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Gen Süden: Ein Paar 8 Monate im Bus

Einfach in den Bus setzen und treiben lassen... Katharina und Basti haben ihren Traum wahrgemacht. Acht Monate lang waren sie in ihrem Bus unterwegs "Gen Süden".

von

Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack

Katharina und Basti "on the Road": Sie wissen nicht wie lange sie unterwegs sein werden!

© Gen Süden www.gensueden.com

Einfach losfahren. Ohne festes Ziel, nur eine grobe Route im Kopf, das eigene Haus auf Rollen mit allem, was man braucht dabei und vor allem dem größten Luxus: keine zeitliche Begrenzung. Die Reise sollte eben so lange dauern, bis man keine Lust mehr hat – oder das Geld ausgeht... Das war die Idee von Katharina Nowack (30) und Basti Funk (34), als sie im August 2013 einfach in ihren Bus einstiegen und sich für acht Monate auf eine spannende Reise Richtung Marokko begaben. Aus ihrem Roadtrip entstand die Webseite "Gen Süden" (gensueden.com). Hier findet man wöchentlich erscheinenden Reiseberichte, Geschichten, Videos und Fotostrecken mit nützlichen Geheimtipps für Reisen mit Bus.

Wir haben mit Katharina über einen 8-monatigen Trip mit Freund auf engstem Raum gesprochen: Erlebnisse, Streitereien und Freiheitsgefühl.

Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Katharinas und Bastis Bus im Antiatlas, Marokko
»"Wir sind uns dann aus dem Weg gegangen, so gut es eben ging und nach ein paar Tagen hatte sich die miese Stimmung meist wieder verzogen."«

WOMAN: Wenn man einen Roadtrip auf unbestimmte Zeit plant - gibt es da irgendwelche Ängste vor der Reise?
Katharina: Zum einen war da schon die Sorge, wie sicher es ist, z.B nachts in Marokko oder auch in Andalusien. In so ein Wohnmobil kann man ja schon recht schnell einbrechen. Aber wir hatten nicht eine beängstigende Situation und haben uns immer sicher gefühlt. Zum anderen habe ich mir schon Gedanken gemacht, wie das für die Beziehung so wird, auf engstem Raum für ein dreiviertel Jahr...

Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Einschlafen mit der schönsten Aussicht in La Source, Marokko
Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Auf den Straßen von Marokko

WOMAN: Und...? Ist es anstrengend auf so engem Raum mit dem Freund?
Katharina: Da wir zuvor auch schon längere Reisen mit dem Auto gemacht und im Kofferraum geschlafen haben, wussten wir, wie man mit „Enge“ am besten umgeht: Öfter was getrennt unternehmen. Da Basti meist mehrere Stunden am Tag zum Surfen im Wasser war, hat sich das bei uns von ganz alleine ergeben. Ich bin dann Rad gefahren, joggen gegangen, hab die Gegend erkundet, viel gelesen und Artikel für unsere Webseite „Gen Süden“ geschrieben.

Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Surfer in Panoramas & Anchors, Marokko
Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Ihr Bus in Pronzos, Spanien

WOMAN: Gab es Streitereien zwischen euch beiden?
Katharina: Na klar gab es bei uns auch immer mal Situationen, in denen wir uns auf die Nerven gingen. Da war es wichtig, dass zu sagen, was man denkt - auch wenn es einen erst mal kurz verletzt. Denn das dann runter zu schlucken, macht es auf so engem Raum auf Dauer nur noch schlimmer. Wir sind uns dann aus dem Weg gegangen, so gut es eben ging (lacht) und nach ein paar Tagen hatte sich die miese Stimmung meist wieder verzogen. Also mein Ratschlag: Deutlich sagen, wenn einen was stört und ansonsten einfach erst mal auf Abstand gehen und herausfinden, woran die schlechte Laune liegt.

