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Gesund abnehmen mit Genuss: So hat es diese Frau geschafft

Lust statt Frust: Die Psychologin Barbara Jung hat 25 Kilo abgenommen und erzählt im Interview, wie uns Frust-Essen und mangelnde Genussfähigkeit am Abnehmen hindert.

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Gesund abnehmen mit Genuss: So hat es diese Frau geschafft

"Neben Ernährung und Bewegung ist die psychische Gesundheit ein enorm wichtiger Faktor beim Abnehmen."

© Privat

Es scheint ein ewiger Kreislauf zu sein: Wer zum Frustessen neigt und mit seinem Gewicht unzufrieden ist, fühlt sich frustriert und isst automatisch mehr. Und auch Umgekehrtes kann der Fall sein: Bei Frust kann einem der Appetit auch vergehen. Die Psychologin Barbara Jung hat diesen Kreislauf durchbrochen. Zum einen durch Selbstreflexion und das Loslassen eines Themas, das sie lange Zeit beschäftigt hat, und zum anderen durch genussvolles Essen. Vor 7 Jahren verlor die Mutter einer Tochter 25 Kilo und hält ihr Gewicht bis heute. Nun möchte sie ihre Erfahrungen und ihre Liebe zum Genuss anderen Menschen weitergeben und ihnen dabei helfen, Stress abzubauen, sich wohlzufühlen und durch ein gesundes und genussvolles Verhältnis zum Essen ihr Bauchgefühl, also ihre Intuition zu stärken. Wie Geist und Körper zusammenwirken, warum psychischer Stress so auf unseren Darm schlägt und wie sie es geschafft hat 25 Kilo abzunehmen und ihre Figur erfolgreich zu halten, verrät die 48-Jährige im Interview.

WOMAN: Warum wolltest du abnehmen?

Barbara Jung: Ich war damals noch mit meinem Ex-Partner zusammen und war zu diesem Zeitpunkt sehr unglücklich. Ich habe beschlossen, etwas zu ändern und habe mich von ihm getrennt. Ich musste ihn auch innerlich loslassen, denn ich wollte unbedingt, dass diese Partnerschaft funktioniert. Das musste ich erst einmal akzeptieren. Als es mir dann immer besser ging, purzelten dann auch die Pfunde. Gleichzeitig hat mich mein damaliger Zahnarzt auf eine Nahrungsergänzungsmittel-Linie aufmerksam gemacht, die bei der Gewichtsreduktion helfen soll. Die wollte ich unbedingt ausprobieren. Die Kapseln haben zwar unterstützend geholfen, abgenommen habe ich aber deshalb, weil es mir psychisch besser ging. Ich habe davor alle möglichen Diäten durchgezogen – nichts hat funktioniert. Im gleichen Jahr war auch ein großes Klassentreffen angesetzt. Ich wollte bis dahin so viel Gewicht verlieren, um fast so auszusehen wie mit 19. Und wie man am Foto sieht – das habe ich auch geschafft. Das Foto diente zur Motivation.

Was hat dich zu diesem Zeitpunkt belastet?

Mein Ex-Partner und ich haben ein gemeinsames Kind, das 2005 auf die Welt kam. Während der Schwangerschaft hatte ich zugenommen. Und auch danach blieben die Kilo drauf. Intimität war damals leider kein Thema zwischen uns. Das war für mich sehr frustrierend. Ich hatte 2012 beschlossen, den Wunsch nach einer harmonischen Beziehung mit meinem Partner los zu lassen.

»Ich habe den Frust losgelassen und die Kilo sind gepurzelt.«

Wie hast du es geschafft 25 Kilo zu verlieren und das Gewicht zu halten?

