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Gegen den Magerwahn: Am 6. Mai ist Anti-Diät-Tag

Schluss mit Crash-Diäten. Vernünftiges Essverhalten und ein gesundes Körperbild müssen her. Expertinnen haben uns Tipps gegeben, wie das klappt.

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Frau mit Gemüse und Fast Food
© istockphoto.com

Der Sommer rückt näher, die Badesaison kündigt sich an. Und damit die insgeheime Frage, ob das denn schon so passt mit der Bikinifigur. Wir wollen es gar nicht leugnen, natürlich ist es für viele von uns ein Thema, wie wir im Bad oder am Strand aussehen. Da kann man der Verlockung der schnell schwindenden Kilos, die so eine Crash-Diät verspricht, schon einmal erliegen. Doch das ist nicht bloß kontraproduktiv – wir sagen nur Jojo-Effekt –, es kann auch gefährlich werden. Denn so ein – vermeintlich – schneller Erfolg kann auch eine Negativspirale auslösen aus ständiger Gewichtsab- und -zunahme, gestörtem Hunger- und Körpergefühl und im schlimmsten Fall sogar Essstörungen. Auch WOMAN berichtet regelmäßig über neue Erkenntnisse in Sachen Ernährung und Methoden zum Gewichtsmanagement. Es ist uns aber ein großes Anliegen, das seriös zu tun und nicht das Blaue vom Himmel zu versprechen.

Der internationale Anti-Diät-Tag will genau auf die Gefahr von solch unüberlegten Hungerkuren aufmerksam machen. Ins Leben gerufen wurde er 1992 von der britischen Autorin und Feministin Mary Evans Young. Sie hatte selbst lange an Magersucht gelitten und machte sich nach Überwindung ihrer Krankheit in den Medien für ein gesundes Körperbild und die Akzeptanz des eigenen Körpers stark. Genau das ist auch das vordergründige Anliegen der Expertinnen von intakt . Das Therapiezentrum für Menschen mit Essstörungen mit Sitz in Wien setzt bei den psychologischen Gründen für gestörtes Essverhalten und falsche Körperbilder an. Uns haben Rahel Jahoda und Patricia Oulehla sechs Tipps gegeben für ein gesundes Gewichtsmanagement ohne Heißhungerattacken, Übelkeit, Fressanfälle oder Jojo-Effekt.

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Iss, wenn du Hunger hast, Hör auf wenn du satt bist. Lerne auf deinen Körper zu hören. Therapeutin Rahel Jahoda betont: „Grundvoraussetzung dafür ist ein bewusster Umgang mit Nahrung. Iss nicht im Vorbeigehen oder im Stehen, sondern mach es zu einem bewussten Vorgang. Verzichte auf Ablenkungen wie Fernsehen oder nebenbei Lesen. Leg zwischendurch das Besteck weg und spüre nach, ob noch ein Hungergefühl da ist. Das funktioniert nur, wenn du zwischen den Bissen kleine Pausen machst und nicht hinunter schlingst. Der Körper braucht nämlich Zeit, um das Signal ans Gehirn zu geben: Ich bin jetzt satt!“

2

Hab Freude am Essen. „Egal, ob beim gemeinsamen Kochabend mit Freunden, beim Brunch mit dem Partner in dem Restaurant, das ihr schon seit Ewigkeiten gemeinsam ausprobieren wolltet oder beim Grillen mit der ganzen Familie im Grünen. Essen ist oft verbunden mit Geselligkeit, Austausch mit anderen und einer Pause vom Alltag. Genieße diese Inseln im Alltag und hab kein schlechtes Gewissen dabei!“ erklärt Patricia Oulehla.

