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Gefahr Solarium

Regelmässige Nutzung von Solarien steigert das Krebsrisiko. Daran ändern auch Berichte über Positiveffekte nichts. Alles über die Gefahr Sonnenbank.


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Fans künstlicher Sonne sind überzeugt, sich Gutes zu tun, wenn sie regelmäßig Solarien frequentieren: Das Licht hebt vor allem in der düsteren Jahreszeit die Stimmung, der Bräunungseffekt verbessert den Look und der Körper braucht die UVB-Bestrahlung, um Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Eine jüngst publizierte Studie der holländischen Universität Leiden scheint dieser Ansicht Recht zu geben. Doch die genannten Vorteil sind trügerisch.

Solarium: Vorteil Vitamin-D-Produktion

Was die niederländische Organisation "Sunlight Research Forum" (SRF) kürzlich aus den genannten Leidener Forschungsergebnissen zitierte, klang in der Tat verlockend: "Die Studie zeigt, dass moderne Solarien, die der neuen Euro-Norm entsprechen, erhebliche Mengen an Vitamin D induzieren können. Auf der nördlichen Halbkugel reicht die Sonneneinstrahlung von September bis März nicht aus, um genügend Vitamin D über die Haut zu bilden. Regelmäßige, maßvolle Besonnung in einem modernen Solarium kann also helfen, einem Vitamin-D-Mangel im Winter vorzubeugen." Vitamin D sei schließlich essenziell für Kalziumhaushalt und Knochenbau sowie als Vorbeugung gegen Osteoporose.

Nachteil Hautkrebs

Fakten, die sich gut anhören. Doch leider nur der halben Wahrheit entsprechen. Denn die Gefahren für die Haut werden ausgeklammert. Unzählige wissenschaftliche Beweise belegen, dass sowohl Sonne als auch künstliches Sonnenlicht in Sonnenbänken das Hautkrebsrisiko steigern. Allein den Vitamin-D-Faktor zu bewerben wäre eine Verharmlosung.

Denn, so der Spezialist: Schon ein Solarium-Besuch pro Monat steigert das Risiko, an malignem Melanom (schwarzer Hautkrebs, der tödlich enden kann, wenn er nicht frühzeitig erkannt wird) zu erkranken. Besonders gefährdet sind junge Menschen, ergab eine im Fachmagazin British Medical Journal veröffentlichte Studie: Wer vor dem 35. Lebensjahr kontinuierlich Sonnenbänke nutzt, muss mit einer Verdopplung der Gefahr rechnen.

Auch neue Solarien sind nicht besser – nur sonnen-ähnlicher. Der Zusammenhang von Sonnenstudio, Sonne und Hautkrebs sei eindeutig bewiesen.

Warnungen und Gesetze

Dass Forscher der Weltgesundheitsorganisation WHO Sonnenbänke bereits 2009 als "krebserregend" für den Menschen deklarierten, hat dem Geschäft mit der künstlichen Bräune keinen Abbruch getan. Solarien-Befürworter betonen, dass moderne Geräte sicherer und vernünftige Nutzung unbedenklich sei. Neue Regelungen sollen vor Schaden schützen: In Österreich müssen Betreiber seit 2010 Sorge tragen, dass Jugendliche unter 18 Jahren keinen Zutritt zu Solarien haben.. Laut Solarienverordnung müssen Informationen wie Gebrauchs- und Warnhinweise, Prüf- und Kennzeichen ("UV-Typ Nummer 3") am Gerät sichtbar angebracht sein.

Seit 2012 dürfen Solariengeräte laut EU-Richtlinie eine Höchstbestrahlungsstärke von 0,3 Watt/m2 Haut nicht überschreiten – ein Wert, der der Sonneneinstrahlung mittags am Äquator entspricht und von alten Geräten oft drastisch überschritten wurde. Moderne Solarien semdem vor allem UVA-Wellen aus und filtern schädliches UVB-Licht. Allerdings, ob Natur oder Gerät: Hautschäden und Krebs treten oft erst Jahre nach der Exposition zutage. Forscher schätzen, dass in Westeuropa 3.500 Krebsfälle pro Jahr durch Solarien verursacht werden und etwa 800 Menschen an den daraus resultierenden Melanomen sterben.

Gesund geht anders

Gezieltes Bräunen schadet. In der Sonne genauso wie im Solarium. Und auch ohne Sonnenbrand . Für ausreichende Vitamin D-Versorgung genügt in der Regel eine tägliche Viertelstunde im Freien, weil der Körper durch Speicherung die dunkle Saison überbrückt. Vor Mangel können auch Nahrung (etwa Fisch, Champignons) und vom Arzt empfohlene Präparate bewahren – ohne erhöhte Melanomgefahr.