Ich habe damals schon drei Mahlzeiten zu mir genommen. Und das handhabe ich bis jetzt immer noch so. Ich halte mich an diese alte Bauernregel: Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König, Abendessen wie ein Bettelmann. Abends spare ich Kohlenhydrate ein. Beim Schlafen braucht man ja diese Kraft und Energie nicht. Tagsüber brauche ich sie unbedingt. Das Wichtigste ist, dass man sich fürs Essen Zeit nimmt und dass man dem Körper alle Nährstoffe zufügt, die er braucht. Außerdem habe ich mir während des Abnehmprozesses häufig Salate gemacht – mit Ei, mit Thunfisch, mit Käse.
Mein Ex-Mann war ein ziemlicher Fleischesser. Mittlerweile esse ich unter der Woche meistens vegetarisch und nur am Wochenende Fleisch. Auch regionale und saisonale Ernährung ist mir immer wichtiger geworden.

Betreibst du viel Sport?

Die Ernährungsumstellung alleine ist natürlich zu wenig. Die regelmäßige Bewegung ist beim Abnehmen natürlich sehr wichtig. Ich habe damals mit Nordic Walking begonnen. Meistens bin ich zweimal pro Woche ein bis anderthalb Stunden gewalkt. Auch eine Bewegungsuhr hat mich auch dazu motiviert, mehr Sport zu betreiben. Ein paar Jahre später habe ich dann einen Hund bekommen. Mit dem muss ich täglich dreimal rausgehen. Bewegung ist sehr wichtig, aber auch auf die Psyche darf man nicht vergessen.

Psyche und Abnehmen: Wie hängt das für dich zusammen?

Ich bin davon überzeugt, dass es immer eine Ursache dafür gibt, warum man ursprünglich zugenommen hat. Da gibt es den klassischen Frustesser – da muss man darauf schauen "Was frustriert mich in meinem Leben eigentlich?". Je mehr man genießen kann und sich wiederum besser fühlt, desto eher hat man die Kraft, darüber zu reflektieren, warum man eigentlich zugenommen hat.

»Die Psyche ist beim Abnehmen ein enorm wichtiger Faktor«

Mich hat beispielsweise eine Beziehung belastet, die mich nicht glücklich gemacht hat. Das Erstaunliche: Ich habe damals – von der Menge her – nicht viel mehr gegessen als heute. Natürlich habe ich mit meinen damaligen Partner andere Dinge gegessen als ich es jetzt tue. Zum Beispiel habe ich abends öfter Wurst- und Käseaufschnitte und frisches Brot gegessen. Und auch die Bewegung fehlte mir zu diesem Zeitpunkt. Allerdings war es nicht so, dass ich übermäßig viel genascht hätte. Und auch mein morgendliches, gesundes Müsli stand damals schon auf dem Speiseplan.

Was ich wirklich geändert habe, ist, dass ich versucht habe, diesen Frust und den negativen Stress einfach loszulassen. Die meisten Menschen haben Angst vor dem Loslassen. Dann kann ich fragen: "Woran hältst du denn fest?" Letztendlich belastet man sich selbst nämlich mit diesem krampfhaften Festhalten.

Was bedeutet für dich Genuss?

Ein Genussmoment ist für mich ein Moment, in dem ich mich pudelwohl fühle, in dem ich stundenlang bleiben könnte und alles andere um mich herum vergesse. Genuss braucht in erster Linie Zeit. Hektisch zu essen bringt gar nichts. Man sollte sich bewusst Zeit nehmen für das, was man zu sich nimmt. Dann – und davon bin ich überzeugt – nimmt der Körper die Nahrung anders auf. Wenn man mit schlechtem Gewissen isst, landet es wahrscheinlich dort, wo man es nicht haben will. Die Sorge, dass man zunimmt, ist einfach fehl am Platz.

Wenn man im Alltag bewusst Genussmomente einbaut, kann man Stress und in Folge verschiedensten Krankheiten vorbeugen. Auch Musik kann "genossen" werden. Ich habe erst kürzlich eine Studie zu diesem Thema gelesen: Personen ohne Tanz-Erfahrungen wurden gebeten, sich intuitiv zur Musik zu bewegen, die ihnen ein positives Gefühl weckt. Dabei wurde die Herzfrequenzvariabilität gemessen – und die sank sofort. Aber auch eine schöne Aussicht oder Kerzenlicht kann man genießen und richtig abschalten. Da merke ich, wie mein Herz dabei aufgeht. Man muss selbst für diese besonderen Genussmomente sorgen und sie bewusst schaffen.