WOMAN: Was macht man denn so den ganzen Tag im Bus? Wird es nicht irgendwann langweilig?
Katharina: Die Frage kann ich gut verstehen! Wir waren beide nach ein paar Wochen an einem Punkt, wo sich alles eingespielt hatte, einen das Gefühl der Langeweile beschlich und wir uns auch fragten „Was machen wir hier eigentlich? Worin liegt der Sinn monatelang von Strand zu Strand zu fahren?“. Da geht es dann darum, wie man auf das Ganze blickt und es zum Positiven zu drehen: Sich bewusst umschauen, Dinge ausprobieren. In meinem Fall war es das Schreiben über Orte, die wir entdeckten, Menschen, denen wir begegneten oder einfach kleine Geschichten und Basti nutzte die Zeit viel zu fotografieren und zu filmen. So kamen wir dann auch auf die Idee, eine Webseite zu gestalten, auf der man zum einen einfach stöbern kann, Geschichten lesen und Fotostrecken anschauen, zum anderen aber auch nützliche Tipps findet, wo man gut mit dem Bus stehen kann. Wir hatten so viel Zeit, versteckte Plätze zu entdecken, die möchten wir teilen mit Leuten, die vielleicht nur zwei Wochen im Sommerurlaub sind. Nun erscheint alle paar Tage ein neuer Artikel auf unserer Seite und damit das noch lange so weitergeht, suchen wir immer Leute, die auch mit dem Bus unterwegs sind und Erlebtes festhalten und teilen möchten!

Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Katharinas und Bastis Bus von Innen

WOMAN: Was kostet denn eigentlich so ein 8-monatiger Roadtrip mit Bus?
Katharina: Diese Art zu reisen – wenn man den Bus einmal angeschafft hat – ist Gott sei Dank sehr günstig. Man braucht zwar Geld für das Benzin, aber zahlt dafür natürlich zu Hause auch keine Miete. Wir haben meist wild gecampt und waren nur selten auf einem Campingplatz und da das Essen auf den Märkten in Spanien, Portugal oder besonders Marokko viel günstiger ist, als in Deutschland, brauchten wir viel weniger Geld zum Leben, als hier – wir brauchten etwa 400 Euro jeder im Monat.

Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Waschtag auf einem Campingplatz, St. Giron Plage

WOMAN: Wie fühlt es sich an wieder zuhause zu sein? Vermisst ihr die Freiheit im Bus schon?
Katharina: Ja, obwohl es Basti schwerer fiel, die Reise zu beenden. Ich war am Ende einfach „satt“ und freute mich schon meine Freunde und Familie wiederzusehen oder auf so Annehmlichkeiten wie z.B. ein richtiges Badezimmer (lacht). Basti hingegen hätte noch viel länger unterwegs sein können und vermisst das Surfen jeden Tag. Aber wir planen gerade schon unseren nächsten Trip und es soll im Frühling nächstes Jahr losgehen...

Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Blick aus dem Fenster auf Crozon, Bretagne
»"Ich habe auch einige Freunde, die in festen Jobs sind oder durch die Kinder an Ferientermine gebunden sind und trotzdem so oft es geht mit ihren Bussen losfahren."«

WOMAN: Es ist nicht für jeden so einfach in den Bus zu steigen und abzuhauen. Was ratet ihr Menschen, die aus beruflichen Gründen nicht so flexibel sind wie ihr: Wie kommt man am besten zu so einem Stückchen Freiheit?
Katharina: Natürlich war unsere Situation sehr günstig – ich hatte das Referendariat beendet und Basti seinen Job gekündigt. Aber ich habe auch einige Freunde, die in festen Jobs sind oder durch die Kinder an Ferientermine gebunden sind und trotzdem so oft es geht mit ihren Bussen losfahren. Wenn man nicht ganz so viel Zeit hat, gibt es ja mittlerweile auch die Möglichkeit, z.B. nach Santander oder Faro zu fliegen und dort einen Bus zu mieten. Dann spart man sich den langen Weg und kann seine zwei Wochen Urlaub einfach von Strand zu Strand fahren - Oder man kündigt einfach (lacht).

Gen Süden - Interview mit Katharina Nowack
Schlafplatz in Otur, Spanien

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Der Bus von Katharina und Basti steht vor der Tür und wartet nur darauf, wieder seinen knatternden Motor zu starten, doch bis sie sich auf die nächste Reise begeben, suchen sie Mitschreiber, damit ihre Website stetig weiter wächst und gedeiht. Leute, die genau wie sie mit dem Bus, Auto oder Wohnmobil unterwegs sind und Erlebtes festhalten und teilen möchten.
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