (und wir übertreiben wirklich nicht!).

Ganz klar - dieser „digitalen Abhängigkeit“ muss entgegen gewirkt werden. In seinem neuen, für Diskussionen sorgenden Buch "Denken Sie neu - Mentales Überlebenstraining in der digitalen Welt" (€ 20,60, erschienen im Südwest Verlag , Infos auch unter www.unvergesslich.de) widerlegt der führende Gedächtnistrainer Markus Hofmann den von Manfred Spitzer geprägten Begriff der „Digitalen Demenz“ und verrät, wie man sich ein wenig von seinem Digi-Hirn emanzipiert. Durch effektive Tipps und Techniken, mit deren Hilfe man sich den Einkaufszettel, die Kontonummer oder die Namen neuer Kollegen besser merken kann.“

Uns hat Autor Markus Hofmann die besten Tricks für Vergessliche verraten:

1

Es liegt mir auf der Zunge... Sich im passenden Moment an etwas zu erinnern, ist wirklich eine feine Sache – leider ist öfter mal das Gegenteil der Fall. Es liegt einem auf der Zunge, aber es will einem partout nicht über die Lippen. Man vermutet, dass jeder Mensch einmal pro Woche solch einen Aussetzer hat.

Teste dich selbst: Rätsel wie die nun folgenden helfen dabei, dein Gehirn zu trainieren. Peinliche Aussetzer werden minimiert. Versuche herauszufinden: Wovon ist hier die Rede?

  • Wie lautet der Begriff, wenn zwei Wörter die gleiche Bedeutung haben?
  • Wenn jemand sich in einer Sache wirklich gut auskennt und besondere Fähigkeiten aufweist, dann gilt er als....
  • Wie heißt ein schwer entflammbares Material, das zum Schutz gegen Feuer eingesetzt wird?
  • Ein Navigationsinstrument, das auf Schiffen verwendet wird (nicht der Kompass, sondern ein Gerät, das vor Jahrhunderten verwendet wurde und das man in der Hand hielt), nennt man....?
  • Eine Zuckerform, die in Obst vorkommt, nennt man...?
2

Erinnerungen sind beeinflussbar! Suggestibilität funktioniert nach dem Prinzip: "Wenn du dir etwas vorstellen kannst, dann ist es schon die halbe Wahrheit." Menschen mit lebhafter Fantasie und Kinder sind dafür besonders anfällig. Aber auch anderen geht es so: Je öfter man eine Geschichte hört, desto wahrscheinlicher ist es, dass man sie irgendwann in den eigenen Erinnerungsschatz übernimmt.

Teste dich selbst: Schau dir die folgenden Wörter genau an und versuche, dir diese beim einmaligen Durchlesen zu merken:

  • Faden, Nadelöhr, nähen, stechen, Fingerhut, Dorn, wehtun, Kleidung, stricken, Spritze
  • Bett, Ruhe, müde, Traum, wachen, Nickerchen, dösen, schnarchen, gähnen, schlummern

Prima. Jetzt folgen ein paar weitere Wörter. Bitte entscheide, ob du diese Wörter bereits zuvor gelesen hast oder nicht. Bleib' dabei ganz locker und relaxed. Welche der folgenden fünf Wörter waren oben nicht enthalten?

  • Nadel, Schlaf, Bonbon, wach, Tür

Markus Hofmann: "Ich wette, dass du die Wörter erkannt hast, die nicht mit dabei waren, oder? Es waren Bonbon und Tür, nicht wahr?!" Jetzt kommt der Clou: KEINES der Wörter war mit dabei. Wie das passieren konnte? Die beiden Wortlisten bildeten jeweils ein semantisches Feld von inhaltsähnlichen Begriffen, die dazu verleiten, Wörter "wiederzuerkennen", die in eines der beiden Felder hineinpassen.

3

Die Mnemo-Techniken Mit den Mnemo-Techniken kann man sich Dinge wesentlich leichter merken und so effektiver lernen. Hinter dem fremdartigen Begriff steckt eine Fülle an Lernsystemen und Merkmethoden, die dir das Erinnern um ein Vielfaches erleichtern. Die ersten Techniken wurden bereits in der Antike entwickelt und nutzen die bildhafte Vorstellung deines Gehirns. Mit der Anwendung dieser Techniken legst du die geschaffenen Bilder an einem bestimmten Ort im Kopf ab, wo du sie nachher auch wiederfindest.

