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"Kim Kardashian? Mit Photoshop können wir unseren Hintern auch so herrichten!"

Echt witzig! Facebook, Influencer, Thigh Gap: In WOMAN sagen drei Frauen 66+, was sie über die Generation Online denken. Alles Klumpert? Gar nicht! Eine würde sich sogar gern als Bloggerin versuchen, eine andere lädt sich vielleicht bald Tinder aufs Handy.

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Generationen

Hilli Brückler (74), Brigitte Oberbauer (71) und Sylvia Urbanek (66)

© Matt Observe / Matthias Obergruber

"Das finde ich cool! Man muss sich ja nicht gegen alles wehren, das neu ist", lacht Hilli Brückler, 74. Wovon die Buchhalterin, die noch immer gelegentlich arbeiten geht, hier so begeistert ist: Online-Dating. Immerhin ist es eine Herausforderung, neue Leute kennenzulernen. Nicht nur für "die Jungen". Noch dazu, wenn heute jeder auf sein Handy schaut. Aber mehr dazu später.

Für WOMAN trafen sich Hilli Brückler, 74, Brigitte Oberbauer, 71, und Sylvia Urbanek, 66, zum Talk über alles, was gerade so angesagt ist. Alle sind sich einig: "Man muss ja mit der Zeit gehen, sonst kann man nicht mitreden." Deshalb wollten wir wissen: Was machen die drei Ladys auf Facebook, Instagram und WhatsApp? Hätten sie auch gern auf Dating-Apps geflirtet? Und wie toll finden sie Blogger oder neue Vorbilder wie Kim Kardashian ("Die geht mir schon so auf die Nerven.")? Also: Handy auf lautlos schalten und los geht's:

WOMAN: Ohne Smartphone geht heute gar nichts! Starren die Leute zu viel auf ihre Bildschirme?
OBERBAUER: Es scheint so zu sein, dass man heute zu 180 Prozent erreichbar sein muss. Ich sehe es bei meinem Sohn. Der hat so eine große Maschine und macht alles damit.

WOMAN: Sie meinen ein Tablet?
OBERBAUER: Nein, so ein größeres Handy. Ein toller Apparat. Der hat gar keinen Zettel oder Bleistift mehr. Er ist auch sehr flink und macht alles auf dieser Maschine. Ich bin da ja ein Würstel! (lacht)
URBANEK: Wehe, sie verlieren es, das ist dann eine Katastrophe. Ich finde es wichtig, dass wir uns damit auskennen, aber am Anfang habe ich mir da schon schwer getan. Ich wusste, was das Ding kann, aber nicht, wie ich ihm sage, dass es das auch tut.
BRÜCKLER: Am Computer bin ich topfit, das hat mich immer interessiert. Mein erster war ein riesiges Gerät von IBM, dahinter konnte ich mich verstecken. Es ist Learning by Doing. Meine Kinder wundern sich, wie schnell ich das alles kapiert habe. Auch am Handy.
OBERBAUER: Es kann ja auch nichts passieren, man muss sich nur trauen. Was mich aber schon stört: Wenn die Leute auf der Straße oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln unentwegt am Handy präsent sind. Dann haben sie auch noch immer die Kopfhörer auf, schauen nicht nach links oder rechts.
BRÜCKLER: In der U-Bahn höre ich in allen Sprachen, ob da gerade jemand am Heimweg ist, ein Baby bekommt oder einen Beziehungsstreit hat. Unmöglich! Mittlerweile habe ich mich damit arrangiert. Aber das ist längst nicht mehr nur bei der Jugend so. Wenn ich mit Freundinnen beim Heurigen bin, tippen alle herum: "Hast du das schon gesehen?" Man kann überhaupt keine Konversation mehr führen. Aber das ist eben der Lauf der Zeit.
URBANEK: Es hat ja auch Vorteile: Durch die Entwicklung von Laptops und Tablets gibt es Home Offices.

»"DAS IST LÄNGST NICHT NUR BEI DER JUGEND SO. WENN ICH MIT FREUNDINNEN BEIM HEURIGEN BIN, TIPPEN AUCH ALLE HERUM."«

WOMAN: Zum Internet gehören auch neue Plattformen wie Facebook, WhatsApp, Instagram. Im Schnitt verbringen Menschen fünf Jahre und vier Monate ihrer Lebenszeit dort. Sind Sie auch dabei?
BRÜCKLER: Facebook habe ich genau drei Tage gehabt. Da wollten Leute mit mir befreundet sein, die ich in meinem Leben noch nie gesehen habe. Auf was hinauf? Und dann zeigen sie, welchen Kuchen sie gebacken haben oder Vorhänge, die sie aufgehängt haben. Nein, danke! Wenn mich jemand anruft, freu ich mich, aber so etwas interessiert mich nicht!
OBERBAUER: Da bin ich völlig Ihrer Meinung! Es gibt so viele Selbstdarsteller. Ich finde es ja toll, dass man seine Person so präsentieren kann, aber wen interessiert das? Neulich habe ich gesehen, dass eine einen Schweinsbraten gekocht und gepostet hat. Da frag ich mich: Ist die so einsam? Oder glaubt sie, wir können keinen machen? Oder ist es Angeberei und sie möchte einfach nur ihr schönes Geschirr zeigen? Warum machen die Leute das? Ich verstehe es nicht.