3

„Finger weg von verrückten und unrealistischen „Schlankheitskuren“, bei denen der Jojo-Effekt schon vorprogrammiert ist“ , warnt Rahel Jahoda. Diäten, das weiß man aus zahlreichen Studien, erhöhen das Risiko, an einer Essstörung zu erkranken. Am gefährlichsten sind die Ess-Regime, bei denen die Kilos besonders schnell purzeln. Das Problem ist, dass genau diese Methoden oft große Anerkennung von außen schaffen. Gewichtsabnahme wird in unserer Gesellschaft stark honoriert, das bewirkt unter anderem eine große narzisstische Befriedigung. Ist das Selbstwertgefühl nicht allzu hoch, kann das dazu verführen, die ursprünglichen Ziele zu intensivieren, noch mehr abnehmen zu wollen. Außerdem lenkt die ständige Beschäftigung mit Essen und der eigenen Figur von anderen belastenden Gefühlen und Gedanken ab. Man bekommt dadurch ein Gefühl der Stärke: Ich kann etwas, das andere nicht zusammen bringen, ich bin etwas Besonderes. Dazu kommt, dass Diäten nur der Industrie nutzen. Die verdient damit viel Geld. Denn keine der so genannten Wunder-Diäten hilft nachhaltig. Also kommen jedes Jahr neue auf den Markt. Fakt ist aber: Nur eine Umstellung der Ernährung kann auf Dauer eine langfristige Gewichtsreduktion gewährleisten. So ein System muss lebenslang durchführbar sein, sonst wird man scheitern

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Mach Sport, weil er dir guttut und dabei hilft, Stress abzubauen und abzuschalten – nicht um endlich eine #thighgap auf Instagram posten zu können. Das heißt, Training ist dann angesagt, wenn du dich auch körperlich fit fühlst. Wichtig ist, dass du deinem Körper auch die Pausen gönnst, die er braucht. Die Weltgesundheitsorganistion (WHO) empfiehlt 150 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche, also moderates Laufen, Yoga, Pilates, Schwimmen, schnelles Gehen etc. Dazu kommen 75 Minuten pro Woche mit hohen Intensität. Das kann sein schnell laufen, Bergsteigen, intensives Kraftworkout wie Crossfit, Boxen oder ähnliches. Diese Empfehlung ist absolut ausreichend, um rundum fit zu sein und eine gesunde Lebensweise zu unterstützen.

5

Löse dich von den unrealistischen Schönheitsidealen aus den Medien. Diese perfekt retouschierten Bilder haben nichts mit der Realität zu tun. Immer mehr Studien bestätigen, dass vor allem Instagram mit seinen perfekt inszenierten Bildern das Selbstbewusstsein reduziert und die Unzufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Körper erhöhen kann. Denn den meisten Usern ist nicht bewusst, dass viele dieser Fotos stark nachbearbeitet oder das Ergebnis von Körperspannung und der richtigen Pose sind. Das zeigt der Hashtag #30secondtransformation hervorragend. Da posten Frauen weltweit Vorher-Nachher Fotos, zwischen denen nur 30 Sekunden liegen und die zeigen, dass nicht immer alles so ist wie es scheint.

6

Akzeptiere deinen Körper und liebe ihn so wie er ist. Jeder Mensch hat physischen Merkmale, die er an sich selbst liebt. Du hast vielleicht unglaublich schöne Haare. Oder ein entzückendes Lächeln. Oder dein Dekolleté gefällt dir besonders gut. Darum lenke deine Aufmerksamkeit lieber darauf. Und gib deinem Körper Anerkennung dafür, was er täglich alles leistet. Jeder Körper ist einzigartig und schön, lautet das Mantra der Body-Positivity-Bewegung, die ein Gegengewicht zum omnipräsenten Schönheits- und Fitnesswahn in unserer optimierungsorientierten Gesellschaft setzen will. Sie zelebriert den Körper in all seinen Erscheinungsformen und hinterfragt kritisch gesellschaftliche Normen – genauso, wie die Expertinnen von intakt , betont Patricia Oulehla.

Du willst mehr wissen von den Expertinnen von intakt ? Hier findest du alle Infos zum Zentrum: intakt.at

Thema: Ernährung