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Gesangskapelle Hermann: "So schlimm ist es auch wieder nicht …"

Die "Gesangskapelle Hermann" sind alles andere als der Altherrenverein, den manche hinter dem Bandnamen vermuten. Sie verpassen A-Capella ein neues Image!

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Gesangskapelle Hermann: "So schlimm ist es auch wieder nicht …"
© Nikolaus Ostermann

Seit rund sechs Jahren singen sich Robert Pockfuß, Simon Scharinger, Simon Gramberger, Stephan Wohlmuth, Bernhard Höchtel und Joachim Rigler (v.l.) charmant und süffisant in Mundart durch Politisches und Alltägliches. Der bunte Haufen aus Musikern und Studenten – fast alle aus Oberösterreich – nennt sich übrigens nach seinem ersten Proberaum in der Wiener Hermanngasse. Jetzt legen sie noch eines drauf: In der Fusion mit der PAY Big Band, bekommen die Stimmen Dank Pauken und Trompeten den ultimativen Kick. Nächster Live-Termin: 16.2. im Wiener Konzerthaus.

Warum klappt eure Bandkonstellation so gut?
Jedem von uns liegt die Band sehr am Herzen. Wir können daher alle am selben Strang ziehen, gemeinsam Ziele verfolgen und uns weiterentwickeln. Dabei gleichen sich die Schwächen und Stärken eines jeden aus. Grundvoraussetzung ist aber, dass wir uns privat sehr gut verstehen. Wenn gerade keine Arbeit anstehen, haben wir trotzdem regen Kontakt und sind zum Beispiel in unserem Lieblingslokal in der Burggasse anzutreffen.

Euer Anspruch an eure Musik?
In erster Linie sollte sie mal uns selbst gefallen, weil wir die Songs ja schließlich auch selbst singen müssen und mit ihnen dann in der Regel relativ viel Zeit verbringen müssen bzw. dürfen. Ganz allgemein gesprochen soll unsere Musik aber neugierig machen und im besten Fall zu genauerem Hinhören verleiten (sowohl textlich, als auch musikalisch). Ein Publikum, das zuhört, sich darauf einlässt und ein ganzes Konzert an unseren Lippen hängt, was kann man sich Schöneres vorstellen.

Wie sieht euer kreativer Arbeitsprozess aus?
Meistens werden die Stücke in bereits relativ kompakter Form von unserem Gesangskapellmeister Höchtel in die Probe mitgenommen, um dort dann der geballten kreativen Energie der Gesangskapelle ausgesetzt zu werden. Da wird in sehr spielerischer Manier herumexperimentiert, bis der perfekte Hermann-Sound steht. Textlich wird dabei aber nur mehr wenig verändert, sodass die spitzen Zungen hauptsächlich beim bereits erwähnten Gesangskapellmeister bzw. beim vielfach geschätzten Innviertler Mundartdichter Hans Kumpfmüller zu finden sind.

Ihr seid gesellschaftskritisch und dabei gleichzeitig charmant süffisant. Was genau wollt ihr mit eurer Musik vermitteln? Wen wollt ihr erreichen?
Also erreichen wollen wir grundsätzlich jeden und jede. Die Gesellschaftskritik steckt bei uns meist im Detail und wird gern auf sehr alltägliche Vorgänge oder Dinge heruntergebrochen. Was wir vermitteln wollen? Hm, also ein größeres pädagogisches Konzept verfolgen wir mit Sicherheit nicht. Aber natürlich schwingt in unserer Musik auch unsere eigene Haltung zum Leben mit, die verschiedene Dinge wie "sich gegenseitig zuhören", "übereinander bzw. miteinander lachen", "Fragen stellen", "nicht alles glauben, aber nicht prinzipiell misstrauisch sein", "so schlimm ist es auch wieder nicht", "scheiß dich nicht an" versucht zu vereinen... Das klingt gerade extrem pathetisch, aber lassen wir es trotzdem mal so stehen.

Und was unterscheidet euch von anderen A-Capella-Bands?
Es hat wohl jede und jeder seine eigene Vorstellung von A-Capella-Bands. Manche denken vielleicht mehr an die Comedian Harmonists, andere an die Prinzen, wieder andere an die King´s Singers oder die Pentatonix. Alles komplett unterschiedlich, aber extrem gut. Wir versuchen einfach, gute Musik zu machen und machen das eben nur mit unseren Stimmen.

Sie würden auch als perfekte Boyband durchgehen!

Wollt ihr dem klassischen Männergesangsverein ein neues Image verpassen?
Da wir sechs singende Männer sind, liegt die Assoziation nahe. Wir haben uns aber nie bewusst darauf bezogen und keinen Imagewechsel intendiert. Wenn wir so wahrgenommen werden, haben wir aber auch nichts dagegen. Bei Konzerten waren einige Leute immer wieder überrascht, weil sie hinter dem Namen „Gesangskapelle Hermann“ eher eine biedere Alt-Herren-Gruppe vermutet hatten.

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs haben sich – aufgrund des Versammlungsverbotes – Männergesangsvereine getroffen und sich hinter verschlossenen Türen auch politisch engagiert. Tut ihr das auch? Welche (gesellschaftspolitischen) Themen beschäftigen euch gerade besonders?
Als Band verfolgen wir keine parteipolitische Agenda, wir sind aber auf jeden Fall politisierte Menschen, was auch immer wieder in den Texten durchscheint. Explizit politisch engagiert haben wir uns beim Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016, wo wir aktiv und buchstäblich die Stimme für Alexander van der Bellen erhoben haben.

Wie wichtig ist euch Style & Image – ist Understatement auch Stilmittel?
Unsere legere Kleidung ist schon bewusst gewählt, wir wollen uns nicht wie ein Hochglanz-Popact inszenieren - das wäre auch nicht authentisch. Innerhalb dieses Rahmens werden die Möglichkeiten aber unterschiedlich stark ausgeschöpft, Simon Scharinger ist bei uns für extravagante Outfits berüchtigt...

Sieht man sich Fotos an, könntest ihr auch als perfekte Boyband durchgehen. Welche Rolle würde denn da wer übernehmen?
Diese Frage ist schon öfter an uns herangetragen worden, und dabei ist uns die unbestreitbare Ähnlichkeit zu den Spice Girls ins Auge gestochen: Simon Scharinger ist „Posh-Spice“, er fährt ausschließlich Taxi und pflegt auch sonst den ausladendsten Lebensstil; Simon Gramberger und Joachim sind „Sporty Spice“, wegen den stählernen Körpern und der unbändigen Lebenslust; Robert ist „Scary Spice“, seine einnehmende Aura kann durchaus unheimlich wirken; Bernhard ist „Ginger Spice“, einst hatte er rotes Haar, jedes Jahr wird es jedoch grauer; und Stephan ist „Baby Spice“, sein Bart wächst nur spärlich, er trinkt niemals Alkohol und ist auf Tour immer vor zehn im Bett.

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