WOMAN: Es gibt Studien, wonach Glücksgefühle freigesetzt werden, wenn dann jemand auf "Gefällt mir" klickt.
OBERBAUER: Na gut, das ist die heutige Zeit. Dass man sich mit allem zur Schau stellt. Wenn da jemand gern über seinen Style oder sein Essen schreibt, na bitte, wissen Sie, wenn ich nicht so alt wäre, ich könnte mich auch bei tausend Sachen fotografieren.
URBANEK: Viele junge Leute verdienen damit mittlerweile viel Geld, wenn sie sich dabei filmen, wie sie kochen oder sich schminken.
OBERBAUER: Sie meinen diese Blogger ...
URBANEK: Als mein Neffe 14 war, hat er gesagt, er will Blogger werden. Da dachte ich: Was ist das für ein Beruf? Ich hab ja keine Ahnung gehabt.

WOMAN: Wer möchte, kann sein gesamtes Leben öffentlich machen. Wie finden Sie diese Transparenz?
OBERBAUER: Letztens habe ich gelesen, dass eine sogar gepostet hat, dass ihr Vater gestorben ist. Da gibt es doch wirklich Grenzen.
URBANEK: Genauso krank ist es, wenn Unfälle gefilmt oder fotografiert werden.

WOMAN: Aber es ist doch auch toll, wenn man etwa alte Freunde über Facebook wiederfindet. Oder mit Menschen Kontakt halten kann, die weiter weg wohnen?
URBANEK: Klar, es kann auch alles vernünftig genützt werden. Die Familie einer Freundin von mir ist auf der gesamten Welt verstreut, so können sie sich Fotos schicken und gegenseitig am Leben teilhaben.
OBERBAUER: Ich freue mich auch, wenn mir eine Bekannte Bilder von ihren Reisen mailt. Dann schicke ich ihr "Liebe Grüße" zurück. Das findet aber nur im engen Freundeskreis statt.

WOMAN: Nicht nur der Joballtag, auch die Liebe hat sich durch das Web verändert. Seit ein paar Jahren lernen sich Singles auf Tinder kennen...
URANEK: Gehört habe ich es schon einmal, aber ich kann nichts damit anfangen.

WOMAN: Das ist eine Handy-App für die Partnersuche. Wer sich registriert, sieht, welche Singles aktuell in seiner Nähe sind. Und wenn sich zwei gegenseitig gefallen, können sie miteinander schreiben.
BRÜCKLER: Nicht schlecht! Vorausgesetzt natürlich, man ist allein
OBERBAUER: Das höre ich zum ersten Mal. Ich habe aber in der Zeitung gelesen, dass ein Hauptdarsteller aus einer TV-Serie seine Partnerin über so einen Account kennengelernt hat. Die haben jetzt geheiratet. Da dürfte es also sehr gut funktioniert haben.

WOMAN: Hätten Sie auch gern auf solchen Plattformen geflirtet?
OBERBAUER: Warum nicht? Ich werde es mir einmal anschauen.
BRÜCKLER: Ich war 46 Jahre verheiratet, da wäre ich nicht auf die Idee gekommen. Aber mein Mann ist vor zweieinhalb Jahren verstorben, jetzt könnte ich mir das schon vorstellen. Wo willst du denn sonst jemanden kennenlernen?
URBANEK: Mir wäre es wahrscheinlich lieber, mich würde jemand auf der Straße ansprechen, als dort herumzuwischen.
BRÜCKLER: Aber es ist gut, dass es das gibt. Ich habe mein Leben lang getanzt, mein Mann hat mir bei den Lamourhatschern auch nach 46 Jahren noch Komplimente gemacht. Seit seinem Tod habe ich gar nichts gemacht, jetzt ist es mir schon sehr abgegangen. Da hab ich im Internet einen Boogie-Verein entdeckt. Also bin ich um halb acht am Abend von Breitenfurt, wo ich wohne, nach Vösendorf gefahren. Ohne zu wissen, was mich dort erwartet. Ich hatte so Herzklopfen. Zuerst bin ich nur in der Ecke gesessen, dann ist ein Mann auf mich zugekommen und hat mich zum Tanzen aufgefordert! Das war super! Seitdem war ich schon fünf Mal dort. Anfangs war das wirklich eine Überwindung und aufregend. Wenn ich mir vorstelle, dass mich auf Tinder wirklich jemand anklicken würde, und ich den auch noch treffen müsste - ich fiele wahrscheinlich in Ohnmacht.

