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Geschlechtergerechte Sprache: "Unlesbarkeit" ist kein Argument

Das sagen nicht nur wir, sondern jetzt auch eine Untersuchung der TU Braunschweig. Dort hat man herausgefunden, dass einzig die Textqualität für die Lesbarkeit entscheidet ist und nicht, ob "Kundinnen" und "Kunden" genannt werden.

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Geschlechtergerechte Sprache: "Unlesbarkeit" ist kein Argument
© Photo by Les Anderson on Unsplash

"Frauen sind eh mitgemeint", "Ich formuliere nicht geschlechtergerecht, das ist unverständlich" oder auch ein Klassiker: "Ich schreibe nicht geschlechtergerecht, weil das stört den Lesefluss": Wie oft haben wir diese Ausreden schon gehört, wenn wieder einmal nur von "Experten", "Sportlern", "Politikern" oder wem auch immer, ausschließlich in der männlichen Form, die Rede war? Und nein, wir fühlen uns nicht mitgemeint! Dass wir das nicht zu Unrecht so empfinden und Frauen durch fehlende (sprachliche) Repräsentation auch weniger wahrgenommen werden, haben schon zahlreiche Studien belegt.

"Inhaber" & "Inhaberin"

Eine neue Untersuchung des Instituts für Pädagogische Psychologie der TU Braunschweig zeigt nun weiter, dass auch das Argument mit der "Unverständlichkeit" nicht zählt. Für das Experiment wurde ein Stromliefervertrag eines deutschen Stromversorgers verwendet, der nur die männliche Form enthielt. In einer neuen Version dieses Vertrags wurde dieser um die weibliche Formulierung ergänzt, die Rede war nicht mehr nur vom "Kontoinhaber", sondern auch von der "Kontoinhaberin.

Dann wurden noch zwei weitere Versionen erstellt: Der Originaltext wurde von Experten für Textverständlichkeit überarbeitet. Von dieser überarbeiteten Version gab es wiederum eine Version im "generischen Maskulinum" und eine, bei der beide Formen, also "Kundin" und "Kunde" genannt wurden. Sowohl die ursprüngliche Version also auch die überarbeitete Version wurden durch die Ergänzung der weiblichen Form jeweils länger.

Textqualität ist entscheidend

Diese vier Textversionen wurden schließlich 355 Studierenden vorgelegt, und es zeigte sich: Bei der Bewertung der Textverständlichkeit gab es keine Unterschiede zwischen den rein männlichen Versionen und jenen mit der männlichen und der weiblichen Formulierung. Große Unterschiede in der Bewertung zeigten sich allerdings zwischen dem ursprünglichen Stromliefervertrag und dem von Fachleuten für Textverständlichkeit optimierten Text, der als deutlich verständlicher wahrgenommen wurde. Die Textqualität an sich entscheidet somit darüber, ob ein Text schwer oder leicht verständlich ist – nicht die geschlechtergerechten Formulierung.

Thema: Feminismus