Ressort
Du befindest dich hier:

Deutsche Justizministerin verfasst Gesetzesentwurf in weiblicher Form

Das deutsche Justizministerium hat einen Gesetzesentwurf im generischen Femininum verfasst. Das Innenministerium ist eher wenig begeistert.

von

Deutsche Justizministerin verfasst Gesetzesentwurf in weiblicher Form
© iStock

Im Deutschen (und auch vielen anderen Sprachen) dominiert die männliche Form. "Frauen sind eh mitgemeint", "Ich formuliere nicht geschlechtergerecht, das ist unverständlich" oder auch "Ich schreibe nicht geschlechtergerecht, weil das stört den Lesefluss" (das ist übrigens kein Argument), heißt es nur zu oft, wenn wieder einmal nur von "Experten", "Sportlern", "Politikern" oder wem auch immer, ausschließlich in der männlichen Form, die Rede ist.

Nein, wir fühlen uns nicht mitgemeint! Die deutsche Justizministerin Christine Lambrecht hat den Spieß deshalb umgedreht. Das deutsche Justizministerium verfasste einen Gesetzesentwurf komplett in weiblicher Form. Schuldner? Geschäftsleiter? Nein. Wenn dann die "Haftung der Schuldnerin" und "Geschäftsleiterinnen". Die Männer? Sind eh mitgemeint. Die MitarbeiterInnen aus dem deutschen Innenministerium legten daraufhin aber Widerspruch ein.

Justizministerium schreibt Gesetz im generischen Femininum

Ein Sprecher im Justizministerium bestätigte den Vorgang dem Spiegel: Es sei zutreffend, dass im Entwurf "häufig feminine Bezeichnungen insbesondere für juristische Personen" gewählt wurden. Die Nutzung weiblicher statt männlicher Bezeichnungen habe laut dem Sprecher des Justizministeriums fachliche Gründe gehabt. Juristische Personen wie GmbH seien nun mal oft weiblich - und um solche gehe es vorrangig. Generell würden die MitarbeiterInnen im Justizministerium darauf achten, die Gleichstellung von Frauen und Männern "auch sprachlich zum Ausdruck zu bringen". Ob es das erste Mal ist, dass das Haus ein Gesetz in weiblicher Form entwirft, konnte der Sprecher nicht bestätigen.

Aus dem deutschen Innenministerium heißt es laut Bild, der Referentinnenentwurf müsse "an die geltenden Regelungen" angepasst werden: "Während das generische Maskulinum Frauen miteinschließt, ist ein generisches Femininum [...] im vorliegenden Zusammenhang nicht anerkannt. Die Richtigkeit der Sprache muss insbesondere bei Gesetzestexten, auch im Hinblick auf die Rechtsförmlichkeit, gewährleistet sein."

Wie die Debatte ausgeht, ist derzeit noch ungewiss. Die Rechts- und Sprachprüfung des Referentinnenentwurfs sei noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher des Justizministeriums dem Spiegel.

Dass das Ganze übrigens keine i-Tüpfelreiterei ist und es nicht - wie so oft gesagt - "weitaus wichtigere Themen" gibt, zeigen diverse Studien. Frauen werden durch fehlende (sprachliche) Repräsentation auch weniger wahrgenommen.

Personalpronomen "hen" hat positive Auswirkungen

Während bei uns in Österreich überhaupt noch über das Binnen-I diskutiert wird, ging man im Schwedischen einen Schritt weiter: Seit 2015 gibt es in Schweden nämlich die Wortneuschöpfung "hen" als ungeschlechtliches (also auch nichtsächliches) Ersatzpersonalpronomen statt "han" (er) und "hon" (sie).

Geschlechterneutrale Sprache bekämpft Vorurteile

Und genau zu diesem Personalpronomen gibt es jetzt eine neue Studie - und ... wir haben's ja schon immer gesagt: 3.393 SchwedInnen waren Teil eines Tests, der die Folgen und Effekte dieser Sprachänderung untersuchte. Und das Ergebnis ist eindeutig: Das geschlechtsneutrale Pronomen "hen" scheint neben der Verbesserung positiver Gefühle gegenüber LGBTQ-Menschen auch dazu beitragen, mentale Vorurteile zu bekämpfen, die Männer begünstigen und schärft das Bewusstsein für andere Geschlechtsidentitäten.

In diesem Sinne zitieren wir zum Abschluss gerne die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Mast: "Ein wenig geschlechtergerechte Sprache wird die Bundespolitik schon aushalten". Sehen wir genau so. Gut, dass der Stein *endlich* ins Rollen kommt.