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Gendermedizin: Frauen spüren Krankheiten anders

Eine junge Wissenschaft, die schon viele interessante Erkenntnisse hervorgebracht hat: Die Gendermedizin beschäftigt sich mit den medizinischen Unterschieden von Mann und Frau.


Gendermedizin: Frauen spüren Krankheiten anders

Der unterschiedliche medizinische Ansatz bei Männern und Frauen: Damit befasst sich die Gendermedizin. Denn die beiden Geschlechter haben divergierende Bedürfnisse, egal ob es sich um Vorsorge, akute Behandlungen oder Nachbetreuung handelt. Wir sprachen mit Internistin Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Gender-Expertin an der Medizinischen Universität Wien.

WOMAN: Wieso sollten Männer und Frauen verschieden behandelt werden?

Kautzky-Willer: Es gibt erwiesenermaßen biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Eine unterschiedliche Ausgangsbasis erfordert eine differenzierte Behandlung.

WOMAN: Wie äußern sich diese Unterschiede?

Kautzky-Willer: Herzinfarkte z. B. treten bei beiden Geschlechtern gleich oft auf, nur zu anderen Zeitpunkten. Männer sind im mittleren Alter mehr betroffen, bei Frauen in höherem Alter ist er sogar die häufigste Todesursache. Bei Frauen sind die Symptome anders und werden oft zu spät entdeckt. Männer haben typischerweise starke Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen. Bei Frauen sind die Symptome unspezifisch, z. B. Rücken- oder Bauchschmerzen.

WOMAN: Wie sieht es bei Depressionen oder Burnout aus?

Kautzky-Willer: Hier weichen die Männer vom typischen Bild ab: Depression äußert sich in aggressivem Verhalten und Risikofreudigkeit. Frauen leiden an bekannten Merkmalen wie Rückzug und Abbruch sozialer Kontakte. Männer können ein Burnout übrigens besser akzeptieren als Depression, weil es mit zu viel Arbeit und Stress assoziiert wird – sie definieren sich mehr über den Beruf.

WOMAN: Reagieren Frauen auch anders auf Medikamente?

Kautzky-Willer: Ja! Bei der Entwicklung von Medikamenten wird vom Durchschnittsmann ausgegangen. Daher treten bei Frauen mehr Nebenwirkungen auf.

WOMAN: Was ist die beste Vorsorge?

Kautzky-Willer: Sport und Bewegung. Frauen profitieren besonders davon und können so das Risiko von Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Diabetes, Osteoporose und Depressionen stark senken. Außerdem nicht rauchen und sich Entspannungsphasen und lustvolle Momente gönnen.

Redaktion: Barbara Schaumberger