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#womanforwomen: Diese Frau verwandelt ihre Endometriose-Narben in Kunst, um Bewusstsein zu schaffen

Eine Krankheit die jede zehnte Frau betrifft, aber kaum jemand kennt sie. Die New Yorker Künstlerin Georgie Wileman leidet an Endometriose. Um Bewusstsein zu schaffen hat sie ihre Narben zahlreicher Endometriose-OPs zu Kunst gemacht.

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Georgie Wileman Instagram / instagram.com/georgiewileman

Georgie Wileman: "Wir müssen gesehen werden!"

© Georgie Wileman Instagram / instagram.com/georgiewileman

Der Monat März ist nicht nur der Monat der Frau, sondern steht auch für Endometriose. Endometriose ist eine chronische Erkrankung, an der schätzungsweise eine von zehn Frauen im gebärfähigen Alter erkrankt. Die Symptome variieren von Frau zu Frau, aber die Betroffenen leiden unter enormen Schmerzen während der Menstruation und beim Sex. Die Krankheit führt zu chronischem Erschöpftsein, Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall, unregelmäßigen Blutungen und – in manchen Fällen – sogar zu Unfruchtbarkeit. Endometriose tritt dann auf, wenn die Gebärmutterschleimhaut in anderen Bereichen des Körpers – vorwiegend im Bauchraum (Eileiter, Eierstöcke, Magen, Darm, Blase etc.) wächst und sich dort entzündet. Die Ursache dafür ist bis heute unklar und eine Heilung gibt es auch nicht.

Alle diese Begleiterscheinungen reduzieren die Lebensqualität der Frauen. Man ist oft krank, weil das Immunsystem geschwächt ist. Man hat ständig Schmerzen in der Bauchregion, im Rücken und teilweise in den Beinen, oftmals ist man unfähig aus dem Bett zu kommen, sitzen, liegen, stehen, all das ist mühsam und anstrengend.

Die New Yorker Künstlerin Georgie Wileman hat ihre eigenen Erfahrungen in ein Fotoprojekt mit dem Titel „Endometriosis“ umgewandelt. Ein Foto davon ist nun in der National Portrait Gallery in London im Rahmen der Taylor Wessing Photographic Portrait Prize-Ausstellung zu sehen. Es trägt den Titel 2014-2017 und zeigt Wilemans Körper, der durch Narben von fünf Bauchspiegel-Operationen, gekennzeichnet ist.

Endometrioseherde können erst durch laparoskopische Eingriffe überhaupt diagnostiziert und dann entfernt werden, allerdings sind die Operationen, vor allem, wenn sie nicht von einem Spezialisten durchgeführt wurden, keine Heilung. Endometriose kann sich ständig neu bilden und ist somit eine chronische Erkrankung. Alle Behandlungsmethoden bieten den Frauen nur ein Trostpflaster auf Zeit.

Wileman beschreibt das Fotoprojekt als „persönliche Dokumentation meiner Erfahrungen mit Endometriose“ und fügt hinzu: „Ich wollte versuchen, Bilder davon zu machen, wie die Realität dieser Krankheit aussehen kann.“ Sie beschreibt diese Realität in herzzerreißenden Details.

„Die Karte der letzten Jahre ist nicht auf Erfahrungen, Arbeitsleistungen oder Jubiläen aufgebaut“, sagt Wileman, „sondern besteht aus den Narben auf meinem Bauch und die dunklen Flecken der Erinnerung, die ich beiseite zu schieben versuche.“ Auf den Fotos sieht man Wileman in einem Krankenhausbett, man sieht ihren aufgeblähten Bauch vor der OP und auch nach der OP. Man sieht Verbände, vollgeblutete Bettlaken, Narben, Tabletten und Rollstühle.

Zwischen ihren ersten Symptomen bis hin zur eigentlichen Diagnose vergingen zwölf Jahre. Zwölf Jahre in denen Wileman nicht von Ärzten ernst genommen wurde, in denen sie litt, in denen sie mehrmals in der Öffentlichkeit vor Schmerzen zusammenbrach und in denen sie kein richtiges Sozialleben aufrecht erhalten konnte.

„Meine Erfahrung ist nicht einzigartig, Tausende von Frauen werden jedes Jahr falsch diagnostiziert und falsch behandelt. Das geht nicht", erklärt sie. „Mit diesem Projekt möchte ich diese Krankheit sichtbar machen. So sieht es aus. Eine von zehn Frauen zu sein. Wir müssen gesehen werden.“

Wilemans vollständiges, unglaublich kraftvolles und äußerst bewegendes Fotoprojekt ist auf ihrer Website zu sehen: georgiewileman.com