WOMAN: Wir haben vorhin von den neuen Vorbildern gesprochen. Kim Kardashian ist auch so eine Influencerin. Durch TV-Shows und das Internet ist sie berühmt geworden, heute hat sie ein Vermögen von geschätzten 155 Millionen US-Dollar.
BRÜCKLER: Die geht mir schon so auf die Nerven. Was die mit ihren Kindern aufführt, die zaht sie ja überallhin mit! Furchtbar! Dieses Blitzlichtgewitter überall! Aber die Leute springen darauf an.
OBERBAUER: Ich finde, sie ist eine großartige Geschäftsfrau. Toll, dass man mit so einem Nonsens so viel Geld verdienen kann. Auf der anderen Seite ist es auch traurig: Es ist völlig wurscht geworden, was einer im Hirn hat. Heute ist es wichtig, dass du einen großen Hintern hast und den möglichst nackt im Fernsehen zeigst. Die Gesellschaft verflacht.
URBANEK: Mit Photoshop können wir unseren Hintern auch so herrichten. (lacht)

WOMAN: Die sozialen Medien bringen auch immer wieder diverse Hypes mit sich. Thigh Gap war da etwa dabei. Das bedeutet, dass man so dünn und durchtrainiert ist, dass zwischen den Oberschenkeln eine Lücke entsteht.
OBERBAUER: Davon hab ich gelesen - das ist schon älter, oder? Da fallen mir gerade die ersten Frauenzeitschriften ein. In der "Brigitte" war anfangs noch der Busen mit einem Balken durchgestrichen, und die Unterhosen waren verdeckt.
BRÜCKLER: Aber es ist doch schön anzuschauen. So einen knackigen Hintern, wie ihn viele auf Instagram haben, hätte ich auch gern gehabt! (lacht)
URBANEK: Wer kreiert denn diese Trends? Ich denke mir, gerade wenn es um meinen Körper geht, muss ich doch zu mir stehen. Dann wollen sie einen größeren Busen oder dickere Lippen, weil sie es an jemand anderem gesehen haben, und rennen schon mit 15 zum Schönheitschirurgen. Es können ja nicht alle gleich ausschauen.

WOMAN: Waren Sie immer mit Ihrem Aussehen zufrieden? Heute gibt es schon viel Druck, wenn es um Sport, Styling und Ernährung geht!
BRÜCKLER: Ich habe alles an mir gemocht. Mein Höhepunkt waren immer meine Beine.
OBERBAUER: Das sieht man.
BRÜCKLER: Mit 16 wurde ich im Italienurlaub zu der Miss mit den schönsten Beinen gewählt. Das war aufregend: Der erste Urlaub allein mit meiner Schwester, und dann werden wir gefragt, ob wir da mitmachen. Ich bin sogar heute noch aufgeregt. Ich hab zwar keinen Busen gehabt, aber lange Beine. (lacht)
URBANEK: Man ist geboren, wie man ist - damit muss man sich arrangieren. Ich habe immer O-ler gehabt, irgendwann habe ich beschlossen, dass die Beine optimal zum Reiten sind. Aus. Dann habe ich eben Maxiröcke getragen, und in Hosen sieht man es eh nicht so. Was ich schon finde: Man kann schauen, dass man im Alter nicht zur Tonne wird: Niemand muss aussehen wie ein Michelin-Männchen.

WOMAN: Machen Sie eigentlich viele Selfies?
URBANEK: Noch kein einziges! Ich verstehe ja, wenn man hin und wieder Bilder macht. Aber die machen ja nur noch Fotos. Was bringt das?
BRÜCKLER: Ich war vor ein paar Jahren bei "Dancing Stars", neben mir saß ein junges Pärchen, das ein Foto von sich machen wollte. Also habe ich gefragt: "Soll ich ein Foto machen?" Da schaut er mich schockiert an und sagt: "Wir mochn a Selfie!" Seitdem frag ich nicht mehr.
OBERBAUER: Ich habe am Sonntagnachmittag eines gemacht. Mit einer Schönheitsmaske im Gesicht. Aber nur für mich, ich hab's nicht auf Facebook gestellt. (lacht)

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