Und der Genuss ist auch in deinem Beruf zum Thema geworden?

Hätte mir damals jemand gesagt, wie wichtig der Genuss ist, wäre mein Leben vielleicht anders verlaufen. Aber ich habe aus dem Schmerz heraus gelernt. Ich habe mir angesehen, was hinter dem Schmerz steckt. Und so hab ich gelernt, den Genuss zu nutzen. Das möchte ich natürlich auch an meine Klienten weitergeben. Ich strebe besonders die Arbeit in der Prävention an. Zum Beispiel von schwangeren Frauen, die häufig unter Stress stehen. Ihnen möchte ich helfen, durch Genuss voll in ihre Mitte und gestärkt zu sein. Denn negativer Stress in der Schwangerschaft kann sich auf das Baby auswirken, das ist erwiesen. Aber auch Führungskräfte möchte ich durch das "Chocofalla Genusscoaching" unterstützen. Aber auch die Gastronomen möchte ich damit ansprechen, denn die sitzen quasi an der Qelle zu einem Teil des Genusses, hier dem kulinarischen Genuss.

»Wenn Kopf und Bauch wieder miteinander können, steigt auch das Wohlbefinden. «

Stressabbau durch Genuss und dadurch mehr Gesundheit erlangen – das ist ein großes Thema in meiner Arbeit. Viele Menschen leiden unter Darmproblemen. Ich sage: Wenn Kopf und Bauch wieder miteinander können, steigt auch das Wohlbefinden. Man spürt sich selbst und den anderen mehr. Man lernt, sich für sich selbst Zeit zu nehmen. Viele Studien haben bereits gezeigt, dass sich negativer Stress auf das Mikrobiom im Darm auswirkt. Diese durch Stress mutierten Darmbakterien, können durch Genuss und Wohlbefinden wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Ich beschäftige mich derzeit mit vielen medizinischen Studien zu diesem Thema, die das belegen können. Die Lebensfreude und damit die mentale Gesundheit können durch den Genuss gestärkt werden. Das "Bauchgefühl", die Intuition wächst und man fühlt sich wieder wohl. Bei manchen purzeln vielleicht auch die Pfunde.

Welche Tipps würdest du jemanden geben, der abnehmen will?

Beim Abnehmen ist es wichtig, dass man dem Körper alle Nährstoffe gibt, die er braucht. Bei einseitigen Diäten hat man vielleicht kurzfristigen Erfolg, aber der Körper bekommt bei Weitem nicht alle Nährstoffe. Heißhungerattacken sind die Folge. Und der Genuss hat natürlich einen großen Stellenwert: Wer genießt, baut negativen Stress ab und fühlt sich in seinem eigenen Körper wohl. Als ich noch mit meinem Ex-Partner zusammengelebt habe, hab ich ihn manchmal mit meinem Kind raus geschickt und habe mir bewusst Zeit für mich genommen, Zeit zum Genießen. Das würde ich jedem empfehlen. Und natürlich an dem persönlichen Thema zu arbeiten: Was löst negativen Stress aus? Was frustriert mich eigentlich? Und was kann ich in meinem Leben nicht loslassen? Sie werden sehen, sobald dieser Stress loslässt, purzeln die Kilos fast wie von allein. Frustfreies, genussvolles Essen schlägt nicht auf die Figur – davon bin ich mittlerweile überzeugt.

Barbara Jung hat eine Praxis im 13. Bezirk in Wien und gibt selbst Workshops, in denen sie Menschen das Thema "Genuss" näher bringt. In ihrer Praxis betreut sie ihre KlientInnen individuell. Mehr Infos gibt es hier.

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Thema: Ernährung