Teste dich selbst: Lies' dir die Liste der folgenden zehn Begriffe durch und versuche, dich an die einzelnen Begriffe zu erinnern. Stell' dir vor, du musst einen Vortrag halten, in dem diese zehn Schlüsselwörter vorkommen, oder dass es sich um zehn Eckpunkte einer Kundenpräsentation handelt.

  • Buch
  • Grillhähnchen
  • Werkzeugkasten
  • Wagenheber
  • Zugspitze
  • Wasserstoffperoxid
  • Kindergarten
  • Feuerlöscher
  • Energiesparlampe
  • Mikrofon

Gar nicht so einfach! Jetzt kommt Unterstützung in Form der "Einhorn-Liste". Sie verknüpft jede Zahl von 1 - 20 mit einem einprägsamen Bild. So kann man sich Telefonnummern und Zahlen-Kombis wesentlich leichter merken.

  • 0 = ein Ei; zwei Nullen (00) sind ein WC
  • 1 = Einhorn
  • 2 = Medaille
  • 3 = Dreirad
  • 4 = Tisch
  • 5 = Hand
  • 6 = Sixpack
  • 7 = Zwerg
  • 8 = Achterbahn
  • 9 = Schwein
  • 10 = Bibel
  • 11 = Fußball
  • 12 = Uhr
  • 13 = Pech
  • 14 = Blumen
  • 15 = Kolumbus
  • 16 = Teenager
  • 17 = Blondes Haar
  • 18 = Führerschein
  • 19 = Sandmännchen
  • 20 = Tagesschau

Nun gilt es, die Worte miteinander zu verankern:

  • 1. Wort = Buch . Um es zu verankern, verknüpft man die Bilder eines Buches und eines Einhorns miteinander. Etwa: Neben mir steht ein Einhorn und spießt mit seinem Horn ein Buch auf.
  • 2. Wort = Grillhähnchen . Weil es so gut geschmeckt hat, gibt es eine Medaille für das Grillhähnchen.
  • 3. Wort = Werkzeugkasten . Am Dreirad meines Sohnes fehlt das Vorderrad. Ich brauche einen Werkzeugkasten, um es zu reparieren.
  • 4. Wort = Wagenheber . Du fährst mit dem Wagenheber unter den Tisch, denn es ist ein tonnenschwerer Tisch aus Granit, der sich nur mit Hilfe eines Wagenhebers bewegen lässt.
  • 5. Wort = Zugspitze . Du besteigst den höchsten Berg Deutschlands. In deiner Fantasie umgreifst du das Gipfelkreuz mit beiden Händen.
  • 6. Wort = Wasserstoffperoxid . In dem Sixpack war kein Bier, nein, da war Wasserstoffperoxid. Als du die Flasche im Zug geleert hast, waren auf einmal deine Haare blond.
  • 7. Wort = Kindergarten . Dieser Begriff lässt sich ganz einfach mit den sieben Zwergen verbinden. Ein Kindergarten ist voller zweijähriger Zwerge.
  • 8. Wort = Feuerlöscher . Was könnte auf einer Achterbahn passieren, damit wir einen Feuerlöscher brauchen? Richtig: Sie brennt lichterloh! Ein feuriges Gefährt! Mit dem Feuerlöscher konnten die Flammen gerade noch gelöscht werden.
  • 9. Wort = Energiesparlampe . Nummer 9 in der Einhorn-Liste ist das Schwein. In die Nasenlöcher des Schweins passen zwei Energiesparlampen, die zu leuchten beginnen, wenn ich am Ringelschwänzchen drehe.
  • 10. Wort = Mikrofon . Lässt sich gut mit der Bibel verbinden. Du stellst dir Jesus vor, der aus der Bibel ein Mikrofon herausnimmt, damit man ihn besser bei seiner Bergpredigt verstehen kann.

Nun lies dir nochmals die zehn Worte in Kombi mit der Einhorn-Liste durch und stell' dir selbst Prüfungsfragen: Was spießt das Einhorn auf? Wer bekommt eine Medaille? Was brauche ich, um das Dreirad zu reparieren? Womit bewege ich den Tisch? ... Das Prinzip ist klar.

Vielleicht schüttelst du jetzt den Kopf und findest diese Methode zu wirr und zu abstrakt. Aber genau darin liegt laut Hofmann der große Denkfehler. "Je aberwitziger, skurriller, desto besser!"

Thema: Psychologie

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