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Gerichtsurteil: über 160.000 € Entschädigung für Hausarbeit an Ex-Frau

Mit diesem Urteil hätte er wohl nicht gerechnet: Für Kindererziehung sowie Erledigung des Haushalts muss dieser Mann nun eine ordentliche Summe an seine Ex-Frau auszahlen.

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Wie du dein Baby dazu bringst, die Wohnung zu putzen
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Johanna von Koczian sang schon in den Siebziger Jahren: "Das bisschen Haushalt macht sich von allein - sagt mein Mann". Und dieser durchaus ironische Schlager kommt mir leider immer wieder in den Sinn. Denn Hausarbeit ebenso wie Kindererziehung oder Pflege von älteren Angehörigen wird auch heute noch hauptsächlich von Frauen übernommen, welche dafür normalerweise keinen einzigen Cent sehen - obwohl sie für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist!

Weder Geld noch Anerkennung gibt es für all diese Tätigkeiten, die viele Frauen auch noch neben ihrem Berufsleben erledigen. Eine Tatsache, die vor allem problematisch wird, wenn sich Frauen damit in eine finanzielle Abhängigkeit zu ihrem Partner begeben: Denn weil man selbst - den Kindern zuliebe - auf eine Karriere verzichtet hat, hat man keine eigenen Rücklagen und nur eine minimale Pension. Gibt es zudem eine Trennung, dann landen so mittlerweile sehr viele Frauen in der Altersarmut.

In Argentinien ging aus genau dem Grund nun eine Frau vor Gericht - und bekam Recht: Die Frau, nur unter den Initialen M.L. bekannt, erhielt 8 Millionen Pesos (umgerechnet ungefähr 164.000 €) zugesprochen als Entschädigung für die in ihrer Ehe geleistete Arbeit.

Die inzwischen 70-Jährige hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften, aber gab während der Ehe 29 Jahre lang ihren Beruf auf, um sich um Kinder, Haushalt sowie um den Ehemann zu kümmern. Nach der Scheidung war sie bereits zu alt, um noch einmal einen Job zu finden und musste ihren Lebensstandard komplett verändern, während ihr Ex-Mann laut Gerichtsurteil "eine gute Zeit hatte".

Mit diesem Urteil wird erstmals all die unbezahlte Arbeit, die Frauen in Haushalt, mit Kindern oder in Pflege übernehmen, anerkannt

Vor allem im konservativen Südamerika stellt dieses Urteil einen Meilenstein dar. Erstmals wird tatsächlich all die unbezahlte Arbeit, die Frauen tagtäglich leisten, wirklich bezahlt und damit auch wertgeschätzt. Es wird erstmals anerkannt, dass Hausarbeit, Erziehungsarbeit oder Pflegearbeit ebenso ein Job ist, den man nicht nur nebenbei macht. Es macht all die Anstrengungen, die bisher unsichtbar und ohne Gehalt blieben, sichtbar und versieht diese mit konkreten Zahlen.

Aber wie viel ist die unbezahlte Arbeit wirklich wert?

Apropos Zahlen: Für Österreich wäre diese Summe jedoch immer noch viel zu wenig. Denn wir haben schon einmal darüber berichtet, wie viel Mütter eigentlich verdienen müssten: Herangezogen wurden für diese Berechnung ihre Tätigkeiten als Erzieherin, Köchin, Raumpflegerin, Geschäftsführerin, Psychologin, Chauffeurin, Kinderkrankenschwester und Lehrerin beziehungsweise das zugehörige Durchschnittsgehalt der jeweiligen Tätigkeit. Das beeindruckende Ergebnis: Wenn die Arbeit einer Mutter wie auf dem offiziellen Arbeitsmarkt entlohnt würde, müsste sie monatlich 7605 Euro brutto verdienen. Mehr dazu liest du hier: So viel müssten Mütter eigentlich verdienen

In Island streikten Frauen für diese Anerkennung - und veränderten damit das Land für immer

Vielleicht ist das Urteil ja auch ein Anstoß für ein Umdenken, um all diese aufgewendete Zeit nicht mehr als wertlos oder selbstverständlich hinzunehmen. Sonst wäre vielleicht wieder ein Frauenstreik wie 1975 in Island denkbar: Denn am 24. Oktober 1975 bewiesen die Isländerinnen ihren Männern, wie abhängig sie eigentlich von ihren Frauen waren. Und wie wichtig all die "unsichtbare" Arbeit für das ganze Land ist: Für einen Tag weigerten sich 90 % aller Bürgerinnen des Landes zu arbeiten, die Kinder zu versorgen oder irgendetwas im Haushalt zu tun. Zuvor noch belächelt, hatte der Streik so eine eindrückliche Wirkung und auch politische Folgen, dass Island heute als Musterland der Gleichstellung gilt.

Thema: Feminismus