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Ist es gut, wenn ER im Haushalt hilft?

"Jetzt hilf mir doch endlich mehr beim Haushalt!" Schon mal zum Ehemann gesagt? Wenn du dir das Ergebnis dieser Studie liest, denkst du vielleicht anders darüber...


Geteilte Haushaltsführung bedeutet Scheidung

Wenn er im Haushalt hilft, steigt das Scheidungsrisiko!

© Thinkstock Images. Pic by Ana Blazic.

Diese Diskussion gibt es wohl in jeder Partnerschaft: Wer macht was im Haushalt? Die einen finden: Die Frau ist primär für den Haushalt zuständig, der Mann saugt vielleicht mal durch oder bringt den Müll weg. Die anderen empören sich dann darüber und rufen laut: Nein, der Haushalt gehört gerecht aufgeteilt - 50/50 eben! Doch ist das wirklich so gut?

Eine norwegische Studie sagt, dass die Scheidungsrate bei Eheleuten, die sich die Hausarbeit teilen, höher sei, als bei Paaren, bei denen die Frau sich größtenteils um den Haushalt kümmert. Thomas Hansen, Co-Autor der Studie, erklärt: "Eigentlich würde man annehmen, dass Trennungen eher in Beziehungen mit einem Ungleichgewicht in diesem Bereich auftauchen. Unsere Statistiken zeigen aber genau das Gegenteil." Die Ergebnisse seien ganz eindeutig: "Je mehr ein Mann im Haushalt erledigt, desto höher ist die Scheidungsrate."

Wie kann das sein?

Die Ursachen für dieses Ergebnis konnten die Wissenschaftler des Forschungsinstituts Nova allerdings nicht anführen. Erklären kann sich Hansen das Ergebnis nur durch die neue Unabhängigkeit der Frauen. "Bei modernen Paaren haben auch die Frauen einen hohen Bildungsgrad sowie eine gut bezahlte Stelle, womit sie finanziell weniger abhängig vom Mann sind." Paare müssen nicht mehr zwanghaft in einem "Für immer und ewig" bleiben, wenn sie keine Lust darauf haben. Scheidungen gehen heutzutage weit weniger dramatisch über die Bühne, als noch vor ein paar Jahren. Oft wird eine Scheidung sogar als etwas Positives gesehen, da man nicht mehr streiten muss.

Wiener Therapeut widerspricht

Im Gegensatz zu der norwegischen Studie stehen die Aussagen des Wiener Paartherapeuten und Buchautors Roland Bösel in einem Interview mit News: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Paare, die sich bestimmte Themen wie Beruf, Kinder oder Hausarbeit teilen, prinzipiell eine längere Beziehung aufzeigen", betont er. Das gegenseitige Stützen helfe beim Gelingen einer stabilen Beziehung. Dabei soll schon allein das Zeigen von Interesse und die Frage nach Hilfe bei der Hausarbeit vonseiten der Männer zu einer besseren Gefühlslage der Frauen führen. "Wichtig ist es, Gefühle zu zeigen", so der Autor des Buches "Leih mir dein Ohr und ich schenk dir mein Herz".

Einsamkeit oft Beziehungskiller

"Das Hauptproblem am Scheitern von Beziehungen ist die Vereinsamung", führt Bösel seine Sicht der Dinge aus. Wenn die Frau das Kind als Haupttätigkeitsfeld hat und der Mann in einer beruflichen Fixierung steckt, komme es zu einer Vereinsamung beiderseits, was wiederum zur Scheidung führe. "Die Ehen sind heute sogar besser als früher, aber man trennt sich viel leichter", so der Paartherapeut. Viele leben demnach in einer Wegwerfgesellschaft, die nicht gelernt hat, mit Problemen umzugehen. "Wenn unser Handy kaputt geht, werfen wir es weg und kaufen uns ein neues", erklärt Bösel. So geschehe es auch mit einer Beziehung. Sobald diese nicht mehr funktioniert, greife man lieber zur nächsten als die bestehende problematische zu "reparieren".