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Britische Journalistin findet heraus, dass die meisten Daten, die für die Gesellschaft gesammelt werden, auf männlichen Angaben basieren

Gender Data Gap: Frauen werden bei der Datensammlung für gesellschaftliche Zwecke nicht herangezogen. Alle Daten basieren auf Basis eines Standard-Mannes.

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Zeichnung einer Frau an einer Hauswand
© Photo by Jon Tyson on Unsplash

Dass die Gehälter zwischen einer Frau und einem Mann bis heute noch weit auseinanderklaffen, wissen wir allerspätestens seit dem Begriff Gender Pay Gap . Dass aber auch die komplette Datenbasis, welche für gesellschaftliche Zwecke herangezogen wird, das weibliche Geschlecht in keinerlei Hinsicht berücksichtigt - auch bei lebensentscheidenden Fragestellungen, wie etwa der medizinischen Forschung - war bisher nicht bekannt.

Gender Data Gap: "Das Leben der Männer wurde herangezogen, um das der Menschen insgesamt darzustellen"

Die Britin Caroline Criado-Perez greift das Thema der Unsichtbarkeit von Frauen in der Datenwelt in ihrem Buch "Invisible Women" auf. Sie verdeutlicht, dass in der Vergangenheit kaum Platz für die Frauenrolle in der Evolution der Menschheit war. Das würde man vor allem daran erkennen, dass ausschließlich das Leben der Männer herangezogen worden sei, um das der Menschen insgesamt darzustellen.

Und tatsächlich! Bestehende Daten, wie beispielsweise die Dosierung eines Medikaments, beziehen sich lediglich auf "Erwachsene". Diese Informationen basieren wiederum auf dem Standard-Mann: Weiß, in etwa 30 Jahre alt und 70 Kilogramm schwer - so die Forschungsergebnisse von Criado-Perez. Dass eine Dosierung für einen Mann dieser Statur aber eine ganz andere sein muss als für die Durchschnitts-Frau, sei in der Vergangenheit nicht berücksichtigt worden. Und genau das könne für uns Frauen sogar tödlich enden.

Gender Data Gap nicht nur für Frauen ein großer Nachteil

Dass bei der doch sehr einseitig betrachteten Sicht des Menschen aber auch die Männer nicht unbedingt gut davonkommen, zeigen weitere Erkenntnisse der Recherche. Während Frauen im gebärfähigen Alter für medizinische Versuche nicht berücksichtigt werden, müssen Männer sehr wohl herhalten: Ungeachtet dessen, wie es um deren Familienplanung steht. Laut Perez muss sich also ganz generell in der Betrachtungsweise auf den Menschen einiges ändern, um dafür Sorge zu tragen, dass Forschungserkenntnisse und bestehende Daten auch für die breite Masse relevant und repräsentativ sein können.

Die Autorin weist auch darauf hin, dass eines der wichtigsten Dinge, die man über den Gender Data Gap wissen sollte die Tatsache ist, dass in der Basis keine böswillige Absicht steckt, weshalb Frauen nicht berücksichtigt werden. Vielmehr läge das Problem darin, dass über Jahrtausende ein Nicht-Denken stattgefunden habe. In diesem wären Männer als selbstverständlich, Frauen jedoch als nicht existent betrachtet worden. Der Mann als das Absolute und die Frau als ein Niemand. „Erst wenn Frauen in Entscheidungsprozesse, in die Forschung und Wissensproduktion eingebunden sind, wird auf Frauen nicht vergessen werden“ so Perez.

Für alle, die jetzt ganz genau wissen möchten, was es mit der Unsichtbarkeit der Frau in der Datenwelt auf sich hat - das Buch ist hier zu finden: